Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Lebenssmittelhandel

Handel wirbt mit Inflationsbremse, auf Kosten der Tierhalter

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 05.07.2022 - 14:48

Händler verweisen auf Überangebot am Schweinefleischmarkt und senken Preise. Schweinebauern sind mächtig sauer.

Edeka_Werbeplakat_Bayern_Juni2022.jpg

Die Konzerne im Lebensmittelhandel zeigen wieder mal ihr wahres Gesicht. Alle Bekenntnisse zu "5xD" sind offenbar Schnee von gestern, es zählt der günstigste Einkaufspreis.

Nach den Berichten in der Bildzeitung und zahlreicher weiterer Medien haben Aldi Nord und Aldi Süd seit gestern die Preise für zahlreiche Frischfleischprodukte zum Teil erheblich gesenkt. Man gebe sinkende Einkaufspreise an Kundinnen und Kunden weiter und leiste so einen Beitrag zur Abschwächung der Inflation, wird ein Sprecher der beiden Unternehmen in Essen zitiert.

Auch der Edeka-Konzern habe bereits angekündigt, die Preise in den kommenden Tagen anzupassen. Nachdem es Anfang des Jahres zunächst einen deutlichen Anstieg am Markt gegeben habe, sehe man wieder sinkende Basispreise insbesondere bei Schwein. Das liege nicht zuletzt an den nach wie vor hohen Überkapazitäten in Deutschland, wird ein Unternehmenssprecher unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert.

Edeka wirbt offen mit "Inflationstopp"

Wahrscheinlich wollen sie sich so als „Inflationsbremser“ sonnen, aber eben auf Kosten der hiesigen Bauern und nicht zu Lasten der Konzernbilanz. „Die Marktmacht einiger weniger Lebensmitteleinzelhändler ist enorm, kritisiert Schweinehalter und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes.

Erst vor kurzem hatte Edeka in Bayern mit einem Plakat geworben, auf dem groß zu lesen war „Inflationstopp-Mit Edeka die Inflation vergessen“. Zu sehen waren zahlreiche Lebensmittel, darunter auch Fleischprodukte.

Für ISN ein Schlag ins Gesicht der Schweinehalter

Das Gebaren des Handelsunternehmens ALDI sei ein völlig falsches Signal zur Unzeit, ergänzt ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Er räumt volle Fleischläger und ein reichliches Angebot an Fleisch ein. Allerdings treffe dies auf das EU-weite Angebot zu, nicht auf Deutschland. So haben Spanier und andere die Schweinehaltung ausgebaut.

Gegen temporäre verkaufsfördernde Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wäre seiner Meinung nach deshalb auch gar nichts zu sagen. Generelle Preissenkungen und Druck auf die Einkaufspreise hält Staack hingegen für ein Schlag in das Gesicht der deutschen Schweinehalter. 

„Wir haben inzwischen den niedrigsten Schweinebestand seit der Wiedervereinigung in Deutschland“, gibt der ISN-Geschäftsführer zu bedenken. Das deutsche Angebot an Schweinefleisch sei also massiv zurück gegangen. Schon heute rollt laut Staack eine Ausstiegswelle, die man in so einem Ausmaß bislang noch gar nicht kannte. Allein im vergangenen Jahr sei jeder zehnte Schweinehalter ausgestiegen. Derzeit fehlen nach ISN-Angaben in Ferkelerzeugung und Schweinemast aktuell weiter 60 bis 70 €/Tier.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt