Eiweißlücke in Deutschland

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Sandra Schwägerl
am Mittwoch, 03.07.2019 - 10:40

26 Prozent des Futtermitteleiweißes müssen importiert werden.

Auf eine aktuelle kleine parlamentarische Anfrage hin durfte die Bundesregierung zur Eiweißlücke in Deutschland, Sojaimporten und zum aktuellen Anbau und Einsatz von heimischen Eiweißfutterpflanzen Stellung beziehen. Die Bundesregierung sieht die Bedeutung des Anbaus heimischer Eiweißpflanzen. Dennoch wurde in der Stellungnahme eingeräumt, dass über die letzten 10 Jahre der Anteil des Nettoimports von Futtermitteleiweiß bei 26 % konstant hoch blieb.Das Ziel der bundesweiten Eiweißstrategie, den Import an Futtermitteleiweiß zu reduzieren, konnte nicht ansatzweise erreicht werden.


Der Bundesfachverband der landwirtschaftlichen Trocknungswerke Deutschland (BLTD e.V.) fordert weitere Maßnahmen, wie einen Ausbau von Dauergrünlandbewirtschaftung und einen verstärkten Anbau von kleinkörnigen Leguminosen. Im Jahr 2018 lag der Bedarf an Futtermitteleiweiß in Deutschland bei 8,73 Mio. t (verdauliches Eiweiß). Rund drei Viertel des benötigten Futtermitteileiweiß wird im Inland erzeugt. Der mit Abstand größte heimische Eiweißlieferant ist Dauergrünland. Gras, Grassilage, Heu und Trockengrün stellen mit einem Anteil von über einem Viertel die meisten Eiweißmengen für den Futtermittelbedarf in Deutschland zur Verfügung.


Die Bundesregierung gibt in der Antwort der parlamentarischen Anfrage zu, dass der Anteil an importiertem Futtermitteleiweiß annähernd gleich hoch geblieben ist. Folglich hat Deutschland seit Jahren eine große Eiweißlücke von über 2,2 Mio. t Futtermitteleiweiß, die jährlich durch Importe gedeckt werden müssen. Hauptsächlich werden hierfür große Mengen an Soja aus Übersee nach Deutschland importiert. Das Ziel der bundesweiten Eiweißstrategie, die Steigerung der Eiweißversorgung aus heimischer Produktion, wurde gänzlich verfehlt.


Im Jahr 2018 lag in Deutschland die Importmengen von Soja/Sojaschrot, Sojakuchen und -öl bei knapp 4,2 Mio. t. Diese  Mengen würden einer Anbaufläche mit Soja von 1,289 Mio. ha entsprechen. D. h., dass für den deutschen Importbedarf an Soja rund 1,3 Mio. ha wertvolles Ackerland in Drittländern (hauptsächlich in den USA und in Brasilien), teils unter fragwürdigen Anbaumethoden, aufgewendet werden müssen.

 

Ackerflächen

Um die Eiweißlücke in Deutschland schließen zu können, braucht es größere Ackerflächen in ähnlichen Dimensionen. Bisher werden Leguminosen in Deutschland jedoch nur auf 475 000 ha angepflanzt, was einem Anteil von nur 2,8 % der landwirtschaftlichen Ackerfläche entspricht.
Es müsste deutlich über 1 Mio. ha Ackerfläche aufgewendet werden, um den Importanteil an Futtermitteleiweiß durch heimische Eiweißproduktion ersetzen zu können.

Folglich müssten 7,9 % der deutschen Ackerfläche mit Leguminosen angebaut werden. Das käme fast einer Verdreifachung des bisherigen Leguminosenanbaus gleich.

Große Potenziale

Der Bundesfachverband landwirtschaftlicher Trocknungswerke Deutschland e.V. (BLTD) fordert deshalb, dass auch weiterhin eine Bewirtschaftung von Dauergrünland mit effizienten Konservierungs- und Verwertungsalternativen ausgebaut werden müssen. Sowie ein verstärkter Anbau kleinkörniger Leguminosen als heimische Eiweißpflanzen, insbesondere Klee und Luzerne, können einen großen Teil zur Schließung der Eiweißlücke beitragen.


„Wenn die Bundesregierung Ihre Ziele erreichen und die Eiweißlücke weiter reduzieren will, so müssen die heimischen Eiweißpflanzen weiterhin gefördert werden. Dauergrünland als der größte Lieferant heimischen Eiweiß stellt jetzt schon den größten Anteil und muss so auch künftig weiterhin eine große Bedeutung zukommen. Ebenfalls muss der Anbau von Klee und Luzerne stärker forciert werden. Dies funktioniere jedoch nur mit besseren förderpolitischen Maßnahmen“, so BLTD-Vorstandssprecher Anton Eller.


Die höchsten Eiweißerträge pro Fläche erreichen laut Untersuchungen der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Grünland in Form von klassischen Wiesen. Dort können Erträge von über 1600 kg/ha Rohprotein erzielt werden. Aber auch durch den Anbau von Luzerne kann vom Acker mit über 1000 kg/ha Rohprotein deutlich mehr Eiweiß generiert werden, wie der heimische Sojaanbau.

Um die Ziele der Eiweißstrategie der Bundesregierung zu erreichen, müssten die Potenziale heimischer Eiweißpflanzen noch besser genutzt werden.
„Zwar ist die Eiweißstrategie der Bundesregierung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch es müssen von der Politik weitere Unterstützungsmaßnahmen zum Ausbau heimischer Eiweißpflanzen erfolgen, um die Zielerreichung der Eiweißstrategie nicht zu gefährden. Ansonsten werden wir auch noch die nächsten 10 Jahren eine Eiweißlücke von 26 % haben“, gibt Eller zu bedenken.

Mit Material von Bundesfachverband landwirtschaftlicher Trocknungen Deutschland e. V.