Waldbau

Holzmarkt: Dürre und Borkenkäfer verhageln die Preise

Waldschaden
Johann KochBBV, München
am Freitag, 08.11.2019 - 08:09

Das Jahr 2019 stellt für jeden sichtbar eine Zäsur für die nachhaltige Forstwirtschaft dar.

Auf einen Blick

  • Die Kalamitäten bestimmen weiterhin die Nadelstammholz- und die Industrieholzmärkte.
  • Lediglich die Bauholzsäger suchen aktuell frisches Langholz.
  • Die Holzlager der Großsäger sind dagegen sehr gut gefüllt.
  • Die Laubholzmärkte zeigen sich weitgehend stabil, wobei die Säger eine Unterversorgung mit Buchenstammholz befürchten.
  • Auch für das kommende Jahr werden kalamitätsbestimmte Märkte erwartet.

Franken und Ostbayern hart getroffen

Die Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche, aber auch die Mischbaumarten wie Berg­ahorn und Tanne leiden für jeden sichtbar massiv unter den Wetterbedingungen der letzten beiden Jahre, das stellte BBV-Waldpräsident Josef Wutz beim Treffen des Landesausschusses der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse im Bayerischen Bauernverband mit den Vertretern der bayerischen Säger an der Bayerischen Waldbauernschule Goldberg fest.

Während die Borkenkäferschäden im Süden Bayerns geringer als erwartet ausfielen, erhöhte sich der Befall mit Buchdrucker und Kupferstecher in Ostbayern und Franken enorm, sodass die dort ansässigen Sägewerke mit Käferholz regelrecht überschwemmt wurden. Verzögerungen bei der Holzabfuhr und der Aufbau von Waldlagern waren die Folge. Dafür waren in den Voralpen- und Mittelgebirgslagen erhebliche Mengen an Schneebruchholz aufzuarbeiten.

Export und Lagerung entschärfen die Lage

Marktgespräch

Von Waldschutz und desolaten Preisen getrieben, haben logistisch günstiger gelegene Bundesländer den Export von Fichtenkalamitätsholz nach China im ersten Halbjahr 2019 auf über eine Mio. fm stark ausgeweitet. Der Export, der Aufbau von Nasslagern durch die Bayerischen Staatsforsten sowie das Verbringen von Hölzern aus dem Privatwald auf Holzlager außerhalb des Waldes konnten die Lage zumindest in Teilen entschärfen. Wutz appelliert an die Waldbesitzer, sich durch die schwierige Situation nicht entmutigen zu lassen und am Waldschutz dran zu bleiben.

Vor allem den fränkischen Waldbesitzern bereiten zudem die unerwartet hohen Schäden durch Dürre und Krankheiten der Kiefer und Buche Probleme. Während sich die Preise bei der Kiefer im Sog der Fichte nach unten bewegten, stellt sich bei den dürren Buchen zusätzlich die Frage der Verwertbarkeit aufgrund Weißfäule oder Verfärbungen durch den Buchenschleimfluss. 

Zäsur in der nachhaltigen Waldwirtschaft

Das Jahr 2019 stellt für jeden sichtbar eine Zäsur für die nachhaltige Forstwirtschaft dar. Dabei sind laut Wutz auch Existenzen in Gefahr. Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht bundesweit von 105 Mio. fm Schadholz aus, das insgesamt 2018 und 2019 angefallen ist. In Bayern werden allein für heuer bis zu 10 Mio. fm und damit doppelt so viel Schadholz wie letztes Jahr erwartet.

Der BBV-Waldpräsident rechnet vor: „Bei 20 Millionen Festmetern Kalamitätsholz in den letzten fünf Jahren und einem Mindererlös bei Fichte von 25 Euro je Festmeter ist unseren Waldbesitzern allein ein Vermögensschaden von 500 Millionen Euro entstanden.“ Wenn dann die Erlöse für das Käferholz zum Teil nicht einmal mehr die Kosten für die Aufarbeitung decken, dürfe es niemanden wundern, wenn die betroffenen Waldbesitzer ihre Motivation für die Waldbewirtschaftung verlieren.

Staatliche Hilfen für Waldbesitzer wichtig

Deshalb sei die Ausweitung der staatlichen Hilfen für die Waldbesitzer, für die der Bauernverband gemeinsam mit dem Waldbesitzerverband und dem Verband der Familienbetriebe Land und Forst mit Nachdruck gekämpft hat, enorm wichtig. Wutz dankte Forstministerin Michaela Kaniber für das im Sommer aufgewertete Maßnahmenpaket zur Borkenkäferbekämpfung. Nach Auskunft des Ministeriums lägen Anträge in Höhe von rund 7,8 Mio. € vor. Das bedeutet, dass von den privaten Waldbesitzern rund 700.000 fm Käferholz waldschutzwirksam aus den Wäldern verbracht werden konnten. Die höheren Fördersätze ermöglichten Transporte zu weiter entfernten Lagerplätzen.

Der Landesausschuss erachtet jedoch weitere Hilfen für erforderlich, die den Waldbesitzern und forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen direkt durch Förderung oder indirekt durch Abbau strukturbedingter Nachteile zugutekommen. Dazu zählen laut Wutz höhere Fördersätze für die Wiederaufforstung, der Aufbau eines bayernweiten Netzes an Holzlagerplätzen durch die öffentliche Hand oder die Unterstützung der Waldbesitzer bei der Verkehrssicherungspflicht. Zudem gelte es, so schnell wie möglich EU-notifizierte Richtlinien zu Kalamitätsschäden und zur Förderung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse ohne Deminimisgrenze auf den Weg zu bringen. 

Holzbauoffensive und Holzenergie gefordert

Da wegen des Klimawandels und des angestrebten Waldumbaus in den nächsten Jahrzehnten mehr Holz eingeschlagen werden muss, brauche man eine Holzbauoffensive und den Ausbau der Holzenergie und holzbasierten Bioökonomie. Die anhaltend florierende Baukonjunktur bedingt eine hohe Nachfrage nach Nadelschnittholz. So stieg dessen Produktion 2018 um gut 2,5 Mio. m3 auf insgesamt 22,5 Mio. m3. Peter Fickler bestätigte, dass die Nadelschnittholzproduktion auch 2019 auf Hochtouren läuft.

Peter Fickler, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Säge- und Holz­industrie Region Bayern, erwartet jedoch ein schwierigeres Marktumfeld. Das liege an den rückläufigen Genehmigungen beim Einfamilienhausbau, den Auswirkungen des Brexits und den politischen Spannungen in den arabischen Ländern.

Preisabschläge aufgrund massiven Überangebots

In den Hauptschadensgebieten werden noch 50 €/fm, außerhalb davon bis 70 €/fm für frische Fichtenabschnitte bezahlt. Bei Käferholz gibt es davon nochmal Abschläge von 20 bis 30 €/fm. Das ist eine Folge des massiven Überangebots an Schadholz. Da die Waldbesitzer nur Schadholz einschlagen, bestehe laut Fickler jedoch ein Mangel an frischem Langholz für die Bauholzsäger. „Sagen Sie uns den Frischholzpreis, den Sie haben wollen, dann werden wir ihn umsetzen“, versprach der Sägervorsitzende. 

In publizierten Marktberichten sind für frisches und gesundes Langholz Preise von aktuell 78 bis 88 €/fm zu lesen. Da die benötigte Menge jedoch überschaubar ist, empfiehlt der Landesausschuss, vor einem Frischholz­einschlag Menge, Preis und Vertragsbedingungen (v. a. Holzabfuhr, Zahlungsziel) genau zu vereinbaren. BBV-Landesausschuss und Säger erwarten auch für 2020 einen zweigeteilten Nadelholzmarkt, dessen Verlauf von der Menge an Kalamitätsholz abhängen wird.

Gesellschaft versteht die Zusammenhänge nicht

Rege wurde die Aussprache, als es um die Kommunikation der aktuellen Waldschäden durch die Forst- und Holzbranche ging. Die Mehrheit der Bürger und der Politik verstehe die Zusammenhänge beim Walderhalt und bei der Waldbewirtschaftung nicht mehr und nehme folglich die rein emotionalen Botschaften von Waldesoterikern und selbst ernannten Experten für bare Münze.

Die gesamte Wertschöpfungskette müsse endlich mit diesen Fakenews aufräumen und den Menschen die vielen Vorteile nachhaltiger Waldbewirtschaftung und Holzverwendung erklären. Die aktuelle Klimaschutzdebatte, aber auch die Kommunalwahlen bieten dafür hervorragend Gelegenheit.