Zukunftstechnologien

Kapern Investoren die Lebensmittelproduktion?

Kapital
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 29.01.2021 - 15:42

Das EU-Programm agROBOfood lädt Investoren ein, ihr Kapital in Agrarrobotik und damit in die Nahrungsproduktion zu investieren.

Der Grad der Digitalisierung der Landwirtschaft könnte sich bereits in naher Zukunft deutlich steigern. An verschiedenen Varianten wird bereits seit Jahren geforscht. Smart oder Digital Farming zählen mittlerweile zu geläufigen Begriffen. Diese Techniken könnten bald eine explosionsartige Verbreitung erzielen, nämlich dann, wenn Investorengelder in großem Maßstab in diesen Sektor einfließen könnten.

Die Uni Wageningen betrachtet den gegenwärtigen Zeitpunkt als einen günstig für einen Einstieg von Fremdkapital in der Landwirtschaft. Derzeit sind rund 2 Milliarden Menschen in der Landwirtschaft weltweit tätig. Ihre Zahl sinkt, während die der Stadtbevölkerung zunimmt. Deren Versorgung könnte in Zukunft verstärkt Roboter übernehmen, so die Einschätzung der Wissenschaftler.

EU-Programm agROBOfood als Steigbügelhalter

Das EU-Programm agROBOfood zielt darauf ab, Nachwuchswissenschaften mit finanzkräftigen Kapitalgebern zusammenzubringen. Dazu soll eine Veranstaltung am 10. und 11. Februar ab. Dabei geht es darum, Investoren für Roboterprojekte in der Landwirtschaft zu finden, um deren Finanzierung zu sichern.

"Wenn Sie nach Investitionen in den Bereich der Agrar- und Lebensmittelroboter suchen, sind Sie hier genau richtig", beschreibt die Uni das Vorhaben. "Wir bereiten eine Reihe interessanter Projekte vor, mit großem Potenzial und großer Wirkung, die Sie finanzieren oder in die Sie investieren können. Wenn Sie sich für uns entscheiden, erhalten Sie den Katalog aller Roboterlösungen, die skaliert werden sollen, damit Sie genügend Zeit haben, sich umzusehen und zu entscheiden, welches Projekt am besten zu dem passt, was Sie suchen."

Warum in Agrar- und Lebensmittelrobotik investieren?

Als Triebfeder der Entwicklung betrachtet die Uni Wageningen die alternden Gesellschaften in Asien, Europa, Australien und Amerika. Damit nehme die Verfügbarkeit von (saisonalen) Arbeitskräften ab, während die Herausforderung, städtische Gesellschaften zu ernähren, zunimmt. Roboter sind nach Ansicht der Uni die Antwort darauf, die Arbeit zu erledigen und die Städte zu ernähren.

Als Vorteile von Agrarrobotern sehen die Wissenschaftler:

  • Im Vergleich zu anderen Techniken im Agrarbereich seien die Arbeitskosten gut kalkulier-  und damit betriebswirtschaftlich optimierbar. Außerdem würden die Maschinen weitgehend unabhängig von Klima und arbeitsrechtlichen Bestimmungen arbeiten.
  • Die Produktion der Lebensmittel ließe sich stärker an die Verzehrs- und Konsumentenwünsche anpassen. Also mehr bio und Frischwaren, wenn die Verbraucher dies wünschen.
  • Durchgängige Dokumentation und damit die Möglichkeit zu einer personalisierten Produktion.

Kapitalkräftige NGOs können persönlich zugeschnittene Produkte anbieten

Als potenzielle Investoren für Roboterprojekte hat die Uni bereits gewisse kapitalkräftige Gruppen im Auge:

  • Interessenverbände der Zivilgesellschaft, sogenannte NGOs, die sich die Nachhaltigkeit ans Revers geheftet haben, denn mit widerspruchsfreier Robotertechnik ließe sich der Systemwechsel leichter vollziehen als mit Menschen.
  • Etablierte Subventionsberater mit nachweislicher Erfolgsbilanz bei der Beschaffung von Geldern für Roboterlösungen und einem marktorientierten Ansatz.
  • Gründerzentren, die Startups finanziell unterstützen und bis zur Marktreife begleiten wollen.
  • sogenannte Business Angels, die sich mit ihrem Kapital an zukunftsträchtigen Roboterlösungen in der Agrar- und Lebensmittelrobotik beteiligen und an deren Wertentwicklung teilhaben wollen.
  • Risikokapitalgeber, die nach tragfähigen Lösungen für Ag-Tech suchen.
  • Cooperative Venture Capital (große Ag-Tech) Unternehmen mit einer Anlagestrategie auf der Suche nach Start-ups, die kurz vor dem nächsten Wachstumsschritt stehen.

Das Projekt agROBOfood wurde aus Mitteln des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont 2020“ der Europäischen Union im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 825395 finanziert.