Milchmarkt

Milch: Starker Start ins Jahr 2021

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Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Freitag, 12.03.2021 - 13:06

Der Milchmarkt hat sich mehr als stabilisiert. Der Welthandel zeigt sich von Corona unbeeindruckt.

Die Pfeile am Milchmarkt zeigen in die richtige Richtung. Neben der Steigerung des deutschen Butterpreises marschiert auch der Preis der weltweiten Handelsbörse GDT mächtig weiter. Über die Entwicklungen und Hintergründe sprach vor kurzem unter anderem die BBV-Fachreferentin Charlotte Hörner in einem digitalen BBV-Marktgespräch.
Die gewohnte Delle nach Weihnachten am deutschen Milchmarkt ist ausgeblieben. „Ein starker Start ins Jahr 2021“, so Hörner. In Deutschland stieg die Milchmenge 2020 um rund 0,1 %. Das Plus ist aber nicht im Süden entstanden. Wie die Marktexpertin erklärte, sind die Milchmengen im Freistaat seit drei Jahren rückläufig, die Milchmengen kommen aus dem Norden. Nicht ins Bild passte die Butterpreissenkung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) zu Beginn des Jahres. Da hat der LEH „zugeschlagen“, so Hörner. Möglicherweise war das nicht nur alleine eine Demonstration der Macht des LEH, denn wie die Referentin erklärte, ging damals wohl eine norddeutsche Molkerei mit Billigangeboten in die Kontraktverhandlungen.

Anbindehaltung

Zu den Abschlägen, die inzwischen einige bayerische Molkereien den ganzjährigen Anbindehaltern aufdrücken, meinte Hörner: „Es wird sicher nicht einfacher, diese Milch zu vermarkten.“ Sie stellte aber auch die Frage, ob man diese Milch nicht ohne Abschläge bündeln könnte.
Im Gegensatz zu den kleinen Strukturen in Bayern, können die Norddeutschen mit Laufstall und Weidegang punkten. Das gilt aber nur für den inländischen Markt. „Im Export kriegt man höhere Standards nicht bezahlt“, meinte Hörner.
Fast völlig unbemerkt ist inzwischen das Vereinigte Königreich aus der EU ausgetreten. Der harte Brexit konnte zwar verhindert werden, der Handel werde aber schwieriger, so die BBV-Marktexpertin. Rund 5 % der deutschen Exporte gehen auf die Insel. Und vor dem Jahreswechsel wurden noch erhöhte Mengen geliefert.

Die Probleme im Ländle

Neben Bayern ist auch in Baden-Württemberg die Zahl der Anbindehalter groß. Der Vizepräsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg, Gerhard Glaser, kritisierte die „Strafgelder für die Anbindehaltung“. Die Molkereien seien vom LEH getrieben und „damit entzieht man den Landwirten Gelder, die sie für Investitionen bräuchten“. Man bewege sich in „immer weiter regellos funktionierenden Märkten“, mit der Folge, dass die Landwirte gezwungen werden, die Stückkosten auf den Betrieben weiter zu senken.
Den Blick auf den europäischen und weltweiten Markt richtete Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI). Die vier Großen (USA, EU, Neuseeland, Australien) lieferten 2020 rund 1,4 % mehr Milch. In der EU kamen die höchsten Zuwächse aus Italien und Irland (bei rund +4%). Die deutsche Anlieferung bewegte sich etwa auf Vorjahresniveau, ab September 2020 war sie allerdings rückläufig. Ein Trend, der sich 2021 fortsetzte.
Mit einem Durchschnittspreis von 33,8 ct/kg liegt Baden-Württemberg bei den Auszahlungspreisen 2020 laut AMI knapp vor Bayern (33,7 ct/kg). Im Vergleich zum Vorjahr habe man auf den Betrieben aber rund 1 ct/kg verloren. Ein weiteres Problem stellten die schlechten Preise für Kälber und Altkühe dar. Wie der Marktanalyst erklärte, werden auf der Einnahmenseite die Vollkosten ein drittes Jahr in Folge nicht erzielt.

Gute Aussichten

Die Aussichten sah Gorn durchaus positiv. Die EU-Ware ist wettbewerbsfähig bei stabilen und festeren Tendenzen. Zudem sind kaum mehr Bestände vorhanden. Unsicherheitsfaktoren bleiben aber die Auswirkungen der Pandemie und eine mögliche schwächere Wirtschaft.