Grundnahrungsmittel

Kursfeuerwerk rund um den Globus

rapsernte-kanada
Dr. Reimer Mohr
am Donnerstag, 29.04.2021 - 08:43

Die dritte Aprilwoche wird vielen Marktteilnehmern lange in Erinnerung bleiben. Der Mairaps in Paris kletterte am 22. April gegen 18 Uhr auf sein Allzeithoch von 605 €/t und der Augustraps auf ein Allzeithoch vor der Ernte von 510 €/t.

Der eingelagerte Raps war bis auf kleinere Restmengen bereits verkauft. Landwirte berichten von 530 bis 540 €/t für die Restpartien. Für die heranwachsende Ernte wurden Preise ab Station von 485 bis 500 €/t geboten. Die Mehrzahl der Landwirte hat bereits 30 bis 50 % der Ernte verkauft. Auch die Weizenkurse zogen nach der Kursdelle im März wieder an. Im April stieg der Maiweizen um 30 €/t auf 236 €/t und der Septemberweizen um 25 €/t auf 219 €/t.

Während für die eingelagerte Ware wieder Preise oberhalb von 220 €/t im Gespräch waren, übersprang der Weizen ex neue Ernte regional die Marke von 200 €/t und für Gerste 180 €/t. Auch beim Weizen sind aufgrund der hohen Preisgebote in den Wintermonaten für die Ernte 21 bereits 10 bis 30 % verkauft. Einige Betriebe erreichen bei Weizen und Gerste bereits eine Quote von 50 %. Die Landwirte hadern mit ihrer hohen Verkaufsquote. Sie würden gerne die hohen Preise sichern, haben aber gleichzeitig Angst, wieder zu früh zu verkaufen und bei einer anhaltenden Trockenheit oder Hitzewelle im Mai und Juni ihre hohen Lieferverpflichtungen nicht einhalten zu können.

Die weltweite Witterung

In den USA ist es seit Wochen zu kalt und zu trocken. Insbesondere in den nördlichen Präriestaaten fehlt es an Niederschlägen. Eine weitere Gefahr geht für den Weizen vom Frost aus. So wird insbesondere aus den Bundesstaaten Ohio, Kentucky und dem Osten von Indiana von Minustemperaturen berichtet.

In der zweiten Aprilwoche wurden bereits vom USDA in ihrem wöchentlichen Bericht zur Vegetationsentwicklung 17 % der Weizenflächen als schwach bis sehr schwach entwickelt beurteilt. Dies steht im Vergleich zu 13 % im Vorjahr. Die Pflanzenentwicklung ist im Vergleich zu den Vorjahren langsamer. Auf vielen Standorten ist das Getreide bisher aber noch gut entwickelt. Es soll regional vereinzelt regnen, aber für die ausgetrockneten Böden reichen die erwarteten Niederschlagsmengen nicht aus. Es wird befürchtet, dass sich die Startbedingungen für den Mais und die Sojabohne, die sich zu Beginn der Aussaatperiode befinden, weiter verschlechtern könnten.
Gleichzeitig hinken die russischen Landwirte deutlich in der Getreideaussaat hinterher. In Russland wurden bis Mitte April erst 3 % der geplanten Aussaatfläche von 10 Mio. ha Sommerweizen gesät und 13 % der geplanten Sommergerstenfläche von 7,7 Mio. ha. In Frankreich und im Südwesten Deutschlands wird dagegen regional von Auswinterungsschäden und Schäden der Frühjahrssaat berichtet. Insbesondere Raps und Zuckerrüben sollen geschädigt worden sein. Bei Getreide wurde hingegen nur von leichten Schäden berichtet.
In Brasilien leidet aktuell der Zweitmais nach Sojabohnen unter Wassermangel. Durch die verspätete brasilianische Ernte der Sojabohne konnte der folgende Mais nicht termingerecht gesät werden. Es wird auch dort befürchtet, dass in der Hauptwachstumsperiode die Böden ausgetrocknet sind. Rund um den Globus ist die Witterung nicht ideal. Auf der Nordhalbkugel ist aber der Weg bis zur Ernte noch weit. Rechtzeitiger Regen im Mai und Juni und während Hauptwachstumsperiode Mais sowie der Sojabohne im Juli und August können noch zu einer hohen Ernte führen. Diese wird für die Versorgung der Märkte notwendig sein.

Enge Versorgungslage

Die weltweiten Vorräte werden von den Analysten rund um den Globus als versorgungsgefährdend eingeschätzt. Nach dem Aprilbericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA sollen im vierten aufeinanderfolgenden Jahr die weltweiten Getreidevorräte ohne Berücksichtigung der chinesischen Zahlen fallen. Seit dem 30. Juni 2017 sollen die Vorräte insgesamt um 40 Mio. t auf 269 Mio. t zurückgegangen sein. Im gleichen Zeitraum ist der weltweite Verbrauch schneller gestiegen als die Produktion. Diese stieg in diesem Zeitraum um 109 Mio. t und der Verbrauch um 149 Mio. t.
Die aktuellen Vorräte in Höhe von 269 Mio. t zum 30. Juni reichen für knapp acht Wochen. Sie sind damit in erster Linie Übergangsvorräte, die die Versorgung bis zur neuen Ernte sicherstellen. Als Beispiel für die Folgen fehlender Reserven im Land kann Brasilien genannt werden, die in der Vergangenheit kurz vor der eigenen Ernte Sojabohnen in den USA zukaufen mussten, um den Inlandsbedarf zu decken. In diesem Jahr soll sogar Kanada als Rapsexporteur Nummer 1 für die Sommermonate Raps aus der Ukraine kontrahiert haben. In der aktuellen Marktlage ist die Angst groß, dass die Balance zwischen Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht gerät. Die Marktteilnehmer treibt die Angst, dass morgen nicht mehr genug Ware da ist.

Die richtige Balance

Der Weg bis zur Ernte ist noch weit. Die schlechten Startbedingungen im März und in der ersten Aprilhälfte auf der Nordhalbkugel mit einer Vegetationsverzögerung bis hin zu ersten Schädigungen der Pflanzen kann sich bei einem guten Witterungsverlauf wieder ändern. Die Angst der Marktteilnehmer verringert sich in dem Fall von Tag zu Tag. Das Kursfeuer wird nicht mehr genährt und die Kurse könnten kontinuierlich nachgeben.
Letztendlich kennt die zukünftige Entwicklung niemand. Nichtsdestotrotz müssen Vermarktungsentscheidungen getroffen werden. Für Betriebsleiter, die sich bisher in der Vermarktung zurückgehalten haben, ist es ein sehr guter Zeitpunkt beim Raps die Vertragsquote Schritt für Schritt auf 50 % zu erhöhen und bei Weizen auf 30 %.
Angesichts des Aufwärtstrends der vergangenen Monate haben viele Betriebsleiter bereits die Quote von 50 % überschritten. Auch sie befürchten, dass insbesondere der Raps sein Kurshoch bereits erreicht hat. Aufgrund der Ertragsunsicherheit verbietet es sich weitere Lieferverträge abzuschließen. In dieser Situation könnten die Nutzung von Optionen oder optionsbasierten Verträgen des Landhandels die Lösung sein. Bei der direkten Börsennutzung kauft der Landwirt eine Put-Option gegen Zahlung einer Optionsprämie. Der Raps auf dem Halm bleibt in diesem Fall unverkauft. Die Put-Option wirkt wie eine Mindestpreisabsicherung. Bei einem Kursrückgang steigt der Wert der Option, den der Landwirt beim Auflösen der Option vereinfacht ausgedrückt ausgezahlt bekommt. Bei einem Kursanstieg lässt er die Option verfallen. Beim Auflösen der Option verkauft er parallel seinen Raps an den Händler seiner Wahl zum Marktpreis. Sollte hingegen aufgrund der Witterung seine Ernte niedriger ausfallen, ist er keine Lieferverpflichtung eingegangen.
Wer den Weg an die Börse scheut, kann über die optionsbasierten Verträge des Landhandels das gleiche Ziel erreichen. Bei der Wahl dieser Vertragsvariante liegt immer ein Liefervertrag zugrunde, da die Landhändler keine Finanzdienstleister sind und ihre Aufgaben das Erfassen und Lagern von Ware sind. Im Gegensatz zur Börsennutzung geht der Landwirt eine Lieferverpflichtung ein. Bei einem Ertragsausfall müsste er einen Deckungskauf tätigen bzw. eine Ausgleichszahlung leisten.
Durch den Abschluss der Mindestpreismodelle, die auf einer Call-Option basieren, kann er jetzt im steigenden Markt den Gewinn an der Börse nutzen, um die Ausgleichszahlung zu leisten. Allerdings ist die Optionsprämie, die eine Art Versicherungsprämie ist, recht teuer und sollte nur als Ergänzung in der Vermarktung für Teilmengen gesehen werden.