Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Schweinemarkt

Heimatversprechen: Offensive fürs bayerische Schwein

Ferkel
Ringgemeinschaft Bayern
am Dienstag, 29.03.2022 - 10:38

Mit dem Projekt Heimatversprechen will die heimische Schweinebranche die Zukunft meistern. Dabei arbeiten die führenden Vertreter der Branche zusammen und werden von der Politik unterstützt.

Der Schweinemarkt braucht Perspektiven. Der Wegfall des Exports, Corona und die Afrikanische Schweinepest (ASP) führten zu einem langanhaltenden Tiefstand im Schweinepreis.

Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen und den Vorbereitungen auf das kommende Ostergeschäft entwickelt sich die Nachfrage von Schweinefleisch positiv und wird durch Rekordsprünge auch aufgrund fehlender Schlachttiere nach oben getrieben.

Der gestiegene Schweinepreis reicht jedoch nicht aus, um die gleichzeitig explodierenden Kosten für Futter und Energie zu decken. Im Hinblick auf den Ukraine-Krieg ist die weitere Entwicklung der Getreidepreise außerdem fraglich. Eine Besserung der desaströsen Lage der Schweinehalter ist deshalb aktuell nicht in Sicht.

Projekt „Heimatversprechen“ als einmalige Chance

Führung 1

Deshalb wollen die Vertreter der Schweinebranche die geringe Wertschätzung von Schweinefleisch und die damit verbundene geringe Wertschöpfung verbessern. Um die Zukunft der Schweinebranche zu sichern, sehen sie das über die gesamte bayerische Branche angelegte Projekt „Heimatversprechen“ als einmalige Chance.

Nachdem das Grundkonzept jetzt steht, wird nun die Detailplanung im gegenseitigen Austausch der heimischen Organisationen und politischen Vertreter vorgenommen.

Konzept geht über 5 x D hinaus

Unter dem Projektnamen „Heimatversprechen“ soll die bayerische Landwirtschaft noch mehr in den Vordergrund gerückt werden. Ziel ist es, weit über 5 x D hinauszugehen und die komplette bayerische Produktion von der Zucht, Besamung, Mast, Beratung, Landwirtschaft, Vermarktung und Schlachthof gemeinsam abzubilden.

Dadurch kann Mehrwert geschaffen werden, der in alle Richtungen Win-Win-Situationen gegenüber der Gesellschaft, der Politik, dem Kunden und auch in die Landwirtschaft schaffen soll: Eine integrative Vertragsproduktion mit dem Landwirt im Mittelpunkt ist laut Ringgemeinschaft Bayern richtungsweisend für die zukünftige Schweineproduktion in Bayern.

Das Gütesiegel GQ Bayern ist bereits eine große Erfolgsgeschichte. Nun wird es Zeit, die Besonderheiten der bayerischen Landwirtschaft in Verbindung mit GQ noch stärker hervorzuheben und mit Mehrwert am Markt zu platzieren. Das Siegel GQ Bayern ist die Grundlage für das Konzept Heimatversprechen.

Mit einer groß angelegten Marketingoffensive soll im ersten Schritt die Marke „Bayern“ gestärkt, ihre Vorzüge aufgezeigt und mit geeigneten Werbemaßnahmen gezielt die breite Masse an Verbrauchern erreicht werden. Das Ziel ist es, Trendsetter für zukünftige Anforderungen der Verbraucher an die bayerische Landwirtschaft zu sein.

Rückendeckung durch Staatsregierung

Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Staatsministerin Michaela Kaniber unterstützen die Eigeninitiative der Branche vollumfänglich: Zwischen dem Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Ringgemeinschaft Bayern erfolgte bereits eine Abstimmung, in welcher Form und unter welchen Voraussetzungen weitere Marketingmaßnahmen der bayerischen Fleischwirtschaft gefördert werden können.

Außerdem hatte Staatsministerin Kaniber in ihrem Schreiben vom 8. Februar betont, dass „die Konsumenten sich im Klaren sein müssen, welch gutes Produkt sie erhalten und welche Vorteile sie durch eine regionale Versorgung mit bayerischem Schweinefleisch haben.“ Aus diesem Grund hat sie bereits einer ersten gemeinsamen Marketingoffensive, die über den Verein „Unsere Bayerischen Bauern“ abgewickelt wird, zugestimmt.

Faire Kalkulation und Qualität auf allen Ebenen

MdL Martin Schöffel zeigte im gemeinsamen Austausch bereits großes Interesse und signalisierte seine Unterstützung. Bei seiner persönlichen Stellungnahme gegenüber der Zeitung „Ring intern“ betont er: „Besonders am Herzen liegt es mir, das Herkunftsversprechen, das hinter GQ Bayern steht, beim Verbraucher noch bekannter zu machen. Das aus der Branche heraus entwickelte Konzept „Heimatversprechen – Schweinefleisch aus Bayern“ kann dazu beitragen, davon bin ich überzeugt. Es steht für ein besonderes Versprechen auf Qualität, Standards und auch für faire Kalkulation auf allen Ebenen, damit mehr Wertschöpfung beim Erzeuger ankommt. Es ist eine Chance, dass der bayerische Schweinefleischerzeuger selbstbewusst mit Abnehmer und Verbraucher auf Augenhöhe kommt.“
„Bei unserer Arbeitstagung Anfang März 2022 in Paulushofen, haben wir es geschafft, die Branche zu bündeln und alle in der Wertschöpfungskette beteiligten Organisationen Bayerns an einen Tisch zu holen und eine gemeinsame Strategie unter dem Namen Heimatversprechen zu fahren“, freut sich der Ringgemeinschaftsvorsitzende Stephan Neher. Unter der Moderation von Malte Anselm Beyer, u.a. Dozent für Verkaufs- und Verhandlungstraining, haben sich über alle Organisationen gemeinsame Ziele manifestiert:
  • die regionale Produktion muss noch wettbewerbsfähiger werden, um die Wertschätzung und die Wertschöpfung zu steigern,
  • die Vorteile in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität, welche die bayerische Landwirtschaft bietet, müssen am Markt noch besser dargestellt werden,
  • die Vorzüge der bayerischen Landwirtschaft, die den Anforderungen des Verbrauchers heute schon entsprechen, müssen jetzt auch dem Lebensmitteleinzelhandel gegenüber aufgezeigt werden, um am Markt unersetzbar zu sein,
  • faire Kalkulationen statt durchtreten. Der Landwirt muss im Mittelpunkt stehen.

Die Gemeinsamkeiten hervorheben

Die gesamte Branche ist überzeugt, dass diese Ziele gemeinschaftlich umsetzbar sind, indem man in Ketten denkt und die Gemeinsamkeit hervorhebt: Ein Mehrwert für alle Mitglieder der Wertschöpfungskette wird nur durch das Schaffen eines freiwilligen integrativen Systems unter Berücksichtigung der bäuerlichen Strukturen und Aufbau eines Vertragswesens möglich.
Für alle Beteiligten ist klar, dass sie den Weg nur gemeinsam gehen können. Während der Projektausarbeitung sind sie auf die Unterstützung und das Know-how aller Marktteilnehmer angewiesen. Ausdrücklich werden alle Firmen, Organisationen und Erzeuger eingeladen, um den Weg der Zukunft zu beschreiten. Um das Projekt zukünftig zu koordinieren und weiterzuentwickeln, wird ein Projektleiter unerlässlich. Martin Heudecker, bis dato Geschäftsführer der EGZH, wird diese Funktion übernehmen. Ab 1. Mai soll er, im Auftrag der Ringgemeinschaft Bayern das Projekt „Heimatversprechen“ zum Erfolg führen.