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Obsternte

Keine Nachfrage: Äpfel bleiben an den Bäumen hängen

Äpfel
Christel Grommel
am Mittwoch, 19.10.2022 - 10:09

Die Nachfrage nach Äpfeln ist aufgrund gestiegener Kosten gering. Deshalb lassen einige Obstbauern die Äpfel hängen.

Die Ernte ist sehr gut in diesem Jahr, trotzdem bleiben viele Äpfel im Alten Land an den Bäumen hängen. Denn es gibt eine extreme Kaufzurückhaltung: Hohe Energie- und Lohnkosten machen heimisches Obst für private und gewerbliche Abnehmer zu teuer. Dazu noch gibt es laut Landvolk Niedersachsen ein Überangebot an Äpfeln auf dem Weltmarkt. Die Bauern bekommen die Äpfel nicht verkauft, sogar Mostbetriebe seien für Äpfel aus Deutschland nicht aufnahmebereit, so Landvolk-Experte Claus Schliecker. Safthersteller kaufen günstigere Äpfel aus dem Ausland.

Einige Obstbauern denken ans Aufgeben

„Auch wir Obstbauern haben mit enormen Kosten zu kämpfen, denn der Kostenateil des Apfels besteht zu 60 Prozent aus Energiekosten“, sagte Schliecker. Die Äpfel müssen für die Lagerung gekühlt werden, und das bei den explodierenden Energiekosten. Das würde bei einigen Obstbauern zu Liquiditätsproblemen führen. Die Folge: Die nicht verkäuflichen Äpfel bleiben liegen. „Die Crème de la Crème der Äpfel ist geerntet, so dass das Ernten weiterer Äpfel nicht mehr sinnvoll und unwirtschaftlich ist“, erklärte Schliecker. „Es ist ein Frevel vor dem Hintergrund der Welternährungssituation.“ Dazu kommt noch die Erhöhung des Mindestlohns. Die deutsche Ware habe auch deshalb keine Chance auf dem Weltmarkt, weil Äpfel in Deutschland per Hand gepflückt werden. „Aber die Landwirte könnten ihre Ware nicht zu Weltmarktpreisen verschleudern“, sagte Schliecker. Daher werde sich der Strukturwandel deutlich beschleunigen.