Kommentar

Leere Teller

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Wolfgang Piller
am Donnerstag, 23.08.2018 - 10:11

Der Dürresommer bestimmt auch den Kartoffelmarkt.

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Es gibt sie seit Jahren kaum noch, heuer sind sie wohl undenkbar: Einkellerungsaktionen mit Kartoffeln im 25-Kilo-Sack in den Supermärkten. Der Saharasommer wird auch am Kartoffelmarkt seine Spuren hinterlassen. Denn ein trocken-heißer Sommer wirkt sich immer auf die Kartoffel­ernte aus. Selbst wo beregnet werden kann, leiden die Kartoffeln an der Hitze. Ab einer gewissen Temperatur im Damm stoppen die Knollen ihr Wachstum. Da ist es schon beruhigend, wenn ein großer bayerischer Abpacker sagt, dass alle „Märkte“ bedient werden könnten und kein Teller leer bleiben wird.
Für die Kartoffelerzeuger ist in diesem Jahr wichtig zu wissen, dass es kaum eine Region gibt, die mit Übermengen auf den Plan tritt. Es gibt niemand, der sich die Not der anderen zunutze machen kann – und damit die Preise für alle niedrig hält. Denn das mussten wir schon zu oft erleben, dass die heimische Ware nicht ausreichend gewachsen ist, aber dann etwa aus Niedersachsen, Belgien oder den Niederlanden genug Kartoffeln nachströmten. Die einen reiben sich die Hände, den hiesigen Erzeugern fehlen dann die Erntemenge und der Ausgleich über den Preis. Das ist heuer nicht zu erwarten.
Die Preise deuten jetzt schon auf ein passables Niveau. Wo sie landen werden, weiß heute noch keiner. Es scheint vieles möglich. Doch Achtung: Extreme Marktjahre sind auf der anderen Seite immer anspruchsvoll – auch im Umgang untereinander. Viel Porzellan zerbricht, wenn Vertragsprobleme nicht einvernehmlich gelöst werden. Hier hilft viel reden und erklären. Ein Glück, dass die direkten Vertragspartner wissen, unter welchen Bedingugen ihr Rohstoff produziert wird. Zu den Abnehmern gehören übrigens auch die Stärkefabriken. Sie sollten nicht als Puffer unfair missbraucht werden. Wir erinnern uns an letztes Jahr, als die Südstärke als Abnehmer von Übermengen sehr willkommen war, sozusagen als Ersatz für die früheren Einkellerungsaktionen.