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Bilanz Getreideernte Bayern

In Nordbayern droht dramatischer Futterengpass

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 19.08.2022 - 09:50

Bayerischer Bauernverband stellt Ergebnisse der Ernteumfrage vor. Internationaler Getreiderat senkt Weltgetreideernte leicht ab.

Silomaisernte-Transport

Die Bilanz der diesjährigen Getreideernte in Bayern fällt sehr gemischt aus. In Nordbayern spitzt sich wegen enttäuschender Silomaisernte dagegen die Notlage bei der Futterversorgung zu. Das zeigen die Ergebnisse der Ernteumfrage im Ackerbau des Bayerischen Bauernverbands.

„Hitze und Trockenheit sorgen für eine unterdurchschnittliche Erntebilanz in Bayern. Selten waren die regionalen und lokalen Unterschiede bei der Erntemenge und der Qualität so extrem“, zieht Hermann Greif, Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbands sein Fazit.

Es gab in diesem Jahr so gut wie keine flächendeckenden Niederschläge. Wenn es geregnet hat, dann meistens in Form von lokal eng abgegrenzten Gewittern.

Nur Wintergerste mit gutem Ergebnis

Die Wintergerste hat laut Ernteumfrage mit einem durchschnittlichen Ertrag von 71 dt/ha noch am besten abgeschnitten. Sie konnte die im Boden vorhandene Feuchtigkeit nutzen, auch wenn vereinzelt von Schmachtkorn berichtet wurde, so Greif.

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Im Vergleich zu den offiziellen Erntedaten des Landesamtes für Statistik fiel der Hektarertrag rund vier Prozent höher aus als 2021.

Bei der Braugerste gibt es große Unterschiede. Sie hat vor allem in Nordbayern sehr unter der Trockenheit im Frühsommer gelitten und erreicht nicht immer die erforderliche Brauqualität. Der durchschnittliche Ertrag liegt laut der Umfrage bei 53 dt/ha. Das entspricht in nach den offiziellen Statistikdaten etwa dem Ertragsniveau des Vorjahres.

Weizen bleibt auf schwachem Vorjahresniveau

Beim Winterweizen sind die standortbedingten Unterschiede besonders groß. „Die Trockenheit hat oft zu schneller Abreife und teilweise zu Schmachtkorn geführt“, betont der Getreidepräsident. Das drückt sich auch im Ergebnis aus. 72 dt/ha konnten Bayerns Bauern so nur ernten. Das entspricht dem schwachen Vorjahresniveau. Denn bereits damals ernteten die Bauern mit 72 dt/ha einen um 12 Prozent niedrigeren Hektarertrag als 2020.

Raps braucht dringend Regen

Regionale Unterschiede gibt es auch beim Raps, auch wenn hier nach der BBV-Erntebilanz im gesamtbayerischen Blick beinahe eine durchschnittliche Ernte mit 37,1 dt/ha erzielt werden konnte. Damit wurde das Ertragsniveau des Vorjahres nur knapp unterschritten.

Die Ölgehalte waren weitgehend positiv und die Trockenheit trug dazu bei, dass die Saat sehr trocken geerntet werden konnte. „Problematisch wird die Trockenheit jetzt nach der Aussaat. Wenn es nicht bald regnet, werden viele Körner nicht keimen können,“ warnt Greif schon vor dem nächsten Problem.

Erschütternd schwache Silomaisernte

Beim Mais und beim Grünland hat die Trockenheit mit voller Härte zugeschlagen und extreme Schäden verursacht. Die ersten Ergebnisse der Silomaisernte sind teilweise erschütternd und nur der erste Schnitt auf Grünland, Weiden und Wiesen war bayernweit zufriedenstellend. Weitere Schnitte sind laut Greif vor allem in Nordbayern ausgefallen.

Für viele Tierhalter werde das zu ernsten Problemen bei der Futterversorgung führen, warnt der Bayerische Bauernverband. Er verweist daher auf seine Futterbörse. Dort können notleidende Tierhalter überregional Futter zukaufen.

Weltweit zweithöchste Getreideernte erwartet

International sind die Aussichten für die Getreideernte 2022/23 indes weiterhin gut, auch wenn der Internationale Getreiderat (IGC) seine Prognose am Donnerstag (18.8.) geringfügig nach unten korrigiert hat. So gehen die Londoner Experten weiterhin von einer historisch zweitgrößten Ernte aus. Siee beziffern die Weltgetreideernte jetzt auf 2,248 Mrd. t. Das wären 4 Mio. t Getreide weniger als noch im Juli und 43 Mio. t oder 1,9 % weniger als im Rekordjahr 2021/22. Der Durchschnitt der vergangenen drei Jahre würde damit allerdings um etwa 10 Mio t Getreide übertroffen.

Weniger Mais, aber mehr Weizen

Im Einzelnen passte der IGC seine Prognose für die internationale Maisproduktion 2022/23 um 10 Mio. t auf jetzt 1,179 Mio. t nach unten an; damit würde die Vorjahresmenge um 40 Mio. t oder 3,3 % verfehlt. Optimistischer fällt dagegen die Voraussage für globale Weizenerzeugung von 778 Mio. t aus. Im Juli waren lediglich 770 Mio. t erwartet worden. Die Vorjahresmenge würde damit um lediglich 3 Mio. t Weizen verfehlt.

Weniger Getreide auf Lager

Trotz der guten Ernteprognosen werden die Vorräte nicht mehr. Laut der aktuellen IGC-Prognose werden die Getreidebestände bis zum Ende der laufenden Vermarktungsperiode im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt wahrscheinlich um 26 Mio. t oder 4,3 % auf ein Achtjahrestief von 577 Mio. t abgestockt. Nur die Weizenbestände könnten im Vergleich zur Julischätzung leicht auf 275 Mio. t anwachsen. Das wären aber immer noch 5 Mio. t weniger als 2021/22. Die weltweiten Lagerbestände bei Mais sollen dagegen um 18 Mio. t auf 265 Mio. t zurückgehen.

Außerdem dürfte das globale Handelsvolumen um 15 Mio. t oder 3,5 % auf 409 Mio. t eingeschränkt werden. Diese negative Entwicklung wird vor allem mit voraussichtlich kleineren Exporten der Ukraine begründet.

Mit Material von AgE