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Milchpreis

Internationale Milchmarkt-Notierungen: Höhenflug hält

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Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 09.02.2022 - 15:09

Der internationale Milchmarkt hat die positive Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2021 ins Jahr 2022 mitgenommen.

Der internationale Milchmarkt hat die positive Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2021 ins Jahr 2022 mitgenommen. Sowohl auf europäischer Ebene als auch am Weltmarkt hält der Höhenflug der Notierungen vorerst weiter an. Dies verschafft auch den Erzeugermilchpreisen Luft nach oben, was aus Sicht der Milchproduzenten sehr wichtig ist. Die positive Entwicklung der zuletzt gestiegenen Auszahlungspreise wird nämlich durch stark gestiegene Kosten für Zukauffuttermittel, Energie und andere Betriebsmittel getrübt.

Kieler Rohstoffwert Milch auf Höchststand

Der Kieler Rohstoffwert Milch konnte nach einem deutlichen Anstieg im Dezember 2021 auch im Januar 2022 spürbar zulegen. Er erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 1,9 Cent auf 54,3 Cent/kg. Der Vorjahreswert wurde gleichzeitig um 23 Cent übertroffen, teilt das ife-Institut in Kiel mit. Der Rohstoffwert Milch hatte, wie berichtet, im Jahr 2021 einen historischen Höchststand erreicht. Er gilt als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der Erzeugermilchpreise in Deutschland beziehungsweise der EU.

Für den weiteren Anstieg des Rohstoffwertes war die positive Entwicklung der Notierungen für Butter und Magermilchpulver ausschlaggebend. Beide Produkte waren sehr gefragt und nur in begrenzter Menge vorhanden. Laut Berechnungen des ife-Instituts erhöhten sich die durchschnittlichen deutschen Butterpreise im Januar 2022 um 10,7 Euro auf 585,3 Euro/100 kg. Die Notierungen für Magermilchpulver verbuchten ein Plus von 17,8 Euro auf 346,6 Euro/100 kg.

EU: Notierungen für Magermilchpulver um 50% über dem Vorjahresniveau

Auch die EU-Notierungen für Standard-Milchprodukte legen derzeit auf einem sehr hohen Niveau weiter zu. Die Vorjahreswerte werden weiterhin in allen Kategorien, insbesondere bei Butter, Milchpulver und Käse, deutlich übertroffen. Der seit August 2021 beobachtete steile Kursanstieg wird von Experten vor allem auf die stagnierende Milchanlieferung und die anhaltend gute Nachfrage auf den internationalen Märkten zurückgeführt.

Nach Angaben der EU-Kommission lagen die Preise für Butter am 30. Jänner 2022 im EU-Schnitt bei 577 Euro/100 kg und übertrafen damit die Vorjahreslinie um beachtliche 65%. Magermilchpulver notierte bei 349 Euro/100 kg, das war um 50% mehr als ein Jahr zuvor. Bei Vollmilchpulver wurde ein mittlerer Wert von 432 Euro/100 kg erreicht, was einem Plus von 53% im Vergleich mit dem Vorjahr entspricht. Die Notierung für Cheddar-Käse zeigte in den vergangenen Monaten nur wenig Bewegung. Mit 339 Euro/100 kg wies sie am 30. Jänner aber immerhin gegenüber dem Vorjahresniveau einen Anstieg um 10% auf.

Weltmarkt: GDT-Gesamtindex auf höchstem Stand seit acht Jahren

Auch bei der jüngsten Versteigerung an der neuseeländischen Handelsplattform GlobalDairyTrade (GDT) konnten alle gehandelten Produkte höhere Preise erzielen. Das größte Plus verzeichnete Buttermilchpulver mit 9,7%. Vollmilchpulver - das Leitprodukt dieser Auktion - erreichte ein Indexplus von 5,8%, Butter eines von 3,3%. Die Notierung für Cheddar-Käse erhöhte sich um 2,4%, Magermilchpulver konnte einen Indexanstieg von 2,1% erzielen und wasserfreies Milchfett (Butteröl) eine Erhöhung um 1,4%. Der GDT-Gesamtindex nahm bei dieser Auktion um 4,1% gegenüber der letzten Versteigerung zu. Im Jänner 2022 war er bereits auf den höchsten Wert seit acht Jahren gestiegen.

Die internationalen Analysten gehen derzeit davon aus, dass die Rahmenbedingungen am globalen Milchmarkt weiterhin gut sind. Das Rohmilchangebot der größten Exportländer sei weiterhin begrenzt, dem stehe eine stabile Nachfrage gegenüber, wird betont. Bei der jüngsten Auktion hätten sich Käufer aus Nordafrika, dem Mittleren Osten und aus Teilen Südostasiens preissensibler verhalten als die chinesischen Bieter, die den größten Anteil des Angebots (vor allem Milchpulver) kauften. Als Unsicherheitsfaktor sehen die Marktbeobachter weiterhin die Entwicklung der Corona-Pandemie und damit zusammenhängende Logistikprobleme. Derzeit gehe man aber von einer Verbesserung der Lage aus, so die Experten. (Schluss) kam