Kartoffelmarkt

Es werden Kartoffeln fehlen

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Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 23.08.2018 - 11:28

Der Abpacker Agropa geht von guten Erzeugerpreisen aus

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Die Dürre beschäftigt auch den Kartoffelmarkt. Zum Beispiel bei den Speisekartoffelerzeugern, die mit der Firma Agropa Verträge abgeschlossen haben. Bei der traditionellen Sortenführung ging es diesmal nicht nur um den Anbau des nächsten Jahres, sondern auch um die Geschäfte in diesem. Bis zum 10. August hatten die Kartoffelanbauer Zeit, bei Agropa mit Sitz in Brunnen, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Bescheid zu geben, wenn sie ihre Verträge nicht erfüllen können. Aber: „Es hat sich niemand gemeldet“, verrät Junior-Chef Johann Dittenhauser. Trotzdem geht er davon aus, dass in Bayern Mindererträge bei Speisekartoffeln zwischen 10 und 15 % eingefahren werden – im Bundesgebiet schätzt er, werde sogar durchschnittlich ein Viertel zum Normalertrag fehlen.

Er bekräftigt, dass in diesem Jahr das Kartoffelangebot insgesamt knapper wird. Denn die Trockenheit ist eben nicht auf eine Anbauregion begrenzt – es gibt keine Überschussgebiete und damit können die fehlenden Mengen nicht so einfach ausgeglichen werden. Alles in allem rechnet Dittenhauser mit einem Extremjahr vergleichbar mit 1976. Allerdings wird Bayern wahrscheinlich mit einem blauen Auge davonkommen. „Der Markt ist aktuell stabil, wobei sich die Preise für Speisekartoffel – fest und vorwiegend festkochende Sorten – zwischen 20 und 25 €/dt bewegen.
Und trotz des knappen Angebots, glaubt Johann Dittenhauser senior, „wird es keinen Tag geben, an dem die Köchin keine Kartoffeln hat“. Der Senior-Chef kennt den Kartoffelmarkt als einen Stimmungsmarkt. Und in diesem Jahr sieht er durchaus gute Preise für die Bauern. Freilich wird vermutlich bei teureren Kartoffeln auch der Verbrauch in den Haushalten zurückgehen. „Es wird zu einem sehr sparsamen und schonenden Umgang mit der Rohware kommen“, meinen die Unternehmer.

Mit Vorverträgen abgesichert

Die Abpacker haben sich natürlich auch mit Vorverträgen etwas abgesichert. „Rund 50 Prozent unserer Kartoffeln sind über Verträge gedeckt“, sagt Dittenhauser jun. Die Jahres- oder Mehrjahresverträge, meist mit Stammlieferanten aus ganz Bayern, sind fast alle als Tagespreisverträge gestaltet, wobei sich die Mengen je nach Anbauer von 25 t bis 2000 t bewegen. In einem Jahr wie diesem wünschen sich Vater und Sohn von den Landwirten ganz besonders Vertragstreue – so wie diese in anderen Jahren von ihnen Vertragstreue erwarten.

„Neben den Vertragsmengen ist selbstverständlich freie Ware in guter Qualität gesucht und wird ständig aufgenommen“, teilt der Junior-Chef mit. Er hofft, dass der beständige Kontakt zu den Landwirten sich heuer auszahlt, sodass sie wiederum mit ihm in Kontakt bleiben und als Geschäftspartner erhalten.
Mit Blick in die Zukunft würden die Kartoffelhändler die Ausweitung der Beregnung zur Produktions- und Qualitätssicherheit begrüßen: „Im Moment werden in Bayern insgesamt fünf bis acht Prozent der Flächen bewässert. Da wäre noch viel Luft nach oben.“

85000 t pro Jahr

Agropa zählt zu den sieben bis acht Verpackungsbetrieben von Kartoffeln und Zwiebeln in Bayern. Das Unternehmen unterhält derzeit drei Standorte: Brunnen mit der Firmenzentrale, Straubing und Grasheim. Pro Jahr werden insgesamt rund 85 000 t Speisefrüh-, Speisekartoffeln und Speisezwiebeln – 85 % Kartoffeln und 15 % Zwiebeln - für den Lebensmitteleinzelhandel in verschieden große Gebinde von 500 g bis 5 kg abgepackt, wobei das Hauptgebinde 2 kg wiegt. Weitere 15 000 t werden für Verarbeitungsbetriebe aufbereitet und verladen. Die gesamte Lagerkapazität wurde 2018 auf insgesamt 15 000 t erweitert, davon 10 000 t als Kistenkühllager und 5000 t als Kistenlager. Das moderne Kühllager ermöglicht die Qualität der Kartoffeln bis ins Frühjahr optimal zu erhalten.

Am Standort Straubing im niederbayerischen Kartoffel- und Zwiebel-Hauptanbaugebiet werden etwa 25 000 t Speisekartoffeln und Zwiebeln umgeschlagen – in erster Linie zum Export in Richtung Ost- und Südeuropa. Agropa ist einer der größten VO-Firmen für Pflanzkartoffeln in Deutschland. Dafür erfüllt der Pflanzkartoffelstandort Grasheim alle Voraussetzungen. Hier laufen die Verladungen für das Inland sowie Exporte von Oktober bis Mai.
Das Kartoffeljahr 2018 wird in Erinnerung bleiben. „Wir rechnen damit, dass dieses Ausnahmejahr alle Kräfte abverlangt, doch wir tun alles, damit wir am Ende alle Märkte zufriedenstellend bedienen können“, – das sehen die Dittenhausers und vermutlich auch ihre Kartoffelerzeuger als Aufgabe an. Helga Gebendorfer

Wir hoffen auf einen fairen Preis

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Werner Gottschall, Königsmoos-Ludwigsmoos: „Gemeinsam mit meinem Sohn Maximilian bewirtschafte ich 30 Hektar Kartoffeln – je zur Hälfte Speise- und Stärkekartoffeln. Aufgrund der diesjährigen Witterung erwarten wir bei den Speisekartoffeln einen leicht unterdurchschnittlichen Ertrag mit sehr unterschiedlichen Größen, das heißt wenige große und viele kleine Knollen. Bei den Qualitäten wird es Probleme geben, zum Beispiel mit Schorf. Dagegen sind im Lager wahrscheinlich keine Schwierigkeiten zu befürchten. Bei den Stärkekartoffeln rechnen wir trotz des Anbaus auf einem Moosstandort mit Einbußen im Ertrag, dafür wird es aber sehr hohe Stärkegehalte mit mehr als 20 Prozent geben. Bisher können wir nur auf kleiner Fläche beregnen, aber wir machen uns durchaus Gedanken über eine Erweiterung. Rund 60 Prozent unserer Kartoffeln stehen unter Vertrag. Bei den Speisekartoffeln können wir diesen normalerweise erfüllen, bei den Stärkekartoffeln heuer aber eher nicht ganz. Wir hoffen auf einen fairen Preis: 30 Euro pro Dezitonne und in der Einlagerungsphase nicht unter 20 Euro.“

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Siegfried Hammer, Karlshuld: „Ich bin Nebenerwerbslandwirt und baue 15 ha Kartoffeln, davon zwei Drittel Stärkekartoffeln. In diesem trockenen Jahr wird es auf jeden Fall Einbußen im Speisekartoffelbereich geben, hoffentlich bleiben sie unter 20 Prozent. Die Stärkekartoffeln sind noch grün, doch da sind wir mit Sicherheit mit einem Minus von 30 Prozent dabei – außer das Wetter spielt doch noch mit. Dazu kommen Abschläge hinsichtlich Qualität: Schneckenfraß, Drahtwurm und Rhizoctonia. Auch im Lager könnte es gefährlich werden. Während wir bei den Speisekartoffeln nur freie Ware haben, stehen die Stärkekartoffeln alle unter Vertrag, den wir voraussichtlich nicht erfüllen können. Die Preise nehmen eine erfreuliche Entwicklung. Doch wir brauchen auch wieder ein Jahr mit guten Erlösen.“

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Gerhard Edler, Untermaxfeld: „Wir haben Glück gehabt und zum Teil ausgiebige Gewitterregen bekommen. Auf unseren Moorböden gibt es deswegen unterschiedliche Erträge – je nach Niederschlagsverteilung. Ich baue 30 ha Kartoffeln an, davon ein Viertel Stärkekartoffeln. Die mittelfrühen Speisesorten sind noch gut dabei, doch die späten Stärkesorten haben sehr gelitten und hier rechne ich mit einem Ertragsminus von 10 bis 15 Prozent. Mit der Qualität bin ich zufrieden, denn es schaut momentan gut aus. 20 Prozent der Speisekartoffeln und 100 Prozent der Stärkekartoffeln sind unter Kontrakt. Ich bin zuversichtlich, dass ich alle Verträge erfüllen kann und denke, dass sich der momentane Preis von gut 20 Euro je Dezitonne noch festigen wird. Meine Devise lautet: Weniger ist oft mehr. Und darum glaube ich auch, dass es für mich ein gutes Jahr wird.“