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Betriebmittelpreise

Düngemittel: Antidumpingmaßnahme treibt Preise

Düngen
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 07.09.2021 - 10:54

Europäischer Bauernverband fordert die EU-Kommission auf, die Antidumpingmaßnahme zu “dumpen”.

Die Preise für Düngemittel, insbesondere für Stickstofflösungen (HAN), sind drastisch gestiegen. Diese Situation ist nach Einschätzung der europäischen Bauernorganisation Copa auf die weltweit steigende Nachfrage nach Düngemitteln und steigende Gas- und Seefrachtpreise sowie auf den unzureichenden Wettbewerb auf dem EU-Binnenmarkt zurückzuführen.

Die Hauptursache für den schwachen Wettbewerb auf dem Binnenmarkt sei die Einführung einer Antidumpingsteuer durch die Europäische Kommission im Jahr 2019 auf HAN-Einfuhren aus den wichtigsten Erzeugerländern. Die Maßnahme wurde 2019 infolge einer Beschwerde der EU-Düngemittelindustrie aus Gründen eingeführt, die heute nicht mehr von Belang seien, so die Copa. Die HAN-Preise in Europa haben sich seit 2017-18 – dem Zeitraum, der in der Entscheidung über die Antidumpingmaßnahme als Referenz herangezogen wurde – verdoppelt.

Künstliche Marktverknappung

"Die Landwirte zahlen nun jährlich über 210 Millionen Euro für eine Steuer, die die Taschen der EU-Düngemittelhersteller füllt, die diese zusätzlichen Einnahmen nicht brauchen, um hohe Gewinne zu erzielen", beschwert sich die Copa. Dieses unnötige Importhemmnis führe zu geringem Wettbewerb und Produktknappheit, was es den EU-Lieferanten ermöglichte in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu spekulieren. Daher seien nicht nur die Preise in die Höhe geschossen, sondern es gebe auch eine geringe Produktverfügbarkeit auf dem Markt.

Aufgrund dieser Situation hat Copa im April 2021 einen Antrag auf Aussetzung gestellt, um die Aufhebung dieser Maßnahme zu erreichen. Die Kommission ist noch immer damit befasst, den Antrag zu prüfen.

#DumpTheAntidumping lanciert

Die Copa lehnt Antidumpingmaßnahmen nicht grundsätzlich ab, insofern sie gerechtfertigt seien und korrekt angewendet würden. Dies sei bei HAN jedoch nicht der Fall. Angesichts dieser Situation haben Landwirte in den sozialen Medien den Hashtag #DumpTheAntidumping lanciert, um die Europäische Kommission zur Wiederaufnahme der Überprüfung aufzufordern. Dies sei die einzige Lösung, um dieser Antidumpingsteuer ein Ende zu bereiten. Die Erfahrungsberichte sind persönlich und sollen die Bedeutung dieser komplexen, aber für das wirtschaftliche Gleichgewicht vieler landwirtschaftlicher Betriebe in der EU notwendigen Debatte verdeutlichen.