Getriedeernte

Globale Ernteprognosen sinken stetig

Mähdrescher-Getreideernte-Abtanken
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Externer Autor
am Montag, 30.08.2021 - 16:33

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London kürzte vorigen Donnerstag in seinem Monatsbericht GMR die Prognose für die weltweite Getreideproduktion (Weizen, Futtergetreide und Mais) 2021/22 zum zweiten Mal in Folge.

Der Grund sind die schlechtere Aussichten für Weizen und Gerste in Kanada, Russland und den USA - und zwar um 12 Mio. t. Es bleibt aber bei einer Rekord-Getreideproduktion von 2,283 Mio. t (+70 Mio. t bzw. 3,2% zu 2020/21). Diese verfehlt aber dennoch den um 2,4% zum Vorjahr steigenden Bedarf (Ernährung +1,6%, Fütterung +2,9%, Industrieverarbeitung +2,0%) um 5 Mio. t.

Siebenjahrestief in der Lagerhaltung

Somit blickt die Welt dem fünften Abbau der Lagerbestände in Folge auf ein Siebenjahres-Tief entgegen, obwohl der Rat auch seine Verbrauchsprognose im Monatsabstand um 76 Mio. t zurücknimmt. Die vom IGC erhobenen Weizen- und Gerstenpreisindices starteten seit Juli eine Rallye, Weizen legte binnen Monatsfrist um 8,2% (+45,5% im Jahresvergleich) auf ein Achteinhalbjahres-Hoch zu. Gleichzeitig korrigierte die EU-Kommission ihre Prognose für die Weichweizenernte der Union mit 27 Mitgliedern gegenüber dem Vormonat um 0,5 Mio. t auf 127,2 Mio. t nach unten.

An der Pariser Euronext schloss der mittlerweile am stärksten gehandelte Dezember-Mahlweizenkontrakt die vorige Handelswoche mit 246,75 Euro oder einem Plus von 2,25 Euro/t zum Schlusskurs vom Freitag, 20. August, zuvor ab.

Der Maiskontrakt zur Lieferung im November befestigte sich in diesem Zeitraum um 5,25 Euro auf 221,25 Euro/t und Raps ebenfalls zur Novemberlieferung um 14 Euro auf 571,50 Euro/t. Der vorderste und bald auslaufende Weizentermin, der September, legte zuletzt wilde Sprünge auf und ab von bis 27,50 Euro des Schlusskurses an einem Tag hin. Es heißt, die Halter von Longpositionen stellten diese nicht wie sonst vor dem Handelsende glatt, sondern warteten angesichts der knappen Verfügbarkeit mahlfähigen Weizens aus französischer Produktion auf die physische Erfüllung ihrer Kontrakte, was die Schlusskurse kurzfristig auf bis zu 273,50 Euro/t in die Höhe trieb.

Trotz geringerer Verfütterung dreht IGC globale Weizenbilanz ins Minus

Aufgrund des verringerten Angebots würde vor allem die Verfütterung von Weizen und Gerste hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben. Dabei drehen die Londoner Experten des IGC neben der globalen Gerstenbilanz nun auch die von Weizen mit einem Lagerabbau von 2 Mio. t ins Minus. Leichte Zuwächse der Bestände erwarten sie bei Mais und Roggen. Stärker positiv als bisher erwartet fällt wegen zurückgehender Importe Asiens die globale Sojabohnenbilanz mit einem Bestandsaufbau um 4 Mio. t aus.

EU wird weltgrößter Weizenexporteur - Bedarf an Maisimporten wächst aber

Nicht ganz so radikal wie der WASDE-Report des US-Landwirtschaftsministeriums, aber dennoch deutlich, revidiert der IGC binnen Monatsfrist Russlands Weizenernte um 6 Mio. t auf 75 Mio. t nach unten. Das Exportpotenzial sinke damit um 4 Mio. t auf 34,1 Mio. t. Damit falle es im Ranking hinter die EU-27 mit einer um 0,9 Mio. t nach oben gesetzten Weizenexportprognose bei nunmehr 34,5 Mio. t auf den zweiten Platz zurück.

Der russische Analyst Sovecon schätzt die Weizenernte des Landes auf 76,2 Mio. t - nach 85,9 Mio. t im Vorjahr - und kürzt die Weizenexport-Prognose um 3,2 Mio. t auf gar nur mehr 33,9 Mio. t. Das wäre die kleinste Ausfuhrmenge seit 2016/17. Dabei sollten die Ausfuhren im August und in den Folgemonaten wegen der von der Moskauer Regierung festgelegten Berechnungsformel für die Exportzölle verhalten bleiben. Der russische Staat will mit dieser Exportbremse angesichts steigender Weltmarktpreise verhindern, dass auch die Inlandspreise noch weiter davongaloppieren. Der Ausfall russischer und auch US-amerikanischer sowie kanadischer Weizenausfuhren auf den Weltmarkt verstärkt gleichzeitig die Nachfrage nach Weizen aus der EU, der aber aus der Ernte 2021 wegen der Qualitätsprobleme vor allem in Frankreich auch nur beschränkt in exportfähiger Mahlqualität zur Verfügung steht.

In den USA und Kanada bleiben vor allem die Erträge der hochproteinhaltigen Sommerweizen hinter den Erwartungen, wohingegen die schwächeren Winterweizen besser abschneiden. Die Sommerweizen konkurrieren zum Aufbessern einfacher Basisqualitäten auf Exportmärkten wie Italien auch mit den österreichischen Aufmischweizen.

Insgesamt sollen laut IGC bei den wichtigsten Weizenexporteuren (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA) in der laufenden Saison die Weizenreserven um 6,1 Mio. t auf 14,04% ihres Verbrauchs inklusive Exports abschmelzen, in der EU sogar auf nur 7,41%. Dafür hortet China 45,88% der globalen Weizenlager, was 87,02% Ratio von stock to use bedeutet. Dadurch relativiert sich das global vermeintlich großzügige Verhältnis von Lagerbeständen zum Verbrauch bei 35,50%.

Noch krasser sieht es beim Mais mit einem Weltlager-Anteil Chinas von 67,53% aus. Im Gegensatz zum Weizen zählt die EU-27 zu den großen Importeuren, sie werde 2021/22 laut IGC 14,8 Mio. t Mais (Vorjahr: 13,7 Mio. t) einführen müssen, um bei einer Ernte von 69,2 Mio. t (Vorjahr: 64,9 Mio. t) ihren im Jahresabstand um 3,9 Mio. t zunehmenden Verbrauch von 80,1 Mio. t decken zu können.