Vorratshaltung

Getreideversorgung: Enge EU-Weizenbilanz

Weizen
aiz
am Montag, 06.09.2021 - 14:07

Hohe Futterweizenanteile beim größten Weizenproduzenten und -exporteur der EU, Frankreich, aber auch in Deutschland bis hin zu Polen, verengen im Zusammenspiel mit verstärkter Exportnachfrage die ohnehin schon knappe Weizenbilanz der Union mit deutlich weniger als 10% Endlageranteil am Verbrauch zusätzlich.

Außerdem verfinstern sich die Ernteaussichten des bisher weltweit größten Exporteurs, Russland, stetig. In Russland kappte dieser Tage der Analyst Sovecon die Prognose für die Weizenernte 2021 von zuletzt 76,2 auf 75,4 Mio. t. Im Wolga- und Uralgebiet sei es zu trocken und heiß gewesen, die Erträge fielen unter die letzten Dürrejahre 2012 beziehungsweise 2014. Jetzt steht noch der Drusch in Sibirien aus.

Letztlich solle Russlands Weizenexport den niedrigsten Wert seit fünf Jahren erreichen. Dennoch habe eine stabile Nachfrage aus der Türkei, dem Iran und aus Afrika laut dem Logistiker RusAgroTrans, im August Weizenausfuhren von knapp 4,9 Mio. t ermöglicht, wofür Preise fob (free on board, Ware im Ausgangshafen auf Schiff verladen) von umgerechnet bis zu gut 258 Euro/t kolportiert werden. Das widrige Wetter bereite aber den russischen Landwirten auch Probleme bei der schon begonnenen Neuaussaat von Winterkulturen für die kommende Ernte 2022.

Käufer akzeptieren geringere Qualität

Einer der größten Weizenkunden Frankreichs, das gleich über dem Mittelmeer gelegene Algerien, soll diese Woche eine Weizenausschreibung für optionale Herkunft zur Lieferung im Oktober mit Zuschlägen bis zu 490.000 t abgeschlossen haben. Da die staatliche Getreideagentur OAIC keine offiziellen Ergebnisse veröffentlicht, beruhen die Zahlen auf händlerbasierten Agenturmeldungen.

Algerien soll dafür c &f (cost and freight, also Warenwert inkl. Verschiffung) von umgerechnet gut 298 bis 301 Euro/t bezahlen - nah etwas über 296 Euro/t für den letzten Zuschlag eines Tenders am 17. August. Teile der Lieferungen sollen ungewöhnlicher Weise aus Deutschland und von weiter östlich gelegenen Ostseeanrainern stammen, wiewohl die Algerier den von Qualitätssorgen gebeutelten französischen "Hoflieferanten" entgegengekommen seien. Demnach toleriere das nordafrikanische Land inoffiziell ein Mindest-Hektolitergewicht des Weizens von 76 kg anstatt der üblichen 78 kg, und Frankreich könne somit dennoch namhafte Mengen liefern. In Deutschland werden die Kassamarktpreise von Weizen mit Prämien auf die Euronext-Notierungen von der starken Exportkonjunktur gestützt.

Die Weichweizenexporte der EU-27 erreichten in dem seit 1. Juli laufenden Wirtschaftsjahr 2021/22 laut Kommissionsstatistik bis 29. August 3,68 Mio. t nach 3,28 Mio. t im Vorjahresvergleichszeitraum. Allerdings hinkt der Vergleich, weil die offizielle Statistik der Kommission die Exportdaten bis 31. Dezember 2020 wegen der Brexit-Übergangsphase noch für die EU-28 inklusive Vereinigtes Königreich ausweist.