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Geflügel

Nur noch Eier aus Freilandhaltung?

Künftig nur noch im Freiland? Lidl in Großbritannien verpflichtet sich, nur noch Eier aus Freilandhaltung zu vermarkten.
Florian Maucher
Florian Maucher
am Montag, 14.11.2022 - 07:30

Lidl verkauft in Großbritannien ab Ende 2024 nur noch Eier aus Freilandhaltung. Droht Ähnliches in Bayern? Das Wochenblatt hat nachgefragt.

Künftig nur noch im Freiland? Lidl in Großbritannien verpflichtet sich, nur noch Eier aus Freilandhaltung zu vermarkten.

Der Discounter Lidl Großbritannien hat sich dazu verpflichtet, in seinen Geschäften ab Ende 2024 zu 100 % Eier aus Freilandhaltung zu verkaufen. Das teilt die Presseagentur Agra Europe mit. Demnach wolle das Unternehmen sein Engagement für das Wohlergehen der Legehennen unterstreichen. Lidl sei nach eigenen Angaben der erste Discounter im Vereinigten Königreich, der diesen Schritt geht.

Laut Martin Kottbauer, Handelsbeauftragter von Lidl Großbritannien, liegt der Gesamtmarktanteil von Lidl Großbritannien derzeit bei 7,1 %. Es würden aber 12 % aller frischen Schaleneier im Königreich bei Lidl gekauft. „Wir hoffen, dass diese Verpflichtung zu einem positiven Wandel in der gesamten Branche beitragen wird“, erklärte der Handelsbeauftragte.

Das Wochenblatt hat bei den Handelsunternehmen Lidl, Rewe und Aldi Süd in Deutschland nachgefragt, ob Schritte wie in Großbritannien auch auf dem heimischen Markt denkbar seien. „Wir beobachten die Marktlage und setzen uns mit diesen Themen auseinander“, hieß es dazu in einer Stellungnahme des Handelsriesen Aldi Süd. „Dazu wollen wir darauf hinweisen, dass die Ausgangslage in Deutschland und Großbritannien aufgrund des unterschiedlichen Selbstversorgungsgrades differenziert zu betrachten ist.“ Aldi Süd teilte weiter mit, dass sie aktuell neben den Bio-Eiern aus Deutschland und den Niederlanden auch Freiland-Eier unter der Tierwohlmarke „Fair & gut“ im Sortiment führen. Lidl und Rewe reagierten nicht auf die Anfrage.

Was nachgefragt wird, wird auch erzeugt

Die bayerischen Landwirte erzeugen das, was am Markt nachgefragt und auch bezahlt wird“, antwortet Irene Pfeiffer, Referentin für Tierhaltung und Tierschutz beim Bayerischen Bauernverband (BBV), ob sie diesen Schritt auch in Bayern für denkbar hält: „Wenn mehr Freilandeier abgesetzt werden können, werden sich sicherlich auch die benötigten Legehennenhalter finden.“ Sie zeigte aber auch auf, dass in Großbritannien bereits mehr als 50 % der Legehennen in Freilandhaltung gehalten werden und die Situation nicht mit jener in Bayern mit rund 23 Prozent Freilandhaltung vergleichbar ist.

Leider verfolge der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) allerdings auch bei seinen Tierwohlprodukten, mit welchen er sich profiliert, eine aggressive Niedrigpreis-Strategie. „Für uns von entscheidender Bedeutung ist die Kopplung der Tierhaltungsform mit der Regionalität: die Freilandeier sollen dann bitte auch zu angemessenen Erzeugerpreisen aus Bayern kommen.“

Gesucht: Verlässlichkeit und passende Preise

Die BBV-Tierhaltungsexpertin stellt dabei auch klar, dass jede Haltungsform spezifische Vor- und Nachteile hat, sodass Freilandhaltung nicht automatisch in allen Punkten die „beste“ Haltungsform sei. „Grundsätzlich deutlich zu kritisieren ist, wenn der LEH sich zwar Tierwohl auf die Fahnen schreibt, aber die Tierhalter ständig nur vor neue, mit Kosten verbundene Anforderungen gestellt werden, ohne langfristige Verlässlichkeit und passende Erzeugerpreise zu bekommen.“

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Eierproduktion in Bayern

Die Eierproduktion der 347 bayerischen Betriebe mit mindestens 3000 Legehennen im Jahr 2021 liegt laut Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik bei rund 1,1 Mrd. Eiern. Das entspricht täglich rund 3 Mio. Eier. Jeder Einwohner Bayerns hätte somit mit 83 bayerischen Eiern versorgt werden können. Die Legeleistung einer bayerischen Henne liegt im Jahr 2021 bei durchschnittlich 291 Eiern.

Laut den Statistiken ist die Bodenhaltung die in Bayern dominierende Haltungsform. Aus dieser stammten 2021 58,3 % der Eier. Im Jahr 2016 lag dieser Anteil noch bei 66,2 %. Rund 18 % der Eier stammten aus Biobetrieben. Die restlichen 23,7 % wurden zum Großteil in Betrieben mit Freilandhaltung sowie zu einem sehr geringen Anteil in Betrieben mit Kleingruppenhaltung und ausgestalteten Käfigen produziert.