Weltmarkt

Getreidepreise springen wieder an

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aiz
am Montag, 31.05.2021 - 06:59

Chinas Mais- und Weizenhunger sowie der Monatsreport des Internationalen Getreiderates geben den Preisen Aufwind.

Wien - Der Hunger Chinas nach Mais aus den USA sowie nach Weizen für die Ankurbelung seiner Fleischproduktion, ein gegenüber dem Vormonat als bullish aufzufassender Monatsreport des Internationalen Getreiderates IGC zu den weltweiten Versorgungsbilanzen 2020/21 und 2021/22 sowie außenstehende Investoren, die nach der Abkühlung der Preise nun wieder Gewinnchancen an den Terminbörsen wittern oder Shortpositionen ausgleichen müssen, ließen am Donnerstag die Terminmärkte für Mais, Weizen und Ölsaaten in Chicago und Paris nach ihrer scharfen Korrektur nach unten wieder kräftig nach oben anspringen.

Insbesondere Mais konnte vorangegangene Verluste wieder mehr als wettmachen. Am heimischen Kassamarkt ist die zwischenzeitliche Abkühlung erst gar nicht angekommen. Laut Marktteilnehmern sei dies diesmal nicht der sonst üblichen Gemächlichkeit des Geschehens hierzulande geschuldet, sondern der Tatsache einer sehr knappen Versorgung mit den Restbeständen aus der Ernte 2020 bei gleichzeitig einer wegen des nasskalten Wetters um rund 14 Tage verspätet erwarteten Ernte 2021.

händeringende Suche nach Ware

So heißt es: Wer sich verschätzt habe und die Rohstoffversorgung bis zum Anschluss an die neue Ernte noch nicht sichergestellt habe, suche jetzt händeringend nach Ware. Und wer auf Abgeberseite noch auf den Resten der alten Ernte sitze, lasse sich diese jetzt vergolden. Dies spiegelt das Kursblatt der Wiener Produktenbörse vom Mittwoch dieser Woche wider: Premiumweizen alter Ernte hielt seine Notierung, Qualitätsweizen legte sogar noch weiter zu - ebenso auch Mahlweizen aus dem EU-Raum - und vor allem Futtergerste machte gegenüber der Letztnotierung von Ende April einen Sprung um 27,50 Euro/t nach oben.

Dementgegen werde Getreide neuer Ernte zurzeit zögerlicher gehandelt. Einerseits herrsche bei Produzenten eine gewisse Unsicherheit, welche Proteingehalte sich heuer beim Weizen einfahren ließen. Andererseits ließen das für den Mais günstige Wetter und der in den vergangenen Wochen verzeichnete internationale Trend die Preise neuer Ernte etwas abkühlen. Ebenso verbilligten sich im globalen Kontext Ölkuchen und Sojaschrote.

Kleinere Anfangsbestände und Mehrverbrauch

Der Internationale Getreiderat IGC nimmt in seinem am Donnerstag veröffentlichten Grain Market Report (GMR) für Mai die weltweite Ernteprognose für Getreide und Mais in der laufenden Saison 2020/21 zum Vormonat vor allem wegen der Ertragseinbrüche bei Mais in Brasilien um 6 Mio. t zurück. Zusammen mit einer - vor allem auf Rekordkäufe Chinas zurückzuführenden - nach oben revidierten Verbrauchserwartung ergeben sich daraus um fast 15 Mio. t kleinere Endbestände als vor einem Monat angenommen und der vierte globale Bestandsabbau in Folge. Mit den kleineren Anfangsbeständen und einem neuerlichen Verbrauchsanstieg um 60 Mio. t werden demnach im folgenden Wirtschaftsjahr 2021/22 trotz einer um 72 Mio. t auf den Rekord von 2.292 Mio. t anwachsenden Getreide- und Maisproduktion auf der Welt die Endlager weiter um 5 Mio. t auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren schrumpfen.

Dabei erhöht der IGC die Verbrauchsprognose gegenüber April um fast 11 Mio. t. Das Gros des nunmehr fünften Bestandsabbaus in Serie soll wiederum auf das Konto von Mais gehen. Jedoch schätzt der IGC für 2021/22 nunmehr auch die Weizenbilanz bei Weitem enger als vor einem Monat, da er bei einer unveränderten Ernteerwartung den Konsum um 5 Mio. t höher und die Anfangsbestände um 4 Mio. t kleiner prognostiziert. Die Weizenlager sollen demnach nur mehr um 3 Mio. t anstatt wie bisher geschätzten 13 Mio. t zulegen.

Die höheren Verbrauchsschätzungen machen die Londoner Experten vor allem in der Verfütterung von Mais und Weizen fest, wobei China wieder als eifriger Käufer am Weltmarkt auftreten soll, wenngleich auch nicht ganz so stark wie im laufenden Wirtschaftsjahr 2020/21. Damit solle auch der Getreidewelthandel kommende Saison den Rekord von heuer nicht wieder erreichen können.

Rekordernte kompensiert steigenden Bedarf nicht

2020/21 fährt die Welt zwar dank starker Erträge in den USA und in Brasilien eine zum Vorjahr um 7% größere und eine Rekord markierende Sojabohnenernte ein, geringere Anfangsbestände und ein Allzeithoch in der Nachfrage führen aber zum zweiten Bestandsabbau hintereinander. Vor allem die US-Sojareserven schmelzen dabei um 80%. Hohe Preise sollten die Produktion 2021/22 um weitere 6% auf einen neuen Rekord stimulieren. Dennoch sagt der IGC trotz eines ebenfalls wachsenden Sojabohnenkonsums kommendes Wirtschaftsjahr eine leichte Erholung der Sojabestände voraus. Die Reserven blieben aber bei den wichtigen Exporteuren eng.