Fleischwirtschaft

Fleischerzeugung sinkt zum vierten Mal in Folge

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 08.02.2021 - 09:13

Deutschlands Schlachtunternehmen erzeugen immer weniger Rind- und Schweinefleisch. Das liegt auch an den schrumpfenden Tierbeständen.

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Die gewerblich erzeugte Fleischmenge in Deutschland ist 2020 das vierte Jahr in Folge gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am vergangenen Freitag (5.2.) auf Grundlage vorläufiger Daten mitteilte, haben die deutschen Schlachtunternehmen im vergangenen Jahr 7,82 Mio. t Fleisch produziert. Das waren 126.400 t oder 1,6 % weniger als 2019. Geringer war das Fleischaufkommen zuletzt 2009 mit 7,74 Mio. t ausgefallen.

Der Höhepunkt der gewerblichen Fleischproduktion wurde 2016 mit 8,28 Mio. t erreicht. Seither ist die Erzeugung um insgesamt 5,5 % gesunken. Spürbar abwärts ging es im vergangenen Jahr erneut mit der Schweinefleischerzeugung: Die Zahl der gewerblich zerlegten Tiere sank im Vergleich zu 2019 um rund 1,92 Millionen oder 3,5 % auf 53,21 Millionen Stück. Dies war das geringste Niveau seit 2007.

Weniger Schweine aus Deutschland

Dabei nahm das Aufkommen an Schlachtschweinen aus heimischen Ställen um 882.100 Tiere oder 1,7 % auf 50,99 Millionen Stück ab. Die Zahl der hierzulande geschlachteten Schweine aus dem Ausland verringerte sich um 1,04 Millionen oder 31,3 % auf 2,28 Millionen Stück. Insbesondere zum geringeren Auslandsaufkommen trugen auch die coronabedingten Kapazitätsausfälle in mehreren Großschlachthöfen bei, da weniger Schweine und Sauen aus den Nachbarstaaten hier geschlachtet und zerlegt werden konnten. Geringere Kapazitäten führten zudem zu einer verzögerten Schweineanlieferung, in deren Folge das durchschnittliche Schlachtgewicht um gut 1 kg auf 95,87 kg pro Tier stieg.

Dies milderte das geringere Aufkommen etwas ab. Die Schweinefleischerzeugung ging deshalb „nur“ um 2,4 % auf 5,10 Mio. t zurück. Zuletzt war dieses Niveau 2008 unterboten worden. Die meisten Schweine kamen 2020 mit 17,70 Millionen Stück in Niedersachsen an die Haken; der Rückgang gegenüber dem Vorjahr war mit 1,1 % unterdurchschnittlich. In Nordrhein-Westfalen schlugen die Corona-Probleme, wie bei Tönnies, deutlicher zu Buche. Dort verringerte sich das Schlachtaufkommen um fast 1,37 Millionen Tiere oder 7,4 % auf 16,98 Millionen Stück. Damit ging Nordrhein-Westfalens Führungsposition in Deutschland an Niedersachsen verloren.

Über vier Prozet weniger Rinderschlachtungen

Die gewerblichen Schlacht- und Zerlegebetriebe bekamen 2020 auch deutlich weniger Rinder angeliefert. Nach Angaben der Wiesbadener Statistiker ging das betreffende Schlachtaufkommen im Vergleich zum Vorjahr um 141.500 Tiere oder 4,2 % auf 3,24 Millionen Stück zurück.

Mitverantwortlich dafür war das geringere Angebot an Schlachtkühen, das mit 1,01 Millionen Tieren um 7,1 % unter dem Niveau von 2019 blieb. Im Zuge des Strukturwandels werden in Deutschland jährlich immer weniger Kühe gehalten und anschließend ins Schlachthaus geliefert. Schwächer als 2019 fielen im vorigen Jahr aber auch die Schlachtzahlen von Färsen, Kälbern sowie Bullen und Ochsen aus. Dabei nahm das Angebot an männlichem Schlachtvieh mit 1,4 % auf 1,26Millionen Stück am geringsten abnahm. Wie bei den Schweinen erhöhten sich auch die Schlachtgewichte bei den Rindern. Deshalb ging die gewerbliche Rindfleischerzeugung nur um 2,8 % auf 1,08 Mio. t zurück.

Rekord bei Geflügelfleisch

Fortgesetzt hat sich hingegen 2020 der langfristige Wachstumstrend in der deutschen Geflügelerzeugung. Laut Destatis ist die gewerbliche Geflügelfleischproduktion gegenüber 2019 um 29.800 t oder 1,9 % auf die Rekordmarke von 1,61 Mio. t gestiegen. Treiber der Entwicklung war dabei die Hähnchenmast mit einer Erhöhung der Fleischerzeugung um 2,9 % auf fast 1,07 Mio. t.

Bei den Puten fiel der Anstieg mit 1,3 % auf 476.800 t etwas verhaltener aus. Die in den Schlachtbetrieben erzeugte Menge an Entenfleisch ging dagegen kräftig zurück, nämlich um 23,4 % auf 26. 500 t.

Zugenommen hat im Vergleich zum Vorjahr auch das Schlachtviehangebot von Schafen und Lämmern, und zwar um 5,5 % auf 1,18 Millionen Tiere. Die dazugehörige gewerbliche Erzeugung von Schaffleisch legte um 5,1 % auf 24.200 t zu.

Mit Material von AgE
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