Ernteeinschätzung

Drastische Einschnitte in globaler Weizenbilanz

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aiz
am Dienstag, 17.08.2021 - 13:20

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA nahm in dem am vorigen Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht WASDE (World Agricultural Supply and Demand Estimates) zu den globalen Versorgungsbilanzen drastische, über die Erwartungen der Märkte ausgefallene Einschnitte insbesondere in die Weizenbilanz 2021/22 vor.

Die Erwartungen drehen von leicht positiv in der Juli-Prognose auf nunmehr deutlich negativ. Auch die gesamte Getreideversorgungsbilanz - also Weizen, Futtergetreide und Mais - setzt das Washingtoner Agrarressort nicht mehr wie im Juli leicht positiv, sondern nunmehr um 18,54 t enger mit einem Lagerabbau von 17,11 Mio. t negativ an.

Demnach senkt der aktuelle WASDE gegenüber dem Vormonat die Schätzung der weltweiten Weizenernte 2021/22 um 15,45 Mio. t und die der Endlager um 12,62 Mio. t. Daraus resultiert nun statt des noch im Juli prognostizierten Lageraufbaus um 1,50 Mio. t ein Bestandsabbau von 9,77 Mio. t. Russlands Weizenernte nimmt das USDA im Monatsabstand um 12,5 Mio. t auf 72,5 Mio. t zurück, die des dürregeplagten Kanadas um 7,5 Mio. t auf 24,0 Mio. t und die der USA - vornehmlich wegen der Ausfälle beim im Qualitätsweizenbereich angesiedelten Hard Red Winter - um 1,34 Mio. t auf 46,18 Mio. t zurück. Die Ernteausfälle bei den hochproteinhaltigen US-Sommerweizen rechnete das USDA schon im Vormonat in die Bilanzen ein.

Russland gibt alleinige Nummer eins bei Weizenexporten ab

Russland soll die alleinige Nummer eins bei den Weizenexporten verlieren und nur mehr 35 Mio. t ausführen können. Dies ist genauso viel wie der Report nun in der um 1 Mio. t angehobenen Exportprognose der EU ausweist - hier allerdings mit dem Fragezeichen der schlechten Weizenqualität der größten Exportnation Frankreich. Kanadas Weizenlieferungen auf den Weltmarkt werden um 5,5 Mio. t kleiner bei 17,50 Mio. t gesehen, während der Ukraine dank besserer Ernteaussichten nun mit 23,5 Mio. t um 2,5 Mio. t mehr zur Verfügung stehen.

Damit konzentrieren sich 8,27 Mio. t der Reduktion der Endlagerschätzung des Weizens weltweit auf die großen Exportnationen Russland, EU, USA, Kanada, Ukraine, Argentinien und Kasachstan auf enge 12,82% Endlageranteil an ihrem Eigenverbrauch und Export. Besonders eng stellt sich die Weizenbilanz der EU mit einem Lageranteil von 8,82% am Eigenverbrauch und von gar nur 6,67% an Eigenverbrauch und Ausfuhren dar. Weltweit liegt diese Ratio von stock to use bei immer noch komfortablen 35,47%. Dies täuscht aber: Denn während die Weizenreserven der wichtigen Versorger des Weltmarktes im Sinken begriffen seien, setzt der WASDE-Report die von China zum Vormonat praktisch unverändert an. Damit steigt Chinas Anteil an den gesunkenen globalen Weizenlagern im Monatsabstand sogar von zuvor 48,90% auf nunmehr mit 50,75% mehr als die Hälfte. Diese Menge deckt 95,05% des chinesischen Jahresverbrauchs an Weizen.