Marktgeschehen

Markt legt dem Menschen Fesseln an

Marktgesetz
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Donnerstag, 26.09.2019 - 11:07

Aus der Landwirtschaft kommen immer wieder gute Ideen. Das Projekt „Allgäuer Hornochse“ ist eine davon.

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Wenn man dem Verbraucher erklärt, dass die Stierkälber in der Regel nach Norddeutschland gekarrt werden, um dort gemästet und geschlachtet zu werden, wird er den Kopf schütteln und auf die Landwirtschaft schimpfen. Wenn man dem Verbraucher erklärt, dass unser Marktsystem genau so funktioniert, wird er den Kopf schütteln und auf den Markt schimpfen. Das wäre dann die richtige Adresse.

Das Allgäuer Beispiel ist nicht nur eine Aktion mit Herzblut und gesundem Menschenverstand, es zeigt auch die Probleme auf, die wir grundsätzlich haben. Schauen wir einmal in den Bereich der Hühner. Männliche Küken sind nichts wert. Über ihre Überlebenschancen brauchen wir gar nicht zu reden. Dass den männlichen Küken kein Nutzen und kein Wert zugesprochen wird, liegt nicht an den Landwirten, das ist der Markt.

Zurück zu den Stierkälbern: Im Moment gibt es genügend Mastbetriebe, die die „Bummerl“ großziehen. Ob das so bleibt, ist schwer zu sagen. Denn bei den Klimadiskussionen, die sich viel zu viel um die Landwirtschaft drehen, um die großen Baustellen nicht anpacken zu müssen, kommt Fleisch und insbesondere Rindfleisch ganz schlecht weg.

Was kann also passieren? Die Mastbetriebe haben es immer schwerer und werden möglicherweise zum Aufgeben gezwungen. Doch wohin mit den Stierkälbern? Ab in den Schredder? Das wäre der Weg des Marktes.

Der Weg des Marktes sollte alleine schon aus Evolutionsgründen nicht der Weg des Menschen sein. Der Mensch als dominantes Tier mit dem größten Gehirn, die Krone der Schöpfung, soll sich von etwas abhängig machen und in die Knie zwingen lassen, was er selbst erfunden hat und gar nicht will? Es hat fast den Anschein, dass an der Spitze der Evolution nicht der Mensch, sondern der Markt steht. Seltsam.