Konsumverhalten

Höhere Lebensmittelpreise: Zustimmung sinkt

Lebensmittelpreise
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 05.07.2021 - 10:17

Eine Umfrage der Rabobank zeigt, die Bereitschaft der Konsumenten für Nahrungsmittel höhere Preise zu zahlen, ist rückläufig.

Frankfurt - Die Echtzeit-Studie „Rabobank Food Navigator“ liefert regelmäßig Einblicke zur Haltung der Deutschen in Sachen Nahrungsmittelsicherheit, Nahrungsmitteltrends, Konsum und Agrarwirtschaft.

Bereitschaft den Bauern ein größeres Stück vom Kuchen abzugeben sinkt

Erzeugerpreise

In der Studie wird die Haltung der Verbraucher zu vier Fragen über einen längeren Zeitverlauf ermittelt. Der Verlauf zeigt den Trend auf.

1.  Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu: „Lebensmittel müssen grundsätzlich teurer werden, damit Bauern eine faire Entlohnung erhalten“?

Die Bereitschaft der Konsumenten, steigende Lebensmittelpreise zu akzeptieren, um den Bauern bessere Preise zu zahlen, sinkt: Die Zustimmung ist rückläufig, die Ablehnung steigt. Das ergibt einen eindeutigen Trend. Auch wenn die Mehrheit der Befragten dazu noch bereit wäre, schrumpft der Vorsprung erheblich.

Regionalität ist wichtig, verliert aber an Bedeutung

Deutsche Verbraucher

2. Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu: „Mir ist beim Kauf von Lebensmitteln wichtig, dass sie aus der Region stammen“?

Den gleichen Trend gibt es zur Bedeutung der Regionalität. Zwar ist dem Großteil der Konsumente die regionale Herkunft wichtig, aber die Zustimmung sinkt und die Ablehnung steigt. Ein Effekt, der den meisten gängigen Annahmen doch deutlich widerspricht. Anscheinend findet da eine gewisse Neuorientierung der Verbraucher statt.

Lebensmittel werden seltener weggeworfen

Deutsche Verbraucher

3. Wie häufig müssen Sie Lebensmittel entsorgen, weil sie nicht mehr genießbar sind?

Wenigstens hier zeigt sich ein Trend zum Positiven. Die Konsumenten scheinen ihre Vorratshaltung besser in den Griff zu bekommen, so dass sie weniger wegwerfen müssen. Der Anteil "Seltener" nimmt zu. Das passt an sich aber wieder ganz gut ins Gesamtbild, dass die Konsumenten bei den Ausgaben für Lebensmittel strenger kalkulieren, sowohl bei den Preisen als auch bei den Verlusten.

Investments für "Gutes" kommen aus dem Loch

Verbrucherverhalten

Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu: „Mir wäre es wichtig, dass ich mit meinem angelegten Geld etwas Gutes in der Welt bewegen kann“?

Ein Punkt, der für Banken von besonderem Interesse ist, ist die Form der Geldanlage. Ein Schlagwort dazu lautet Green Investments, also inwieweit Umweltaspekte bei Geldanlagen eine Rolle spielen. Hier verlaufen Zustimmung und Ablehnung im 2. Quartal auf einem ähnlichen Niveau mit dem glücklicheren Ende für die Zustimmung.

Stichprobengröße liegt bei über 5.000 Personen

Für die Erhebung der Daten kooperiert die Rabobank mit Civey, einem Unternehmen für digitale Markt- und Meinungsdaten in Deutschland. Die Umfragen zu den vier Fokusthemen sind repräsentativ und werden online durchgeführt. Dafür wurden seit dem 11. März 2021 schon mehr als 17.000 Teilnehmer*innen befragt. Die Stichprobengröße liegt bei über 5.000 Personen.

Gesamttrend in einen Indexwert gefasst

Lebensmittel

Die Entwicklung des Trends fasst die Rabobank in ihrem sogenannten Food Awareness Index zusammen. Nach zwischenzeitlichen Tiefphasen im Frühjahr (-5,57 Punkte vom 29.3. bis zum 28.4) stieg er in den letzten zwei Wochen erstmals deutlich um 2,09 Indexpunkte auf einen Wert von 93,41 (Indexstand 100 zum Start am 29.3.2021).

Danach ist das Bewusstsein der Verbraucher für Lebensmittel und Agrarwirtschaft im zweiten Quartal 2021 zwischenzeitlich aus dem Fokus geraten, mit Erholungstendenzen zum Sommer. Spannend bleibt, wie sich weitere aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen – von Lockerungen der Corona-Maßnahmen, einem wieder stärkeren Interesse am Klimaschutz bis hin zur Bundestagswahl – auswirken werden.