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Ernte 2023

Getreideernte Australiens ist riesig

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Olaf Zinke
am Montag, 16.01.2023 - 11:53

Die australische Weizenproduktion sprengt alle Prognosen. Sie könnte auf einen neuen Rekordwert von 42 Millionen Tonnen steigen, sagten Händler und Analysten. Die letzten Schätzungen lagen bei 36,6 Millionen Tonnen – auch das war schon ein Rekord. Die Riesenernte überfordert jedoch die Exportlogistik und drückt mächtig auf die Preise.

Weizenertrag

Australien erntet derzeit eine neue rekordverdächtige Weizenernte für das Wirtschaftsjahr 2022-23, die in der ersten Januarwoche zu rund 80 % eingebracht war, berichtet das australische Agrarportal Fastmarkets Agriculture.

Vor allem im Westen Australiens fielen die Weizenerträge im Dezember offenbar deutlich besser als erwartet aus und trieben die bereits erwartete Rekordernte noch weiter nach oben. Dabei haben auch die übrigen Bundesstaaten gute Ergebnisse vorzuweisen, während New South Wales (NSW) als einziges Gebiet unterdurchschnittliche Erträge hat.

Insgesamt sind die Erträge jedoch besser als zuvor erwartet und die Ernte wird von verschiedenen Händlern und Analysten auf 40 bis 42 Millionen Tonnen geschätzt. Das Australian Bureau of Agricultural and Resource Economics and Science (ABARES) hat seine Prognose für die australische Weizenproduktion für das Wirtschaftsjahr 2022-23 (Oktober-September) im Dezember bereits auf ein neues Rekordhoch von 36,6 Millionen Tonnen angehoben, gegenüber 32,2 Millionen Tonnen in seiner vorherigen Schätzung.

Die Weizenernte wird voraussichtlich in Westaustralien am größten sein, gefolgt von New South Wales, sagte auch ABARES. „In New South Wales ist die Produktion rückläufig, da an einigen Regionen übermäßige Regenfälle die Ernte getroffen haben“, berichten Händler. Australiens Weizenanbaufläche 2022/23 wurde auf rund 13 Millionen Hektar geschätzt, was etwa der Vorjahresfläche entspricht.

Beim Weizen rechnen die meisten Analysten aufgrund der übermäßigen Regenfälle während der Erntesaison mit einer geringeren Menge in Premium-Qualität.

Händler und Analysten hatten die Weizenexporte in der neuen Saision bisher auf etwa 27 bis 28,5 Millionen Tonnen geschätzt, was ebefalls ein neuer Rekord wäre.

Logistikprobleme begrenzen den Export

Weizenertrag

Viele Analysten sind jedoch skeptisch hinsichtlich einer signifikanten Steigerung des Exportpotenzials, da die Logistikkette bereits in den letzten Jahren nahezu komplett ausgelastet war. Größere Investitionen und Entwicklungen müssen daher getätigt werden, um die Logistik zu verbessern, um das Exportpotenzial Australiens zu erhöhen, sagten australische Händler.

„Die Ernte läuft gut, aber den südlichen Regionen bleiben wahrscheinlich noch einige Wochen, um sie abzuschließen“, berichten australische Analysten und sagen auch, dass die Erntequalität rotz des Regens zuletzt „besser als ursprünglich erwartet“ gewesen ist, der Proteingehalt jedoch niedriger als gewöhnlich sei. Der Branchendienst Fastmarkets Agriculture berichtet, dass die australischen Weizenexporte bereits im Wirtschaftsjahr 2021/22 einen Rekordwert von 26  Millionen Tonnen erreicht hatten, wobei monatliche Rekoausfuhren von 2,8 Millionen Tonnen für Weizen und 4,2 Millionen Tonnen für alle landwirtschaftlichen Produkte (Getreide und Raps) zusammen gemeldet wurden.

Das bedeutet, dass die maximale Hafenkapazität des Landes insgesamt bei 50 Millionen Tonnen pro Jahr liegt. Getreidehändler investieren seit einiger Zeit in die Logistikkette, die den Weizenfluss innerhalb und außerhalb des Landes unterstützen soll, da dieses Jahr auch die Störanfälligkeit des Eisenbahnsystems gegenüber Extremwetter, insbesondere übermäßigem Regen, deutlich wurde. Weiter heißt es, dass die australische Regierung bisher wenig Interesse an Investitionen gezeigt hat.

Die Probleme der Logistikkette bleiben also bestehen, trotz des erheblichen Produktionsanstiegs in Australien in den letzten Jahren.