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Milchpreis: Handel düpiert die Milchbauern

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 06.01.2021 - 17:15

Alle Bauernproteste nutzten nichts. Der Lebensmittelhandel haut den Butterpreis kräftig nach unten. Dabei ist der Milchmarkt gar nicht so schwach. Unterstützung kommt von Tierschützern.

Butterpreis

Die zahlreichen Aktionen von Milchbauern in den Tagen vor und nach Weihnachten, vor allem im norddeutschen Raum, vor Auslieferungslagern und Läden des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) waren vergebens: Ungeachtet der in bilateralen Gesprächen zwischen Erzeugern und Vertretern des Handels gemachten Zusagen, hat der LEH für die neue Kontraktperiode die Einkaufspreise für Deutsche Markenbutter, Eigenmarken des Handels um 56 Cent/kg nach unten geprügelt. Bei der gestrigen Notierung an der Kemptener Börse wurden die Preise für abgepackte Butter im so genannten Preiseinstiegssegment der Eigenmarken bei 3,24 Euro/kg veröffentlicht. Für die vergangenen beiden Monate lag das Preisniveau noch bei 3,80 Euro/kg netto. Die Laufzeit des neuen Kontraktes geht über zwei Monate, bis Ende Februar, berichtet der Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB).

Für den AbL-Milchsprecher Ottmar Ilchmann ist das ein "skandalöses Zeichen des Lebensmitteleinzelhandels, die Butterpreise jetzt sogar noch zu senken". Dabei ist der Weltmarktpreis für Butter bei der jüngsten Handelsauktion der GlobalDairyTrade angezogen. Der Durchschnittpreis über alle Produkte stieg um 3,9 Prozent, die Butterpreise sogar um 7,2 Prozent. "Nicht einmal diese positiven Marktaussichten werden genutzt, um den ErzeugerInnen bessere Preise zu zahlen", klagt Ilchmann.

Aber auch die Molkereien lassen laut Ilchmann ihre LieferantInnen im Regen stehen, denn sie verkaufen ihre Butter zu diesem desaströsen Preis an den LEH. Die Molkereien geben die Preisabschläge bequem an ihre LieferantInnen weiter. "Das zeigt doch einmal mehr, dass dieses System falsch ist und dringend geändert werden muss. Wir fordern von der Bauernschaft, den Molkereien, dem LEH, den VerbraucherInnen und auch der Politik, Verantwortung zu übernehmen,“ so der AbL-Milchsprecher.
 

Handel orientiert sich an lustloser Blockbutter

Laut VMB ließ und lässt die Situation am Milchmarkt ließ und läßt keine Begründung für das drastische Vorgehen des Handels gelten. Dass der LEH selbst vom Lockdown durch erhöhten privaten Verbrauch besonders profitiert, sei hinlänglich bekannt, so die VMB-Marktexperten.

Aber auch die Gesamtsicht des Milchmarktes, trotz der bekannten Einschränkungen im Absatz, lässt laut VMB durchaus das Prädikat "relativ robust" zu. Die um den Jahreswende übliche Konsum- und Absatzdelle ist aufgrund der bekannten Einschränkungen im Personenverkehr dieses Jahr komplett anders: Viel Essen dahoam!  Die kurzfristigen Indikatoren, die Preise am Spotmarkt, sind für die Jahreszeit erstaunlich stabil. Vor allem auch auf der Fettseite, wo über die Jahreswende für die Fetteinheit etwa 3,8 Cent notiert waren.

Lediglich der Markt für Blockbutter, an dessen Niveau sich der LEH jetzt orientiert hat, hat seit längerem zu wenig Impulse. Die steigenden Ölpreise stärken die Kaufkraft potentieller Importländer. Einzig die nicht einschätzbaren Folgen auf die jüngsten Vereinbarungen zum Brexit und auch der im Vergleich zum Dollar starke Euro sind negativ behaftete Parameter.

Mit Material von VMB

Ostendorff: Wo bleibt Klöckner?

Nach Auffassung von Friedrich Ostendorff, Agrarsprecher Fraktion Bündnis90/Die Grünen haben wieder Molkereien mit dem LEH auf dem Rücken von Bäuerinnen und Bauern die Preise unnötig stark runtergeknüppelt. Das sei schändlich.

Der Handel und die Molkereien seien keine verlässlichen Verhandlungspartner. "Warum schaltet sich die Bundesministerin Klöckner nicht ein? Sie fabuliert von wertlosen Verhaltenskodexen," bemängelt der grüne Agrarsprecher.

Handel verhindert Einstieg in den Umbau der Tierhaltung

„Alles in Butter beim Handel? Im Gegenteil, meint der Deutsche Tierschutzbund. Der Handel treibe trotz aller Proteste von Landwirten und Tier- und Umweltschutzverbänden das Billigpreissystem voran. So werde der Einstieg in ein System behindert, das Tier- und Umweltschutz und auch Verbraucherschutz achtet.

"Billigpreise für tierische Produkte waren nie legitim und sind es heute erst recht nicht. Das nimmt den Landwirten jede Luft, in den Umbau von Ställen hin zu mehr Tierschutz zu investieren", so die Tierschützer. Das sei eine der Ursachen für systemimmanente Tierqual.

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