Versorgungslage

Markt: Weizenbestände schrumpfen weltweit

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aiz
am Donnerstag, 11.11.2021 - 09:44

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA schätzt in seinem WASDE-Bericht zu den globalen Getreide-Versorgungsbilanzen vom 9. November den weltweit erwarteten Abbau der Weizenbestände im Wirtschaftsjahr 2021/22 noch größer als im Vormonat.

Zudem sollen die Sojaendlager weniger stark anwachsen, dafür aber die Endlager von Mais und Futtergetreide stärker als bisher angenommen. Die internationalen Terminbörsen reagierten darauf mit Kursgewinnen bei Weizen, Sojabohnen und besonders stark bei Raps sowie Kursverlust en bei Mais, nachdem Weizen und Raps im Vorfeld des Berichtes nachgegeben hatten. An der Euronext in Paris notierte der Dezember-Weizen am späten Mittwochmittag bei 287,50 Euro/t, Raps zur Lieferung im Februar bei 693,50 Euro/t und Mais bei 234,25 Euro/t.

Der weltweite Ausblick für die Weizenbilanz 2021/22 läuft nun auf eine etwas kleinere Ernte und weniger Angebot als in der Oktoberprognose sowie einen leicht höheren Verbrauch hinaus. Daraus resultieren um 1,38 Mio. t kleinere Weizenendlager und ein um knapp 1 Mio. t stärkerer Lagerabbau um 12,15 Mio. t. Dementgegen erhöht sich die Ernteerwartung für Futtergetreide und Mais neuerlich und soll es hier zu einem größeren Aufbau der Endlager kommen, sodass auch die gesamte Getreidebilanz der Welt nicht so stark negativ ausfällt wie vor Monatsfrist. Zuwächse der Lagerbestände bei Ölsaaten und speziell Sojabohnen prognostiziert das USDA geringer als im Oktober.

Nach unten revidierte Ernte und höhere Verbrauchsschätzung verengen Weizenbilanz

Demnach soll die weltweite Weizenernte um 0,59 Mio. t kleiner ausfallen als in der September-Schätzung und die des Vorjahres nur mehr um 0,62 Mio. t übertreffen. Mit ebenfalls nach unten revidierten Anfangsbeständen stellt sich das globale Weizenangebot 2021/22 um 1,00 Mio. t kleiner als im vorigen Report und um 6,93 Mio. t unter dem Vorjahreswert dar. Gleichzeitig steigt der Weizenverbrauch im Jahresabstand um 5,21 Mio. t, woraus ein Lagerabbau um 12,15 Mio. t resultiert. Bei den Ernteschätzungen überwiegen Reduktionen für die EU um 1,00 Mio. t, Großbritannien und Usbekistan eine um 2,0 Mio. t auf 74,50 Mio. t (-10,85 Mio. t zu 2020/21) hinaufgesetzte für Russland.

Weltweit liegen nach dem Wirtschaftsjahr 2021/22 vermeintlich komfortable 35,03% des Verbrauchs an Weizen auf Lager (-1,78% zum Vorjahr), bei den großen Exporteuren (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Russland, Ukraine und USA) jedoch nur 27,69% ihres eigenen Bedarfs sowie 22,48% einschließlich Export. In der EU sind es gar nur 9,06% ihres Eigenverbrauchs beziehungsweise 6,76% einschließlich ihrer Exporte. 51,13% der Weltweiten Reserven oder 94,64% seines Verbrauchs liegen dementgegen in China auf Lager. Die EU überholt mit 36,50 Mio. t Weizenausfuhren (+1,00 Mio. t zum Vormonat, +6,77 Mio. t zu 2020/21) Russland als weltgrößte Exportnation (36 Mio. t, +1 Mio. t gegenüber Oktober-Report, -2,50 Mio. t zum Vorjahr).

Maislager wachsen vor allem in den USA an

Beim Mais schätzt der WASDE-Bericht die Ernte des größten Produzenten USA (382,59 Mio. t nach 358,45 Mio. t im Vorjahr) um 1,10 Mio. t größer als vor Monatsfrist, dank wachsender Ethanolverarbeitung den Verbrauch aber um 1,27 Mio. t höher, sodass entgegen dem weltweiten Trend die Endlager etwas herabgesetzt werden, aber gegenüber dem Vorjahr immer noch um 6,53 Mio. t anschwellen. Die globale Maisproduktion setzt das Ressort im Monatsabstand um 6,40 Mio. t (+85,60 Mio. t zum Vorjahr hinauf. Das Maisangebot wächst gegenüber 2020/21 um 70,99 Mio. t, wobei der weltweite Maiskonsum im Jahresabstand nur um 58,44 Mio. t zulegt und die Lager nach Jahren des Schrumpfens um 12,55 Mio. t oder auf 25,54% des Bedarfs anschwellen.

Aber auch beim Mais hält China mit 69,21% (71,66% seines Konsums) Anteil an den globalen Reserven die üppigsten Lager, während den Exportleadern (Argentinien, Brasilien, Südafrika, Ukraine und USA) lediglich Reserven von 12,62% ihres Eigenverbrauchs respektive von 8,83% einschließlich ihrer Ausfuhren verbleiben. Die EU weist mit 15,00 Mio. t Maiseinfuhrbedarf ein starkes Versorgungsdefizit aus.

Etwas kleiner geschätzte Sojaernten und nach oben revidierter Verbrauch

Die etwas knappere Ölsaaten- und Sojabohnenbilanz leitet das USDA aus niedrigeren Ernteerwartungen - vor allem an Sojabohnen in den USA und Argentinien - sowie einer leicht nach oben revidierten Verbrauchsschätzung ab. Trotz eines Lageraufbaus um 3,67 Mio. t Sojabohnen sinkt aber wegen des anhaltend starken globalen Zuwachses der Nachfrage der Endlageranteil am Verbrauch im Jahresabstand um eine Spur auf 27,45%. Das Welthandelsvolumen von Sojabohnen 2021/22 schätzt der Report um 0,99 Mio. t kleiner als im Vormonat, wobei gesenkte Ausfuhrprognosen für die USA und Argentinien teilweise von höheren für Brasilien und Indien aufgewogen werden.

Chinas Sojahunger von 58,11% des Welthandelsvolumens von Bohnen wird mit 100 Mio. t um 1,00 Mio. t kleiner als vor Monatsfrist und nach Jahren stärkeren Wachstums um 0,24 Mio. t über Vorjahresniveau geschätzt.