Rindfleischmarkt

Mercosur: Europas Rindfleischproduzenten zählen zu den Verlierern

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 14.06.2021 - 11:46

Die Mercosur-Länder würden in Zukunft 15 – 20 % des Edelteilaufkommens bei Rindfleisch in der EU abdecken. Zusätzlich würde sich die Klimabilanz verschlechtern.

Rindfleisch

Seit 1999 verhandelt die EU mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay). Bricht man die Verhandlungspakete auf einzelne Branchen herunter, wären nach Einschätzung der Arge Rind, Linz, die europäische Rindfleischproduktion einer der Hauptverlierer. Die Genossenschaft geht davon aus, dass Mercosur-Länder in Zukunft 15 – 20 % des Edelteilaufkommens bei Rindfleisch in der EU abdecken würden. Das entspricht ca. 3,5 Mio Rindern (vgl. In Österreich werden jährlich etwa 500.000 Rinder geschlachtet, in Deutschland rund 3,2 Mio.).

Da auch Handelsabkommen mit anderen Ländern im europäischen Raum stehen, ist mit einem erhöhten Verdrängungswettbewerb am europäischen Markt zu rechnen. Dadurch würde es in Österreich zu einer Preisreduktion von ca. 20 % kommen, erwartet die Arge Rind. Für die österreichischen Rinderbauern bedeute das einen Rückgang des Erlöses um ca. 70 Mio. €.

Hohe Produktionsstandards für alle

Vergleicht man die Produktionskosten typischer Betriebe der Mercosur-Länder (Brasilien rund 2,74 €/kg, Uruguay rund 3,70 €/kg €, Argentinien rund 2,55 €/kg) mit den österreichischen (rund 5,30 €/kg) so beläuft sich die Differenz auf durchschnittlich mehr als 2 € pro Kilo Rindfleisch (ca. +70%).

Dies ist nicht nur auf die unterschiedlichen Größen der Produktionsbetriebe zurückzuführen, sondern auch auf maßgeblich höhere Produktionsstandards in Europa. So ist z.B. in den Mercosur-Staaten eine Rückverfolgbarkeit bis zur Geburt des Rindes ist nicht zu 100% gewährleistet, da es keine ausreichende Regelung bei Tierkennzeichnungssystemen gibt, argumentiert Arge Rind.

Während in Österreich in der Rindermast ca. 90 % der eingesetzten Futtermittel aus hofeigener Produktion stammen, wird in den Feedlots anderer Länder flächenungebunden die Fertigfuttermast betrieben. Hier bleibe die Frage offen, wo im Zusammenhang mit den Mersocur-Staaten die Forderung nach höheren Produktionsstandards bleibe?

Klimabilanz fällt schlechter aus

Die ARGE Rind hat 2020 eine Studie bei Dr. Stefan Hörtenhuber, BOKU Wien, in Auftrag gegeben: „Klimaauswirkungen der österreichischen Rindfleischerzeugung“. Grundsätzlich ist die Rindfleisch-Produktion in Österreich nach Auskunft der Genossenschaft vergleichsweise klimafreundlich. Bereits 2011 habe eine Studie der EU-Kommission gezeigt, dass die heimische Rindfleisch-Produktion im EU-Vergleich mit den niedrigsten Emissionswerten behaftet ist.

Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind, „Am spannendsten ist der direkte Vergleich mit Brasilien: Stellt man die Emissionszahlen aus der österreichischen Rindfleischproduktion denen aus Brasilien gegenüber, erhält man eine Relation von 1:6. Das bedeutet, dass bei der Rindfleischproduktion in Österreich 15 bis 20 kg CO2 je nach Produktionsform anfallen, in Brasilien hingegen ca. 115 kg. Berechnet man die Abrodung des Regenwaldes, der für eine Tierhaltung notwendig ist, zusätzlich mit ein, erhört sich das brasilianische Äquivalent auf 750 kg CO2 pro 1 kg Rindfleisch." Die Entscheidung zu österreichischem Rindfleisch sei damit ein direkter Hebel zur Unterstützung der Umwelt.

Die ARGE Rind spricht sich deshalb massiv gegen ein Mercosur-Abkommen aus. Werner Habermann fordert „ ... eine Herkunftskennzeichnung für die Gastronomie sowie für die Gemeinschaftsverpflegung. Mittels eines Stufenplans soll es in diesen Bereichen für den Konsumenten transparent sein, woher das Fleisch auf seinem Teller stammt.“