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Preisentwicklung

Obst- und Gemüse: Steigende Kosten treiben Verbraucherpreise

Vielfalt an Gemüse
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 06.04.2022 - 10:17

Selbst wenn es politische Eingriffe, wie ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz als bei Fleisch, geben sollte, werden Obst und Gemüse an der allgemeinen Preisentwicklung teilhaben. Die Erzeuger befürchten einen Umstieg der Konsumenten auf mehr Obst im unteren Preissegment des Markts.

Eine Markteinschätzung für Obst und Gemüse für das Jahr 2022 betrachten die Erzeuger als schwierig. Von den allgemeinen Kostensteigerung sind aber sie betroffen. Das wird sich auch im Verbraucherpreis niederschlagen.

Obst: Einbruch bei Export von Südfrüchten nach Russland erwartet

Durch die steigenden Energiekosten und dem damit kleineren Budget für Lebensmittel kauft der Konsument das Obst gezielter und bedarfsgerechter. Die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVOE) befürchtet, dass Konsumenten mehr Obst im unteren Preissegment des Markts bevorzugen werden.

Andererseits verteuert sich Obst durch deutlich höhere Produktions-, Transport- und Verpackungskosten.

Durch den Krieg in der Ukraine verändern sich auch die Warenströme, aktuell besonders bei Früchten von der Südhalbkugel. Ab Mai setzt verstärkt die europäische Obstproduktion ein: Für deren Vermarktung könnten die Märkte in Osteuropa wegfallen. Durch die veränderten Rahmenbedingungen müssen sich die Märkte neu finden.

Die steigenden Kosten werden sich letztendlich auf die Ladenverkaufspreise auswirken. Außerdem importiert Russland jährlich 4,5 Millionen Tonnen Obst, das zu einem sehr hohen Anteil auf andere Märkte verteilt werden muss. Eine Markteinschätzung für das Jahr 2022 gleicht laut BVOE einem Blick in die Glaskugel.

Gemüsemarkt: Steigenden Lohnkosten erhöhen Zwang zur Automatisierung

Obstanbau

Die Gemüsemärkte werden ebenfalls vor allem durch die deutlich gestiegenen Rohstoffpreise und höhere Aushilfslöhne beeinflusst. Nach einer AMI- Kalkulation von Dezember 2021 ist bei den Produktionskosten für Tomaten in Deutschland im Jahr 2022 gegenüber 2019 ein Plus von 22 Prozent oder 33 Cent/kg zu erwarten. Diese Kalkulation ist aufgrund der seitdem nochmals gestiegenen Energiekosten allerdings schon überholt.

In den Niederlanden, und teilweise auch in Deutschland, wurde in den Gewächshäusern später als sonst gepflanzt. Auch die Logistikkosten sind gestiegen: Für die Strecke von Almeria in Andalusien bis Berlin würde die Differenz bei Tomaten jedoch nur 6 bis 8 Cent/kg ausmachen. Gegenüber der energieintensiven Produktion in Nordwesteuropa hat sich die Position der Mittelmeerländer in den Wintermonaten also etwas verbessert.

Für die Freilandproduktion sind Vorhersagen aufgrund der hohen Witterungsabhängigkeit der Ernten kaum möglich. Langfristig werden die steigenden Kosten auch hier zu steigenden Preisen führen müssen, wobei die Arbeitskosten das wichtigste Preiselement sind. Damit ist klar, dass der Zwang zur Automatisierung und Mechanisierung anhalten wird. Kurzfristig werden die Märkte vom verfügbaren Angebot bestimmt. So sieht die BVOE im ersten Quartal für Lagerkulturen wie Möhren und Zwiebeln bei hoher Verfügbarkeit einen recht starken Preisdruck trotz gestiegener Kosten.

Die Auswirkungen des russischen Überfalls auf die Ukraine auf die Märkte für Gemüse sind vor allem indirekter Natur. Wegen des geringen Warenaustausches mit Gemüse zwischen Deutschland und der Ukraine oder Deutschland und Russland sind direkte Auswirkungen nicht zu erwarten.