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DRV-Ernteschätzung

Dürre zieht Maisernte runter

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 17.08.2022 - 18:38

Raiffeisenverband rechnet mit 600.000 t weniger Körnermais. Rapsernte hat sich verbessert.

Dürre-Mais

Wegen der anhaltenden Dürre wird es beim Körnermais zu massiven Ertragsausfällen geben. „Gegenwärtig rechnen wir mit Verlusten von knapp 600.000 Tonnen. Das sind rund 15 Prozent der ursprünglich prognostizierten Erntemenge“, erklärt der Getreidemarktexperte des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), Guido Seedler.

Aktuell geht der DRV-Experte von 3,6 Mio. t Körnermais aus. Das sind über 0,8 Mio. t weniger als im Vorjahr.

Maisernte könnte noch weiter sinken

Die damit verbundene Angebotsverknappung könnte sich aus seiner Sicht aber noch verschärfen. Aufgrund der Trockenheit wird die Silomaisernte der viehhaltenden Betriebe ebenfalls geringer ausfallen. Um die dadurch entstehenden Lücken in der Futterversorgung zu schließen, dürften zusätzliche Flächen als Silomais abgeerntet werden, die ursprünglich für die Körnermaisernte vorgesehen waren. Europaweit leidet der Mais ebenfalls unter der Trockenheit, lediglich in der Ukraine wurde die Ernteprognose angehoben.

Seedlers Fazit: „Wir müssen uns beim Mais auf eine sehr enge Marktversorgung einstellen. Dies stellt insbesondere die Futterwirtschaft vor Herausforderungen.“

Getreideernte bleibt knapp durchschnittlich

Über alle anderen Getreidearten hinweg hält der DRV seine Erwartungen an die Erntemengen weitgehend aufrecht. Der Verband geht derzeit von einer Getreideernte von 42,9 Mio.t aus. Dieser Wert liegt trotz der deutlichen Korrekturen beim Mais nur leicht unter dem des Vormonats. Grund dafür ist, dass das Statistische Bundesamt in seinen Anfang August vorgelegten Zahlen von einer etwas höheren Getreideanbaufläche ausgeht.

„Die Qualitäten stimmen insgesamt, allerdings sehen wir beim Weizen oftmals schwächere Proteinwerte als in den Vorjahren“, ergänzt Seedler.

Rapssaussaat verzögert sich wegen Trockenheit

Die Ernteprognose für Raps wurde aufgrund der guten Hektarerträge leicht auf vier Millionen Tonnen angehoben. Das sind fast 15 Prozent mehr als 2021.

Doch wegen der anhaltenden Trockenheit könnte die Rapsernte im kommenden Jahr wieder schwächer ausfallen. So startet die diesjährige Rapsaussaat wegen der fehlenden Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten mit Verzögerung. „Sollte es bis Mitte September nicht nennenswert regnen, ist mit einem Rückgang der Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen“, befürchtet Seedler.

Verspätet gesäter Raps könnte sich vor dem Winter nicht mehr ausreichend entwickeln, um auch tiefere Temperaturen zu überstehen. Ein Rückgang der Anbaufläche wäre für die Landwirtschaft nach Meinung des DRV ärgerlich, denn die aktuellen Rahmenbedingungen am Markt liefern gute Argumente für eine Ausdehnung.