Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milcherzeugung

Milchpreis: 8,68 Cent fehlen zur Kostendeckung

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 17.01.2022 - 16:18

Die Milcherzeugungskosten liegen immer noch über den Auszahlungspreisen. Das geht aus dem Milch Marker Index hervor.

Milchpreis

Der Milch Marker Index des MEG Michboard spiegelt die Kosten der Milcherzeugung wider. Im Oktober 2021 betrug er 112. Somit sind die Milcherzeugungskosten im Vergleich zum Basisjahr 2015 um 12 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Juli 2021 lagen die Milcherzeugungskosten in Deutschland mit 46,13 Cent pro Kilogramm Milch um knapp einen Cent höher, und der Milch Marker Index legte um 2 Prozent zu.

Da der Milchauszahlungspreis im gleichen Zeitraum um 1,66 Cent auf 37,45 Cent pro Kilogramm anstieg, veränderte sich die Preis-Kosten-Ratio von 0,79 auf 0,81. Der Milchauszahlungspreis deckt damit immer noch 19 Prozent der Kosten der Milcherzeugung nicht. Die Milcherzeugungskosten stiegen in allen drei Regionen Deutschlands. Insbesondere bei den süddeutschen Betrieben, in denen überwiegend Doppelnutzungsrassen wie das Fleckvieh eingesetzt werden, konnte der Kostendruck etwas besser abgefangen werden. Dies lag jedoch an den ebenfalls deutlich angestiegenen Rindererlösen.

Spotmarkt auf Rekordniveau – Preise für Erzeuger folgen nur verhalten

Milchmarker

Der durchschnittliche Milchpreis in der EU und auch in Deutschland lag im November 2021 laut EU-Marktbeobachtungstelle bei rund 40 Cent je Kilogramm Milch. Und auch der Kieler Rohstoffwert erreichte im Dezember einen historischen Höchststand von 51,50 Cent. Was sich zunächst für die gebeutelten Milcherzeuger gut anhört, relativiert sich nach Einschätzung der MEG Milch Board mit Blick auf die tatsächlichen landwirtschaftlichen Erzeugungskosten und die aktuellen Verwertungen im Handel mit Milchprodukten. 

Der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board Frank Lenz begrüßt die steigenden Milchpreise, ein Gefühl der Zufriedenheit kann er aber noch nicht verspüren. „Auch jetzt kann der durchschnittliche Milchviehbetrieb seine Erzeugungskosten nicht decken. Darüber hinaus haben die schlechten Milchpreise in den letzten Jahren große Löcher gerissen. Die Zielmarke in den Milchpreisverhandlungen muss deshalb mindestens bei 46,13 Cent liegen; und wenn es die Verwertungen hergeben, auch darüber. Milch ist aktuell extrem knapp!“