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Versorgungslage

Futtermittel: Ukrainekrieg verändert Warenströme

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 06.04.2022 - 17:31

Die Futtermittelhersteller sehen den Markt nach wie vor ausreichend versorgt. Dennoch ergeben sich Auswirkungen für Deutschland.

Gentechnikfreier Mais

Der globale Wettbewerb um die knappen Ressourcen der Agrarrohwaren hat deutlich zugenommen. „Es ist offensichtlich, dass mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine die Schwarzmeerregion auf unbestimmte Zeit als Lieferant für die europäische Futterwirtschaft ausfällt. Reduzierte Saat, reduzierter Betriebsmitteleinsatz sowie reduzierte oder gar keine Ernten bestimmen die zur Verfügung stehenden Mengen“, sagte Jan Lahde, Präsident Deutscher Verband Tiernahrung e.V. (DVT), anlässlich der digitalen Jahrespressekonferenz des DVT am Mittwoch (6.4.). „Jetzt sind für uns hier in Deutschland die effiziente Flächennutzung und die optimale Futterverwertung Gebote der Stunde.“

Über die Rohstoffmärkte sieht der DVT-Präsident den deutschen Futtermittelmarkt weiterhin gut versorgt. Klar sei aber, dass sich Warenströme durch Abhängigkeiten von der Ukraine und Russland insbesondere in Südeuropa und Nordafrika verschieben. „Hier entsteht jetzt ein Sog, der nicht ohne Auswirkungen für uns in Deutschland bleiben wird. Wir stellen uns auf diese veränderten Rohstoffverfügbarkeiten und Warenströme ein“, so Lahde.

Selbstversorgung bei Eiweißfuttermitteln liegt nur bei 30 %

Bei Eiweißfutter, wie beispielsweise Rapsschrot, ist Deutschland mit einem Selbstversorgungsgrad von nur etwa 30 Prozent zwingend auf Importe angewiesen. Durch den Ausfall der Ukraine als wichtiger Lieferant „gentechnikfreier“ Rohstoffe müssen alternativ erhebliche Maismengen gesichert werden.

Insgesamt lässt sich der Bedarf durch Importe aus Nord- und Südamerika trotz deutlich steigender Preise decken. „Hier dominieren allerdings gentechnisch veränderte Sorten den Anbau. Dadurch verengt sich die Verfügbarkeit „gentechnikfreier“ Rohstoffe für den deutschen Futtermittelmarkt. Die Aufrechterhaltung der Versorgung des breiten Marktes mit „gentechnikfreier“ Ware ist deswegen aus heutiger Sicht längerfristig nicht realistisch“, sagt Jan Lahde.

Futtermittelhersteller wollen "Vorfahrt für Futtermittel"

LAuf VDT bleibt außerdem weiterhin eine Aufgabe, die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Futtermittel und deren Rohstoffe systemrelevant sind und deshalb entsprechende „Green Lanes“ an den Grenzen, auf Bahnhöfen und in Häfen erforderlich sind. Lahde: „Wir vermissen hier im politischen Handeln gelegentlich die entsprechende Konsequenz und Beharrlichkeit für die Sicherung der Warenströme.“

Ein wichtiger Schlüssel sei die EU-Kommission, die als Folge der Erkenntnisse aus der Corona-Pandemie eine Task Force eingesetzt hat, um Lehren aus den Ereignissen der Corona-Pandemie zu ziehen und damit auch die ungestörte Versorgung zu unterstützen. „Wir sehen ja, welche Auswirkungen die Engpässe haben können, angefangen von Spekulationen, dann Preistreibereien und schließlich Hamsterkäufen, die wir selbst innerhalb der Landwirtschaft nicht ausschließen können.“