Kommentar

Wie gemacht für Spekulanten

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Wolfgang Piller
am Donnerstag, 30.08.2018 - 10:25

Der Getreidemarkt hat einen tiefen Atemzug genommen und sich dabei etwas zurückgelehnt. Doch was heißt das: Trendwende oder nur eine Delle?

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Dieses Jahr scheint wie gemacht für die Spekulanten dieser Welt. Die Ausgangslage: Eine Ernte, die aufgrund der überregionalen und extremen Dürre wenig Getreide in die Lager spült; vielleicht zu wenig? Dazu gibt es mit China ein Land voller gefüllter Lager, oder sind sie gar nicht so voll? Letztes Jahr rissen die Getreideexporte aus Russland überhaupt nicht ab, aber kann sich das wiederholen? Dazu kommt ein Auf-und-Ab-Kurs bei den Getreidepreisen. Erst tat sich lange wenig, dann schnellten die Preise auf ein Niveau, das es seit Jahren nicht mehr gab, nur um jetzt wieder deutlich nachzugeben. Ja, was denn jetzt? Diese Antwort würde jeder gerne kennen – doch keiner kann sie geben.

Aber jedermann kann sich informieren und sich ein Bild machen, was in der näheren Zukunft zu erwarten sein dürfte. Allerdings kostet das Mühe. Es gilt letztlich Erntemengen und Lagervorräte zu addieren und den Verbrauch abzuziehen. Und das von allen wichtigen Anbaugebieten. Genau diese Informationen liefert unser Autor Reimer Mohr in regelmäßigen Artikeln. Doch letztlich ist damit erst die Lage am Weltmarkt skizziert. Wie aber ist die Versorgungslage der Verarbeiter vor Ort? Hier hilft oft der gute Kontakt zu den Landhändlern oder zu den Verarbeitern selbst; vielleicht auch zu Kollegen oder zu den Vorsitzenden der Erzeugergemeinschaft.

Als letztes muss jeder eine eigene Einschätzung treffen, wie er glaubt, dass die Preise sich entwickeln. Und davon ableiten, welchen Preis er erzielen will. Ein Tipp: Wer den Maximalpreis der Saison anstrebt, wird unzufrieden zurück bleiben. Lieber ein paar Abstriche machen und dafür rechtzeitig verkaufen, wenn die Preise nicht schon wieder sinken/abstürzen. Noch ein Tipp: Wer mit allzu viel Menge (gar mit der gesamten Ernte) auf steigende Preise setzt, ist kein Spekulant, sondern ein Hasardeur.