Wirtschaftskrise

Düstere Wirtschaftsprognose durch Corona

Rezession
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Dienstag, 07.07.2020 - 15:42

Die Corona-Pandemie trifft Europas Beschäftigte und Unternehmen härter als erwartet. Die am 7. Juni vorgestellten Sommerprognose der EU-Kommission geht von einer stärkeren Rezession aus.

Die Wirtschaftsleistung in der EU insgesamt dürfte 2020 um 8,3 Prozent sinken und im kommenden Jahr um 5,8 Prozent wachsen. In ihrer Frühjahrsprognose hatte die Kommission für dieses Jahr noch einen Rückgang von 7,7 Prozent für das Euro-Währungsgebiet und einen Abschwung von 7,4 Prozent für die EU insgesamt erwartet.

Für Deutschland geht die EU-Kommission in diesem Jahr von einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 6,3 Prozent aus, im kommenden Jahr soll die Wirtschaft wieder um 5,3 Prozent wachsen. Ein „ambitioniertes Konjunkturpaket“ habe in Deutschland einen stärkeren Abschwung verhindert, lobte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni.

Valdis Dombrovskis, Exekutiv-Vizepräsident für eine Wirtschaft im Dienste der Menschen, erklärte: „Die wirtschaftlichen Folgen der Ausgangsbeschränkungen sind schwerwiegender als ursprünglich erwartet. Die bestehenden Gefahren, zu denen beispielsweise eine zweite Infektionswelle zählt, verhindern weiterhin, dass wir in friedlichen Gewässern segeln können." Dombrovskis geht deshalb davon aus, dass eine Einigung über das ehrgeiziges Aufbaupaket "NextGenerationEU" gebraucht werde, um die Wirtschaft zu stützen.

Wirtschaftliche Erholung n der zweiten Jahreshälfte

Die wirtschaftliche Erholung dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte 2020 verstärken. Die Pandemie hatte bereits im ersten Quartal 2020 beträchtliche wirtschaftliche Folgen, obgleich die meisten Mitgliedstaaten erst Mitte März mit der Einführung von Ausgangsbeschränkungen begonnen haben. Da im zweiten Quartal 2020 während eines weitaus längeren Zeitraums Wirtschaftstätigkeiten unterbrochen waren und Ausgangsbeschränkungen galten als im ersten Quartal, dürfte die Wirtschaftsleistung in diesem Quartal deutlich stärker zurückgegangen sein.

Erste Daten für Mai und Juni deuten jedoch darauf hin, dass das Schlimmste überstanden sein könnte. Es wird erwartet, dass die Erholung in der zweiten Jahreshälfte an Schwung gewinnt, aber unvollständig bleibt, und dass sich die Lage in den Mitgliedstaaten uneinheitlich darstellt. Der Schock für die EU-Wirtschaft ist insofern symmetrisch, als die Pandemie alle Mitgliedstaaten getroffen hat. Jedoch dürften – sowohl im Hinblick auf den Produktionsrückgang 2020 als auch auf die Erholung 2021 – große Unterschiede zutage treten. Diese Uneinheitlichkeit wird der Sommerprognose zufolge stärker ausgeprägt sein als noch im Frühjahr erwartet.

Inflationsaussichten unverändert

Die Inflationsaussichten sind seit der Frühjahrsprognose trotz bedeutender Veränderungen bei den für die Preisentwicklung maßgeblichen Kräften im Wesentlichen gleichgeblieben.

Zwar sind die Öl- und Lebensmittelpreise stärker gestiegen als erwartet, doch dürfte dieser Anstieg durch die schwächeren wirtschaftlichen Aussichten, Mehrwertsteuersenkungen und andere Maßnahmen in einigen Mitgliedstaaten ausgeglichen werden. Die Inflation im Euro-Währungsgebiet wird, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), nun auf 0,3 Prozent im Jahr 2020 und 1,1 Prozent im Jahr 2021 geschätzt. Für die EU wird eine Inflation von 0,6 Prozent im Jahr 2020 und 1,3 Prozent im Jahr 2021 prognostiziert.

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