Milchindustrieverband

Heuser zweifelt Nutzen der Protestaktionen an

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 20.01.2021 - 11:17

Eckard Heuser vom Milchindustrieverband glaubt nicht, dass die Proteste vor den Molkereien und den Lägern des Lebensmitteleinzelhandels Sinn machen.

Milchindustrieverband

Berlin - Die Proteste vieler Landwirte vor deutschen Molkereien und Lägern des deutschen Lebensmitteleinzelhandels haben nach Einschätzung von Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, keine Auswirkungen auf das Marktgeschehen. „Die Sorge der Milcherzeuger nehmen wir sehr ernst, glauben aber nicht, dass Blockaden vor den Lägern unserer Kunden Sinn machen“, sagte er anlässlich des Milchpolitischen Frühschoppens, der in der bayerischen Vertretung digital veranstaltet wurde. Die Preise würden sich schließlich nach Angebot und Nachfrage richten. Und wenn tatsächlich schlechte Preise festzustellen seien, seien diese dem deutschen LEH sicherlich nicht anzurechnen.

50 % des Branchenumsatzes werden im Export gemacht, ca. 20 % kommen aus der weiterverarbeitenden Industrie wie Babynahrung oder Backwaren. Eben nur ein Teil der deutschen Rohmilch wird für Produkte im deutschen LEH benötigt. Der Binnenmarkt mit seinen offenen Grenzen verbietet nationale Alleingänge.

Heuser kritisiert Blockaden als verantwortungslos

Trotz der Pandemie und schwierigen Seuchenlage, sei die Molkereiwirtschaft immer lieferfähig und systemrelevant. Blockaden über die Feiertage seien nach Ansicht von Heuser daher unverständlich und verantwortungslos.

Der Verband verwies auf die Aufgaben der Politik bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen unter anderem in der GAP 2020 Diskussion oder auch der Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken. Aber auch hier vertrete der Verband die marktwirtschaftlichen Ansätze und sehe keinen Grund zur Wiedereinführung einer Milchmengensteuerung. „Es werden nur Erwartungen geschürt, wenn starr ein Mehrpreis bei der Rohmilch von 15 Cent plus gefordert wird“, teilt Eckhard Heuser vor der Presse in Berlin mit.

Weiterhin hält es Heuser für sinnvoll, wenn die Kräfte der Milcherzeuger gemeinsam vertreten würden. Bei der Vielzahl kleinerer Agrarorganisationen verliert man den Überblick, wer wen mit welcher Rechtfertigung vertrte. „Das ist gut für die Emotionalisierung der Demonstrierenden, hilft aber in der Sache nicht!“, sagt Heuser.