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Erzeugerpreise

Lebensmittelhandel: Bauernproteste vor Aldi-Filialen

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 03.02.2022 - 12:56

Bauern fordern Tierwohl besser zu bezahlen. Heftige Kritik von BBV-Präsident Walter Heidl an Aldi-Süd.

Bauernproteste-Aldi

Bayerns Bauern sind verärgert über die Anzeigenkampagne von Aldi „#Haltungswechsel. Aldi rühmt sich in der Kampagne als Vorreiter für das Tierwohl, doch mehr dafür bezahlen will der Discounter nicht. Daher protestieren Bauern mit aktuellen Aktionen vor Aldi-Filialen. Sie fordern mehr Kooperationsbereitschaft von Aldi und prangern die Doppelmoral des Discounters an, nach dem Motte: Werbegelder verprassen, aber beim Tierwohl knausern.

Bereits zuvor hatte Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl in einem Offenen Brief an die Geschäftsleitung von Aldi Süd die „Tierwohl-Inszenierung“ mit Anzeigenkampagnen heftig kritisiert. Er wirft Aldi vor, mit diesem „Haltungswechsel“ kleinere Betriebe aus dem Markt zu drängen. „Die bayerischen Bauernfamilien sind wütend und enttäuscht“, schildert der BBV-Präsident die Stimmung auf den Höfen.

Kritik an Niedrigpreisstrategie

Als Gründe führt er im Schreiben an, dass Aldi sich aktuell mit einseitigen Anzeigen in vielen Tageszeitungen und Slogans wie „Tierwohl ist eine Frage der Haltung“, „Heute für Morgen“ und „Unsere Maßnahmen für ein tiergerechteres Morgen“ gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern als Hüter und Unterstützer von Tierwohl in der Landwirtschaft inszeniere.

Doch die Realität sieht anders aus: „Aggressive Niedrigpreisstrategien, auch für Tierwohl-Fleisch. Und in den rund zweijährigen Verhandlungen über ein branchenweites Tierwohlprogramm für Rindfleisch und Milch für die Haltungsformstufe 2, die aktuell gerade vor dem Abschluss stehen, mussten die Vertreter der Landwirtschaft um jeden Zehntelcent an Kostenausgleich für die Umsetzung von mehr Tierwohl auf den Betrieben erbittert kämpfen“, beklagt Heidl.

Heidl: Schlag gegen bäuerliche Kleinbetriebe

Der Bauernpräsident beklagt zudem, dass der Lebensmitteleinzelhandel nicht bereit war, kleineren Betrieben einen gesonderten Zuschlag zu gewähren, um sie auf dem Weg zu mehr Tierwohl angemessen zu unterstützen. Nach Heidls Ansicht war das der erste Schlag ins Gesicht der kleineren Betriebsstrukturen und wird es den kleineren Betrieben deutlich erschweren, an dem Programm teilzunehmen. Denn der Ausgleich für ihre höheren Kosten für mehr Tierwohl werde durch den Zuschlag von 1,2 Cent/kg Rohmilchäquivalent nicht gedeckt werden.

Als „zweiten Schlag ins Gesicht“ gegen kleine Betriebsstrukturen wertet der BBV-Präsident der nun angekündigte Verzicht bei Trinkmilch der Eigenmarken auf die Haltungsformstufe 1 bis 2024 sowie bei Frischfleisch bis 2025 und dann Komplettumstellung von Frischfleisch und Trinkmilch der Eigenmarken auf Haltungsformstufen 3 und 4 bis 2030.

„Die bayerischen Bauernfamilien erwarten von Aldi Bereitschaft für angemessene Honorierung von Tierwohl, Berücksichtigung der besonderen Situation kleinerer Betriebe sowie Einbeziehung aller Marktsegmente in Tierwohlprogramme, aber dafür schrittweise Entwicklungen und mehr Nebeneinander der verschiedenen Haltungsformstufen“, fordert Heidl in seinem Brief an Aldi.

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