Mais- und Getreidemarkt

Getreide- und Ölsaatenrallye geht weiter

Maisernte
aiz
am Montag, 10.05.2021 - 17:11

Die Preiskurve zeigt weiter nach oben: Premiumweizen notiert 2021 über 2020. Ölmühlen bieten für neuerntigen Raps 500 Euro/t.

Wien - Die Rallye der Getreide- und Ölsaatenpreise geht weiter. Angezogen vom Mais legten diese Woche auch Weizen, Sojabohnen und Raps wieder zu. Die Wettermärkte konzentrieren sich auf die vom Wetterphänomen La Niña ausgelöste Dürre in Brasilien und den zu kalten Corn Belt in den USA.

An den Terminmärkten tummeln sich wie auch an den Aktienbörsen Investoren, die mit spekulativen Engagements Geld machen wollen. Etwas mehr Orientierung, ob die Kurshöchststände nur eine Blase oder doch nachhaltig sind, verspricht sich die Branche vom nächsten Monatsbericht (WASDE) des US-Landwirtschaftsministeriums USDA zu den weltweiten Versorgungsbilanzen. Darin soll das Washingtoner Ressort am kommenden Mittwoch seine erste Prognose für die kommende Saison 2021/22 veröffentlichen.

Maisvorräte schmelzen und Preise steigen

Private Prognoseinstitute stuften am Freitag der Vorwoche die Maisernte Brasiliens als Folge der Dürre gegenüber bisherige Annahmen um rund 8% auf 104,1 Mio. t zurück, wobei alleine die Schätzung für die bevorstehende zweite Maisernte des Landes in der Saison 2020/21 um etwa 10 Mio. t auf 70,7 Mio. t zurückgenommen wurde. Das AMA-Pendant FranceAgriMer senkte am Freitag die Bonitierung der französischen Winterweizenbestände die vierte Woche in Folge auf nunmehr 79% "sehr gut" oder "gut" ab. Das ist ein Minus von 2% zur Vorwoche und von 6% zum Stand vor 14 Tagen. Die russische Agrarberatung IKAR revidierte ebenfalls am Freitag die Prognose für die Weizenernte 2021 um 0,5 Mio. t auf 79 Mio. t nach unten.

Schon ohne diese Revision sagt etwa der Internationale Getreiderat IGC voraus, dass die weltweiten Maisvorräte im laufenden Wirtschaftsjahr 2020/21 neuerlich und auf ein Neunjahrestief abfallen werden. 2021/22 werde sich der Bestandsabbau weiter fortsetzen. Die globale Weizenversorgung ist dementgegen großzügiger und von Lageraufbau bestimmt. Allerdings muss Weizen immer stärker als alternative Proteinquelle in den Futterrationen herhalten und ersetzt zunehmend auch den teureren Mais in den Futtertrögen, sodass im Windschatten der Maishausse auch die Weizenpreise nach oben hin nachfahren.

In den USA läuft noch Frühjahrsbestellung

Mit Spannung blicken die internationalen Märkte weiters darauf, wie die Farmer in den USA im noch laufenden Frühjahrsanbau ihre Gunst im Match um Flächen zwischen Mais und Sojabohnen verteilen werden. Mittlerweile schrecken auf den physischen Märkten Importeure nicht nur mehr vor hohen Weizen- sondern zunehmend auch vor den hohen Maispreisen zurück. China stornierte diese Woche etwa eine Maislieferung von 140.000 t der Ernte 2020 aus den USA, und die Regierung in Peking kündigte an, die staatlichen Garantiepreise für Mais anheben zu wollen, um die Produktion des Reichs der Mitte zu stimulieren. China erhofft sich 2021 eine Steigerung seiner Maisproduktion im Jahresabstand um 4,3% auf 272 Mio. t, nachdem die Landwirte die Anbaufläche um 3,3% ausgedehnt haben. Die Sojaernte hingegen wird nach einer Flächeneinschränkung um 6,9% mit 18,4 Mio. t um 6,1% unter 2020 erwartet. Zum Vergleich: 100 Mio. t Sojabohnen muss China laut USDA 2020/21 importieren, um seinen Bedarf stillen zu können.

CBoT-Maiskurs durchstößt Schallmauer

Im April sei der FAO-Lebensmittelpreisindex, so die UN-Ernährungsorganisation am Donnerstag, den elften Monat in Folge gestiegen und hätte das höchste Niveau seit Mai 2014 erreicht. In Chicago durchstieß an der CBoT der Maiskontrakt zur Lieferung im Juli im Wochenverlauf die Schallmauer von 700 Ct/bu (275,58 USD/t oder knapp 230 Euro/t) auf den höchsten Stand seit März 2013.

Der Schlusskurs des am meisten gehandelten Weizenfutures an der Euronext in Paris zur Lieferung im September stieg vom vorigen Freitag bis Donnerstag dieser Woche um 11 Euro respektive 5,0% auf 230,25 Euro/t, der Dezember-Kontrakt um 9,75 Euro/t oder 4,5% auf 228,50 Euro/t. Der Juni-Maisfuture kletterte um 17 Euro oder 7,0% auf 258,25 Euro/t und der neuer Ernte mit Lieferung im November um 15,75 Euro beziehungsweise 7,7% auf 220,25 Euro/t. Raps, dessen vorderster Liefertermin schon die neue Ernte 2021 repräsentiert, schwang sich um 36,50 Euro oder 7,2% auf 540,50 Euro/t in die Höhe. Preise von 500 Euro/t bieten am physischen Markt übrigens auch schon Ölmühlen im In- und umliegenden Ausland für Rapslieferungen im September.

Premiumweizen: 205 Euro für Qualitätsweizen absicherbar

Schließlich notierte am Mittwoch erstmalig Premiumweizen neuer Ernte 2021 zur Lieferung zwischen Juli und September - und zwar mit 215 Euro/t deutlich über den ersten Ex-Ernte-Preisen der vergangenen Ernte 2020, die im Zeitraum von Juli bis September des Vorjahres zwischen 181 und 188,50 Euro/t gelegen waren. Und, so Brancheninsider: Landwirte könnten, so ihnen zum Beispiel von Vermarktungseinrichtungen Preisableitungen mit Abschlägen von 25 Euro/t von den Dezember-Weizennotierungen an der Euronext angeboten werden, für Qualitätsweizen der neuen Ernte 2021 bei aktuellen Euronext-Kursen wie 230,25 Euro/t am Freitagmittag schon Erzeuger-Nettopreise von gut 205 Euro/t absichern.

Ölmühlen bieten 500 Euro für Raps neuer Ernte

Ebenso wie beim Brotgetreide neigt sich hierzulande auch das Angebot an Futtergetreide dem Ende zu, und es spielt sich etwa am Maismarkt Ähnliches ab wie beim Roggen - zusätzlich noch befeuert von der internationalen Rallye. Bemerkenswerte Höhen von 500 Euro/t erreicht mittlerweile auch Raps neuer Ernte für Liefertermine im September, wohingegen Sonnenblumen weiterhin stagnieren.