Versorgungsbilanz

Globale Getreidelager auf Achtjahres-Tief

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aiz
am Donnerstag, 28.10.2021 - 11:53

Die weltweiten Weizenbilanzen werden durch die Bank - so auch vom Internationalen Getreiderat IGC - sehr eng geschätzt.

Die Weizenexporte der EU liegen weiterhin über den Vorjahreswerten, wobei zuletzt Ausfuhren aus Frankreich nach China für Aufsehen sorgten. Im September haben sich die Drittlandsausfuhren Frankreichs jedoch verlangsamt. Laut Schätzungen der Agrarattachés des US-Landwirtschaftsministeriums werde Ägypten, der weltgrößte Weizenimporteur, 2021/22 aufgrund seines Bevölkerungswachstums noch mehr Weizen, nämlich 12,4 Mio. t, am Weltmarkt einkaufen müssen. Und Algerien habe wegen Trockenheit heuer 38% weniger Getreide eingefahren und müsse nach 7,6 Mio. t in der Vorsaison nun 2021/22 8 Mio. t Weizen einführen - davon komme viel aus Frankreich, aber heuer auch aus Deutschland. Die Türkei war gegen Ende der Woche mit vorläufigen Abschlüssen über 300.000 t Weizenkäufen am Markt aktiv.

Russland ist mit sich selbst beschäftigt

Russland indes zieht wegen der galoppierenden Lebensmittelinflation im Land die Exportbremse für Getreide immer schärfer an, obwohl der Anstieg der Weizenexportpreise zu Wochenbeginn nach 13 Wochen erstmalig zum Stillstand gekommen war und die Ausfuhren schon um fast 27% hinter dem Vorjahr nachhinken. Dennoch setzte die Regierung in Moskau die Exportsteuer auf Weizen für die Woche ab dem 20. Oktober um weitere 2,70 USD auf 61,30 USD/t (52,68 Euro) und geht ab dem 29. Oktober nochmals um weitere 5,70 USD (4,90 Euro) auf 67,00 USD/t (57,57 Euro) hinauf. Zwar erwarte man 2022 eine um rund 5 Mio. t größere Weizenernte von gut 80 Mio. t als im sehr schlechten Jahr 2021, aber bis dahin ist es noch weit.

IGC: Trotz Aufbau von Maislagern global engste Gesamtbilanz seit acht Jahren

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London hob am Donnerstag im Grain Market Report (GMR) die weltweite Getreideproduktion (Weizen, Futtergetreide und Mais) 2021/22 zum Vormonat leicht - um 1 Mio. t - an und setzte die Verbrauchswertung um 3 Mio. t hinauf. Daraus resultiert nun eine leicht negative Gesamt-Getreidebilanz, wobei es beim Mais zu einem Lageraufbau um 9 Mio. t, beim Weizen hingegen zu einem Bestandsabbau um 3 Mio. t und ebenso zu schrumpfenden Endlagern bei Futtergetreide kam. Ein Zuwachs des gesamten weltweiten Getreideverbrauchs im Jahresabstand um 64 Mio. t geht zum Großteil auf das Konto von Mais. Obwohl die Endbestände 2021/22 gegenüber dem Vorjahr nur minimal kleiner ausfallen sollen, sinkt wegen des deutlich höheren Verbrauchs der Endlageranteil vom gesamten Getreide am Konsum (Ratio stock to use) auf ein Achtjahres-Tief bei gut 26%.

Wie beim Mais soll das laufende Wirtschaftsjahr auch bei Sojabohnen einen Bestandsaufbau bringen. Es bleibt bei der Prognose einer Rekordernte mit einem Zuwachs von 3,7% zum Vorjahr und einem Verbrauchsplus von 4,1% auf ebenfalls ein Allzeithoch. Allerdings wächst aufgrund höher angesetzter Anfangsbestände das Bohnenangebot 2021/22 um 4,1%, sodass unter dem Strich eine neuerliche Zunahme der Endlager steht.

EU 2021/22 weltgrößter Weizenexporteur - Bilanz äußerst eng

Wie das US-Agrarressort, so führt auch der IGC die EU 2021/22 als weltgrößten Weizenexporteur mit 34,8 Mio. t Ausfuhren vor dem bisherigen Leader Russland mit 34,1 Mio. t. Die Weizenbilanz der EU ist mit einer Ratio von stock to use gerechnet am Eigenverbrauch bei 11,9% und am Binnenmarktkonsum und Export bei 8,9% im Vergleich zu weltweit 35,25% extrem eng. Ebenfalls sehr eng präsentieren sich die Weizenbilanzen der wichtigen Exporteure Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA. Ihnen bleiben am Ende von 2021/22 lediglich 16,4% ihres Inlandsverbrauchs beziehungsweise 11,2% der Summe aus Eigenverbrauch und Export als Reserve. Das reicht gerade einmal für knapp 41 Tage.

Die größten Weizenlager hortet China mit 46,5% aller weltweiten Weizenreserven. Diese decken 87,6% des Jahresbedarfs - also fast 320 Tage - im Reich der Mitte. Zum Vormonat nahm der GMR insbesondere für die USA eine Korrektur der Weizenernte um 1,4 Mio. t auf 44,8 Mio. t nach unten vor, wobei er die Exportprognose nur um 0,3 Mio. t auf 31,7 Mio. t zurücknahm, die für die Weizenendlager aber umso deutlicher um 1,3 Mio. t auf 15,8 Mio. t.