Preispolitik

Der LEH kennt keine Skrupel

Butterpreis
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Donnerstag, 06.02.2020 - 08:08

Kaum ist der Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel vorbei, zeigt sich, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel einen Dreck um die Erzeuger schert.

Schaut man sich die Notierungen der Kemptner Börse diese Woche an, wird wieder einmal klar, dass der LEH keine Rücksicht auf politischen Druck und die aktuelle Marktlage nimmt. Der Preis für Butter wurde ohne erkenntlichen Grund gesenkt. Die 250 g-Packung in den Kühlregalen ist jetzt sogar günstiger als die Industrieware. Die Einladung zum Lebensmittelgipfel haben die Damen und Herren des LEH diese Woche gerne angenommen. Doch beeindrucken lassen sich Aldi, Lidl und Co. davon nicht.

Der Milchmarkt kam gut über die Jahreswende. Die Delle, die sich nach Weihnachten gerne einstellt, trat nicht auf. Eigentlich ein positives Signal für die Marktentwicklung. Doch alle positiven Signale werden mit dem neuen Abschluss mit Füßen getreten. Die Markenbutter (geformt im 250 g Päckchen) kostet jetzt 3,52 bis 3,60 €/kg. Das ist eine Reduzierung von 20 ct/kg.

Ein Blick auf die weltweiten Notierungen der EU-Kommission untermauert die Rücksichtslosigkeit des LEH. In der EU und dem United Kingdom wurde der Butterpreis am 19. Januar von der EU-Kommission bei 4043 US-Dollar/t notiert. Das entspricht 3,67 €/kg. Für die USA wurde Butter mit 4167 US-Dollar/t notiert. Auch auf der weltweiten Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) ist Butter gefragt. Der Preis stieg bei der Auktion am 21. Januar um 5,5 % auf 4250 US-Dollar/t. Aktuell (5. Februar) liegt der GDT-Preis bei 4258 US-Dollar/t.

Wenn die Marktlage so bleibt, wäre es besser, den LEH überhaupt nicht mehr zu beliefern, und die Ware am Weltmarkt zu verkaufen. Dann blieben zwar die Butterregale leer, aber vielleicht wäre genau das das richtige Signal.