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Hamsterkäufe

Leere Regale bei Speiseölen

Sonnenblume
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 14.03.2022 - 08:09

Die Zeit der Hamsterkäufe ist zurück. Die Angst vor knappem Angebot und steigenden Preisen treibt die Verbraucher um.

Steigende Preise, leergeräumte Regale. Erinnerungen aus dem Jahr 2020 steigen hoch. Die Zeit der Hamsterkäufe ist zurück.

Vor zwei Jahren war der erste Corona-Lockdown die Ursache für das angstgeprägte Kaufverhalten. Jetzt ist es der Ukrainekrieg. Mit der Ursache hat sich auch das Objekt der Begierde geändert. Statt Klopapier türmen sich nun vor allem Speiseöle und Getreideprodukte, wie Mehl oder Nudeln, im Einkaufswagen des Kunden.

Die Schwarzmeerregion ist einer der bedeutendsten Produzenten von Soja, Sonnenblumen, Raps und Weizen. Die Sorge um eine Verknappung dieser Produkte treibt die Verbraucher nun um.

Aldi hat Einkaufsmengen begrenzt

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird zwar nicht müde stetig zu wiederholen, dass Europa gut versorgt sei. Preisanstiege kann aber auch er nicht ausschließen. Das reicht aus, dass die Verbraucher wieder zu horten beginnen.

Aldi hat bereits auf das Einkaufsverhalten reagiert. Kunden dürfen jetzt nur noch vier Flaschen der Eigenmarke bei Speiseölen pro Einkauf mitnehmen.

Von den Produktions- und Lieferausfällen tatsächlich stark Betroffenen werden Länder Nord- und Ostafrikas sowie asiatische Nationen sein. Sie haben sich stark aus der Schwarzmeerregion versorgt. Ägypten, Nigeria und Indonesien müssen sich nach neuen Lieferanten umsehen. Das Angebot ist aber gering. Von Kenia heißt es, dass der Großteil der Lebensmittelimport aus der Schwarzmeerregion kam.

Das Problem ärmerer Länder verschärft sich dadurch, dass das World Food Programm (WFP) der UN ihre Hilfslieferungen vor allem aus der Ukraine und Russlanf rekrutierten. Damit kann auch das WFP keinen Ersatz bieten.

Große Bedeutung der Lieferländer für Raps, Sonnenblume, Weizen und Lein

Sonnenblumen

Der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid) rechnet in den kommenden Wochen und Monaten mit Einschränkungen der Warenströme von Sonnenblume, Lein und Soja aus der Konfliktregion.

So sind die Ukraine mit 51 und Russland mit 27 Prozent die weltweit wichtigsten Exportländer für Sonnenblumenöl. Deutschland deckt seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu 94 Prozent über Importe.

In den Fokus könnten auch Lein- und Rapssaaten geraten: Fast 90 Prozent der in der EU verarbeiteten Leinsaaten werden importiert. Davon stammen 37 Prozent aus Russland und 5 Prozent aus der Ukraine. Zusätzlich importiert Deutschland 10 Prozent der hierzulande verarbeiteten Rapssaaten aus der Ukraine.