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Agrarprodukte

Erzeugerpreise jagen einen Höchstwert nach dem anderen

Erzeugerpreise
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 14.06.2022 - 10:03

Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte waren im April 2022 um 39,9 % höher als im April 2021. Dies ist der höchste Preisanstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1961.

Im März 2022 hatte die Veränderungsrate +34,7 % betragen, auch dies war bereits ein Rekordanstieg. Im Vormonatsvergleich stiegen die Preise um 5,6 %. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, erhöhten sich sowohl die Preise für pflanzliche (+45,7 %) als auch für tierische Erzeugnisse (+35,8 %) deutlich gegenüber dem Vorjahresmonat.

Der Preisanstieg bei den pflanzlichen Produkten ist unter anderem auf die seit Juli 2020 steigenden Getreidepreise zurückzuführen. Diese lagen im April 2022 um 77,6 % über dem Vorjahresmonat und damit noch etwas höher als im März 2022 mit 70,2 %. Ausschlaggebend für die enorme Preissteigerung bei Getreide ist noch immer die Verknappung des Angebots infolge des Kriegs in der Ukraine.

Preise für Obst gesunken, für Gemüse gestiegen

Die Erzeugerpreise für Obst waren im April 2022 um 14,9 % niedriger als noch vor einem Jahr.

Der frühe flächendeckende Saisonstart bei Erdbeeren ging mit einem Preisrückgang von 24,0 % im Vergleich zum Vorjahresmonat einher. Der Preisrückgang ist unter anderem durch den guten Ernteertrag aufgrund des Wetters und das dadurch große Angebot begründet. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Erdbeeren in diesem Jahr niedrig.

Beim Gemüse (+1,1 %) stiegen insbesondere die Preise für Gurken (+53,6 %) und Spargel (+32,6 %), deren Saison im April anlief. Beim Spargel sorgte das zu Saisonbeginn knappe Angebot in Verbindung mit hohen Produktionskosten für den Preisanstieg, bei den Gurken vor allem die steigenden Energiekosten für die Beheizung und Belichtung der Gewächshäuser.

Kartoffeln und Raps ziehen deutlich an

Bei Speisekartoffeln hielt der Preisanstieg der vergangenen Monate weiter an: Sie verteuerten sich im April 2022 im Vergleich zum April 2021 um 106,2 %. Im März 2022 hatte die Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat bereits +91,7 % betragen. Der Preisanstieg im April ist weiterhin vor allem auf witterungsbedingt geringe Erntemengen und ein relativ niedriges Preisniveau im April 2021 zurückzuführen (Basiseffekt). Damals gab es aufgrund von großen Erntemengen und der fehlenden Nachfrage der Gastronomie durch Corona einen Preisrückgang im Vorjahresvergleich von 54,5 %.

Die Preise für das Handelsgewächs Raps verteuerten sich im April 2022 um 77,1 % im Vergleich zu April 2021. Damit setzte sich auch hier der Trend der vergangenen Monate fort. Im März 2022 waren die Preise bereits um 70,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Die weiterhin hohen Preise liegen hier vor allem an der knappen Versorgungslage bei gleichzeitig hoher Nachfrage, beispielsweise für Herstellung von Biogas oder die Verwendung von Raps als Treibstoff (Biodiesel).

Preise für tierische Erzeugnisse um 35,8 % gestiegen, für Milch um 37,0 %

Die Preise für tierische Erzeugnisse lagen im April 2022 um 35,8 % über den Preisen von April 2021. Im März 2022 hatte der Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits 29,5 % betragen. Der Milchpreis lag im April 2022 um 37,0 % über dem Vorjahresmonat; im März 2022 waren es +33,3 % im Vorjahresvergleich.

Die Preise für Eier sind im April 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18,0 % gestiegen, was unter anderem an den gestiegenen Energie-, Transport- und Verpackungskosten sowie einer verringerten Anzahl an Junghennen aufgrund der Geflügelpest liegt.

Die Preise für Tiere verteuerten sich im April 2022 um 36,3 % gegenüber April 2021. Im März 2022 hatte die Preissteigerung +28,6 % betragen.

Die Preise für Rinder lagen im April 2022 um 48,5 % , die der Schlachtschweine um 32,8 % über denen des Vorjahresmonats.

Die Preise für Geflügel stiegen im April 2022 um 27,0 % gegenüber April 2021. Ausschlaggebend hierfür ist der Preisanstieg bei Hähnchen (+35,9 %).

Steigende Kosten machen höhere Preise zunichte

Die weiterhin hohen Preise liegen hier unter anderem an den steigenden Energiekosten und Futtermittelpreisen, welche durch den Krieg in der Ukraine noch einmal verstärkt wurden. Sie haben sich noch deutlich stärker erhöht als die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise.