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Vertragsverhandlungen

Die Kartoffelbauern fordern mehr Geld

Kartoffeln-Bauern-Verträge: Kartoffeln fallen auf die Erntemaschine.
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Redaktion Wochenblatt
am Dienstag, 29.11.2022 - 10:40

Ein Zeichen für den bayerischen Kartoffelanbau: Die Landesvereinigung Kartoffel fordert 5 €/dt mehr für die Verträge im nächsten Jahr.

Einen Tag in die Verlängerung gingen die Kartoffelbauern bei der Herrschinger Erzeugerwoche. Das ist Tradition, doch in diesem Jahr hatte ihre Mitgliederversammlung eine deutliche Forderung zur Konsequenz: Die Erzeuger fordern fünf Euro mehr für jeden erzeugten Doppelzentner Kartoffeln im nächsten Jahr. Sonst, so heißt es ihrer Presseverlautbarung sinngemäß, können sie die Produktionskosten nicht mehr stemmen.

8000 Euro Kosten müssen abgesichert sein

Denn: Die Produktionskosten für Kartoffeln haben sich in den letzten zwei Jahren massiv erhöht. Der Dünger kostet viermal so wie bisher, der Diesel doppelt soviel und auch die Strompreise sind erheblich gestiegen. Nicht zu vergessen seien die Maschinenkosten, die erst bei der nächsten Ersatzinvestition voll durchschlagen. Die Auswertung mehrerer echter Daten von Mitgliedbetrieben zeigten, dass die Vollkosten für ein Hektar Speise- oder Veredelungskartoffeln auf schwindelerregende 7000 bis 8000 Euro angestiegen sind. Die Beregnung ist darin noch gar nicht berücksichtigt. Dieses enorme Risiko in der Produktion, sei ohne Absicherung kaum zu bewältigen, sagen die Kartoffelerzeuger in ihrer gemeinsamen Erklärung. Die Vorfinanzierung unter den hohen Zinskosten, Inflation und das Wetterrisiko verschärften die Lage.

Kartoffeln stehen in direkter Konkurrenz

Das Zeichen für den Kartoffelanbau halten die Erzeuger für dringend geboten, denn dem hohen Aufwand stehen derzeit attraktive Alternativen gegenüber, die bei deutlich geringerem Kapital und Personaleinsatz gute Gewinnaussichten bieten. Raps und Weizen dürften im großen Umfang gesät worden sein. Mit Braugerste, Mais und auch der Zuckerrübe steht die Kartoffel mit attraktiven Sommerungen im Wettbewerb. Auch das neuen Kulap kann für den ein er anderen sehr günstig sein.

„Bayern muss Kartoffelland Nummer zwei in Deutschland bleiben, darum muss die ganze Branche gemeinsam am gleichen Strang ziehen“, wiederholt Konrad Zollner, der Vorsitzende der Landesvereinigung Kartoffel, seine Aussage vom Vortag. „Wir können und wollen Kartoffeln anbauen. Wir müssen alle dabei Geld verdienen und dürfen den Spaß daran nicht verlieren“, betont er.

Jetzt die Vollkosten analysieren

Die Kartoffelanbauer sollten jetzt ihre Vollkosten analysieren, reine Bauchentscheidungen seien bei der aktuellen Lage nicht mehr tragbar. Um gewinnbringenden Kartoffelanbau zu betreiben und auch gegenüber den Alternativen wettbewerbsfähig zu sein, fordern die Mitglieder der bayerischen Landesvereinigung Kartoffeln für den Anbau 2023 eine Anhebung der Erzeugerpreise um 5 €/dt für Standardsorten zur Haupternte. Für die Lagerbetriebe müssen die Lagerzuschläge ebenfalls angepasst werden.