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Kommentar

Ernte und Wetter in Bayern: Im Flussbett kegeln

maehdrescher
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Donnerstag, 14.07.2022 - 10:08

Das Wetter wird immer extremer. Darunter leidet besonders der Norden Bayerns, wie es die Erntefahrt letzte Woche zeigte. Ein Kommentar von Markt-Redakteur Rainer Königer.

Als der Getreidepräsident des BBV, Hermann Greif, vergangene Woche zur Erntepressefahrt in den Landkreis Erding kam, meinte er: „Grüne Wiesen, das kennen wir in Franken gar nicht mehr.“ Nordbayern ist wieder einmal Opfer der Trockenheit geworden. Agrarministerin Michaela Kaniber rechnet mit einer ähnlichen Dürre in Nordbayern wie 2018.

Duerremonitoring

Ganz anders wird einem, wenn man den UFZ-Dürremonitor des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung genauer unter die Lupe nimmt. Der Dürremonitor für den Gesamtboden ist knallrot. Hellgelbe Stellen als positive Ausnahme (ungewöhnlich trocken) muss man auf der Deutschlandkarte schon suchen. Freundlicher sieht die Karte für pflanzenverfügbares Wasser (bis 25 cm) aus. Beim genaueren Hinsehen wird aber schnell klar: Pflanzenverfügbares Wasser gibt es in Bayern nur noch in den Alpen und dem Voralpenland sowie im Bayerischen Wald. Und das war es dann schon so ziemlich für das gesamte Bundesgebiet.

Rutschen wir in eine Dürrekrise? Das ist natürlich schwer zu sagen. Denn Wetter ist nicht gleich Klima, würden wohl einige Forscher sagen.

Auf der Skala der Niederschlagsmengen seit 1881 sieht man immer wieder extreme Ausschläge. Das beruhigt auf den ersten Blick. Doch was bringen Niederschläge, die in der Statistik als jede Menge Wasser auftauchen, gleichzeitig aber als Starkregen ganze Landstriche mit sich spülen? Ein richtig schöner Landregen wie früher? Das gehört wohl zur guten alten Zeit.

Das Wetter wird immer extremer. Und die Einschläge kommen immer näher – siehe die Katastrophe im Ahrtal. Wo einst die Lebensader Po-Ebene in Norditalien war, können sie heute im Flussbett kegeln. Spätestens wenn das Wetter zum Klima wird, haben wir verloren. Die Übergänge sind fließend, auch ohne Wasser.

Erntepressefahrt

„Wir Bauern wollen Menschen ernähren“, stellte auch Hermann Greif vom BBV bei der Erntepressefahrt Anfang Juli in Erding klar. Die Stilllegungen würden dazu führen, „dass wir dort über Jahre Unkraut züchten.“ Greif weiter: „Es ist kein Fluch, Weizen zu exportieren, es ist ein Segen.“

Mehr zur Erntefahrt in unserem nachfolgenden Bericht.