Getreidemarkt

Hafer ist stark gefragt

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Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Mittwoch, 15.09.2021 - 11:38

Die Anbauflächen von Hafer und die Erntemenge in Deutschland sind um 13 Prozent gestiegen. In Nord- und Osteuropa gibt es massive Ernteeinbußen.

Die Anbauflächen für Hafer in Deutschland werden weiter ausgedehnt. Das meldet der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V. Nach der Steigerung im Jahr 2020 auf 157 100 ha erreichen die Flächen in diesem Jahr gemäß den ersten Erhebungen des Statistischen Bundesamts 177 100 ha. Dies entspricht einem Wachstum von 13 % gegenüber dem Vorjahr. Die Erträge liegen in gutem Durchschnitt, so dass die Erntemenge ebenfalls um 13 Prozent auf 814 300 Tonnen gestiegen ist. Die Qualitäten werden insgesamt das Niveau von 2020 jedoch voraussichtlich nicht erreichen.

Auf einem ähnlichen Niveau wie in diesem Jahr lag die Haferanbaufläche in Deutschland zuletzt 2008. Das fünfjährige Mittel von 2016 bis 2020 übersteigt der aktuelle Wert um 33 %. Die Erntemenge liegt erstmals seit 2009 wieder über 800 000 t. Im Vergleich zum Mittel der Jahre 2016 bis 2020 ist die Menge um 40 % höher.
Flächenausdehnungen, die gegenüber 2020 über dem Bundesdurch-schnitt liegen, sind für Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Schleswig-Holstein zu verzeichnen. Flächenreduzierungen gab es dagegen in Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen.

Die Qualitäten sind nicht einheitlich

Nach Aussage der Hafermühlen in Deutschland ist und bleibt Der Bedarf an Schälhafer für die Lebensmittelherstellung in den Mühlen hoch. In Deutschland unterstützen die steigenden Erntemengen der letzten beiden Jahre grundsätzlich die regionale Beschaffungssituation. Wie sich jedoch die Haferqualität insgesamt darstellt, werden die kommenden Wochen bei der Bonitierung zeigen. Die ersten Muster und Schälversuche ergaben starke regionale Unterschiede bei den Qualitäten. Einige Mühlen berichten von sehr guten Qualitäten mit großen Kernen und einem guten Kern-Spelze-Verhältnis. In anderen Regionen wird die Haferqualität im Vergleich zu 2020 als schwächer bewertet. „Wie auch bereits in den Vorjahren ist die Versorgung mit Schälhafer angespannt. Die Qualitäten 2021 scheinen bei uns das Niveau vom vergangenen Jahr nicht immer zu erreichen, aber wir und unsere Landwirte sind es gewohnt, auch Hafer mit weniger guten Kennzahlen zu nutzen“, berichtet Thomas Staffen, Leiter des Rohstoffeinkaufs bei den Rubin Mühlen in Lahr und Plauen.
Ulrich Schumacher, Geschäftsführer der Fortin Mühlenwerke in Düsseldorf hat andere Erfahrungen mit 2021er Hafer aus Deutschland gemacht: „Wir haben Hafer aus unserer Region mit über 55 kg Hektolitergewicht erhalten. Bei Partien, deren Hektolitergewicht nicht im Wunschbereich liegt, sind jedoch die Körner groß und die Schälfähigkeit ist sehr gut.“

Engpässe auf den Hafermärkten

In der Versorgung aus den relevanten Lieferländern in Skandinavien und Osteuropa kündigen sich bereits erhebliche Engpässe an. Finnland meldet eine um mindestens 25 bis 30 % niedrigere Erntemenge als 2020. Ebenso steht aus dem Baltikum weniger Hafer zur Verfügung. Da auch in Kanada die Haferernte weit unter den Vorjahren liegt, geht viel Hafer aus Schweden nach Übersee, der dann für den europäischen Markt nicht mehr zur Verfügung steht. Die deutschen Hafermühlen befürchten Versorgungsengpässe.
Landwirten und Landwirtinnen, die Hafer zur Diversifizierung ihrer Fruchtfolge einplanen, empfehlen die Hafermühlen, sich rechtzeitig vor der Aussaat mit den Vermarktungspartnern in ihrer Region in Verbindung zu setzen. Auf guten Standorten und mit entsprechender landwirtschaftlicher Praxis sei der Haferanbau ökologisch und wirtschaftlich interessant.

Erzeugerpreise spiegeln Versorgung nicht wider

In Südbayern lagen die Erzeugerpreise für Qualitätshafer in der vergangenen Woche im Durchschnitt bei 168,17 €/t bei einer Spanne von 162 bis 172,50 €. Für Nordbayern wurden vergangene Woche keine Preise gemeldet. Damit ergibt sich im bayernnweiten Vergleich eine Preissteigerung um 2,34 € gegenüber der Vorwoche. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei 144,31 €. Der Preis ist damit zwar um 16,5 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen, aber der Zuwachs liegt damit auch nicht höher als bei andderen Getreidearten. Bei A-Weizen in Bayern beträgt die Steigerung gegenüber dem Vorjahr zum Beispiel 20 %.

Der Text verwendet Material des Verbands der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V.

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