AMI-Milchpreisvergleich

Milchpreis - Vorschau für 2019

Fleckvieh
Andreas Gorn, ami
am Mittwoch, 24.07.2019 - 15:19

Bei uneinheitlichen Entwicklungen an den Produktmärkten ging die Gesamtverwertung der Molkereien beim Rohstoff Milch zurück. Dies hatte im ersten Halbjahr 2019 Rücknahmen bei den Erzeugerpreisen zur Folge. Zur Jahresmitte zeichnet sich eine Stabilisierung beim Milchgeld ab, ein Anstieg ab Sommer wie in den Vorjahren ist aber wohl nicht zu erwarten.

Im ersten Halbjahr 2019 zeigte die Milchanlieferung in Deutschland einen gedämpften Verlauf. Die Molkereien erfassten in den ersten sechs Monaten schätzungsweise 1 % weniger Milch als im Vorjahr. Hierzu dürften die reduzierten Milchkuhbestände, aber auch die Folgen der Dürre 2018 beigetragen haben.

Die frühlingshaften Temperaturen im Februar und März haben jedoch das Grünlandwachstum frühzeitig einsetzen lassen, wodurch größere Auswirkungen durch das regional fehlende oder qualitativ abfallende Grundfutter abgepuffert wurden. Dennoch war der saisonale Anstieg in diesem Jahr phasenweise nur unterdurchschnittlich ausgeprägt und die Milchspitze wurde früher als sonst üblich erreicht.

Der Rohstoff Milch war trotzdem nicht knapp, die Mengen von 2017 wurden zumindest bis Mai teils deutlich übertroffen. Zudem war das Rohstoffaufkommen auf europäischer Ebene ab März wieder auf Wachstumskurs. Hier übertrafen die deutlichen Zuwächse in Irland, dem Vereinigten Königreich und Polen die Rückgänge in Frankreich, den Niederlanden und Italien.

Fett- und Eiweißverwertung wieder näher beieinander

An den Produktmärkten zeigten sich im bisherigen Verlauf von 2019 uneinheitliche Entwicklungen. Im Zuge des gedämpfen Milchaufkommens war frische Ware zunächst begrenzt verfügbar, wodurch im ersten Halbjahr stabile bis feste Preisentwicklungen das Bild dominierten.

Auf der Eiweißseite wirkte sich der flotte Abverkauf und der damit verbundene Abbau der restlichen Interventionsbestände nachhaltig auf die Preisentwicklung aus. Bis Juni kletterten die Notierungen für Magermilchpulver auf knapp 2.100 EUR/t, das bedeutet gegenüber dem Tiefststand des Vorjahres einen Anstieg um rund 60 %.

Bei Butter gaben die Preise hingegen im Zuge der ausreichenden Bestände und einer phasenweise abwartenden Nachfrage im ersten Halbjahr weiter nach. Zur Jahresmitte war die Notierung für Blockbutter mit 3.860 EUR/t so niedrig wie zuletzt im Herbst 2016. Vergleichsweise stabil war die Entwicklung beim Käse, allerdings nur was die Industrieware angeht. Der Lebensmitteleinzelhandel hat die Preise für Standardartikel im Käseregal kräftig gesenkt. In diesem Marktumfeld haben sich Milchfrischprodukte mit einem minimalen Anstieg bei der Konsummilch vergleichsweise gut behauptet.

Dadurch näherten sich die Verwertungen von Fett und Eiweiß zwar wieder spürbar an, nachdem in den beiden Vorjahren das Milchfett nahezu alleine den Milchpreis bestritten hatte. Ein klarer Trend lässt sich damit im Jahr 2019 aber nicht erkennen. So hat die Verwertung aus Butter und Magermilchpulver in den ersten sechs Monaten bereits dreimal die Richtung geändert.

Am Weltmarkt waren die europäischen Anbieter, in Folge der Befestigung bei den internationalen Preisen, nahezu produktübergreifend wettbewerbsfähig, was neben dem Warenabfluss am Binnenmarkt gute Absatzmöglichkeiten in Drittländer mit sich brachte. Unterstützt wurde dies von der teils eingeschränkten Lieferfähigkeit bei den anderen Anbietern und den bestehenden bilateralen Schwierigkeiten mit traditionell bedeutenden Abnehmern. Die größten Zuwächse im Export verzeichnete dabei Magermilchpulver.

Talsohle der Milchpreise zur Jahresmitte – und dann?

Die Erzeugerpreise bildeten zeitverzögert die Entwicklungen an den Produktmärkten ab. Dabei überwogen die Abschläge bei Butter und Schnittkäse im langfristigen Geschäft mit dem LEH den höheren Verwertungen des Rohstoffes über Milchpulver und in geringerem Umfang auch bei der weißen Linie. Bis zur Jahresmitte reduzierten die Molkereien ihre Auszahlungsleistung im Zuge dessen im Bundesmittel auf knapp 33 Ct/kg.

Für das zweite Halbjahr zeichnen sich produktseitig derzeit keine gravierenden Preisveränderungen ab, weder nach oben noch nach unten. Das Milchaufkommen wird bis November saisonal üblich abnehmen. Ob der Rückgang dabei durch erneute Hitze und Trockenheit zusätzlich verstärkt wird, bleibt abzuwarten. Futterreserven sind in den Betrieben zumindest nicht wie sonst üblich vorhanden, wodurch sich eine weitere Dürreperiode wohl stärker auf die Produktion auswirken würde als dies 2018 der Fall war.

Über den Sommer zeigen sich an den Produktmärkten, durch die ferienbedingt ruhigere Nachfrage, in der Regel bestenfalls stabile Preistendenzen. Bei einem witterungsbedingt stärkeren Rückgang der Milchproduktion sind auch Preisanstiege möglich, je nach Umfang sogar  längerfristig.

Alles in Allem sollte in der zweiten Jahreshälfte, mit saisonal rückläufigen Milchmengen, auch für die Erzeugerpreise wieder ein gewisser Spielraum nach oben bestehen. Dieser ist jedoch, einen normalen Anlieferungsverlauf vorausgesetzt, aus jetziger Sicht recht begrenzt. Aufschläge im Umfang wie in den Vorjahren zeichnen sich derzeit nicht ab, sie sind aber bei etwaiger witterungsbedingter Rohstoffverknappung nicht auszuschließen. Je nach Verlauf schätzt die AMI 2019 für konventionell erzeugte Kuhmilch einen Jahresschnitt zwischen 33,0 bis 35,0 Ct/kg. Das wäre im unteren Bereich der Spanne leicht unter dem Niveau des Vorjahres.