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Vorkontrakte

Getreidevermarktung: Mindestpreismodelle nutzen

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 04.01.2022 - 08:58

Trotz hoher Düngerpreise können sich Ackerbauern noch gute Margen sichern, und von weiter steigenden Getreidepreisen profitieren.

Weizen_Ablieferung

Mindestpreismodelle bei der Getreidevermarktung können in stark schwankenden Märkten wie derzeit, Vorteile bieten, meint Handelsexperte Ludwig Striewe von der BAT Agrar GmbH. „Solche börsengestützten Vorkontrakte hätten sich in der laufenden Saison bewährt“, sagt das Mitglied der BAT-Geschäftsführung im Interview mit Nachrichtendienst Agra-Europe.

Gegen Zahlung einer Prämie bei Getreide von rund 5 % des Kontraktpreises - die Prämie ist von den Absicherungskosten an der Terminbörse abgeleitet - fixiere der Landwirt dabei einen Mindestpreis, profitiere dann aber gleichzeitig in vollem Umfang von steigenden Börsenpreisen. Trotz der handfesten Vorzüge bei stark schwankenden Erzeugerpreisen beobachtet Striewe seit Jahren, dass Landwirte solcher Risikomanagementinstrumente immer weniger nutzen.
 

Frühzeitig Dünger kaufen und gleichzeitig Getreide verkaufen

Laut Striewe ist die Rechnung relativ einfach. Bei Preisen von 580 Euro/t für Kalkammonsalpeter (KAS) und sehr hohen Preisen für Phosphat und Kali erhöhen sich die Düngekosten gegenüber Normaljahren um 250 Euro/ha bis 300 Euro/ha. Bei einem Ertrag von 8 t/ha ist das ein Mehrerlös von um die 35 Euro/t, der benötigt wird, um die höheren Düngerpreise auszugleichen.

Das Preisniveau für Getreide für die neue Ernte liege um 50 Euro/t bis 70 Euro/t über dem Schnitt der letzten fünf Jahre, so der BAT-Handelsexperte. Deshalb sollten Landwirte überlegen, den Düngereinkauf mit dem Verkauf von Getreide zu verknüpfen, um mit einem blauen Auge davon zu kommen. „Wenn der Dünger früh gekauft wurde und Getreide jetzt zu Spitzenpreisen vermarktet wird, kann das Jahr sogar ein gutes werden, wenn Wetterkapriolen ausbleiben“, so Striewe.

DBV-Experte sieht Luft nach oben

Auch Johann Meierhöfer vom Deutschen Bauernverband (DBV) sieht bei den Ackerbauern noch „Luft nach oben“, was das Risikomanagement angeht. „Auf guten Böden machen Vorkontrakte für 2022 und selbst für 2023 Sinn, da auch bei anhaltend hohen Düngerpreisen eine auskömmliche Marge abgesichert werden kann“, so der DBV-Referatsleiter Ackerbau.

Meierhöfer hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass viele Landwirte nach wie vor erst dann in die Vermarktung einsteigen, wenn die Ernte bereits eingebracht ist. Dann könne man jedoch durch den Erntedruck mit dem Verkauf leicht in ein Preistal rutschen. Ackerbauern sollten sich deshalb schon bei der Planung der Fruchtfolge aktiv mit der Vermarktung befassen, rät der Fachmann.

Mehr Importe von Hochproteinweizen nötig

Ein Umdenken mahnt Meierhöfer auch hinsichtlich der Backeignung schwächerer Weizenqualitäten an. Mit der novellierten Düngeverordnung werde es künftig verstärkt darauf ankommen, den Abnehmern klarzumachen, „dass sie beim Backen auch mit einem 12,5er-Weizen gut klarkommen“, betont der DBV-Ackerbauexperte. E-Weizen aus deutschem Anbau sei schon heute ein knappes Gut. „Ich würde mir deshalb wünschen, dass wir von diesem ‚Halbgott Protein‘ irgendwann einmal wegkommen“, so Meierhöfer. Wenn der Weizenanbau am Ende mit weniger Stickstoff auskomme, sei das nicht nur für die Umwelt gut, sondern auch für den Geldbeutel des Landwirts.

Striewe berichtet dazu, dass vor allem große Mühlen nach wie vor standardisierte Weizenqualitäten mit messbaren Kriterien nachfragten. Das sei nun mal bisher der Proteingehalt, auch wenn er Verschiebungen hin zu anderen Qualitätsparametern beobachte. „Mit der novellierten Düngeverordnung werden wir Hochproteinweizen vermehrt importieren müssen, beispielsweise aus den USA und Kanada“, prognostiziert der Mitgeschäftsführer der BAT Agrar GmbH, die aus der Fusion der Beiselen Holding GmbH und der ATR Beteiligungsgesellschaft GmbH hervorgegangen ist. Dies sei eine Konsequenz, mit der die Politik nun leben müsse.

Mit Material von AgE
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