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Milchmarkt

Milchmarkt - zwigespaltene Verbraucher

Konsument
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Mittwoch, 02.10.2019 - 15:21

Die meisten Konsumenten leben in zwei Welten – der Wirklichkeit und der Scheinwelt.

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Die ganzjährige Anbindehaltung ist massiv unter Druck geraten. Nicht, weil die Milch schlechter ist, der Druck kommt von NGOs, die mit der Tierwohlkeule um sich hauen. Man hat fast den Eindruck, dass diese Organisationen die Tierhaltung ganz abschaffen wollen.

Und die Verbraucher, die Fleisch essen und Milch trinken, finden das ganz prima. Ein absurdes Szenario. Ein Verbraucher, der seine Meinung vertritt und sich beim Lebensmitteleinkauf nicht nur an seine Meinung erinnert, wäre durchaus wünschenswert. Doch davon gibt es nicht viele. Die meisten Konsumenten leben in zwei Welten – der Wirklichkeit und der Scheinwelt. Und aus diesem Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit entstehen Probleme und Forderungen. Übersetzt auf die Milchviehhaltung heißt das: Die Anbindehaltung ist böse, genauso wie die Massentierhaltung und überhaupt!

Der Verbraucher hätte in seiner Wunschwelt am liebsten nur fünf Kühe auf der Weide. Wenn man diese „Viecher“ dann zum Melken über die Straße in den Stall treibt, wäre das allerdings auch wieder lästig. Ob ein Landwirt von fünf Kühen leben kann, spielt in der Wunschwelt keine Rolle. Den Sinn für die Wirklichkeit gibt es in der Wunschwelt nicht. Darum heißt es ja auch Wunschwelt.

Es gibt Wünsche, die nie in Erfüllung gehen, und solche, die in Erfüllung gehen (können). Dabei tun die Landwirte eigentlich nichts anderes als Wünsche zu erfüllen: Sie produzieren Milch, Butter, Käse, Fleisch, Gemüse, Obst – und das in bester Qualität und zu sehr günstigen Preisen. Das klingt eigentlich nach Schlaraffenland. Doch die Wertschätzung für das, was wir haben, die Wertschätzung für unseren Wohlstand, muss irgendwann verloren gegangen sein.

Wünsche sind nichts Verwerfliches. Und Wünsche sind leichter umzusetzen, wenn man den Wunsch des anderen respektiert. Auch und gerade, wenn es um seine Existenz geht.