Forum Fairer Handel

Discounter untergraben fairen Handel

Lebensmittel
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 16.07.2021 - 13:30

Mit ihrer Preispolitik üben die großen Lebensmittelketten einen enormen Preisdruck auf Erzeuger aus. Selbst Fairtrade-Produkte geraten dabei unter die Räder.

Nach über einer Dekade im Aufwind ist der Umsatz mit fairen Produkten in Deutschland erstmalig zurückgegangen. So wurden 2020 in Deutschland 1,8 Milliarden Euro mit Produkten aus Fairem Handel umgesetzt. Das entspricht einem Umsatzrückgang von 2,9 % gegenüber 2019. Im Durchschnitt gaben 2020 die Verbraucher in Deutschland pro Kopf 21,63 Euro für faire Lebensmittel und Handwerksprodukte aus.

Discounter sahnen in Coronazeiten mächtig ab

Lebensmittel

Der Umsatzrückgang ist unter anderem auf Lockdown bedingte Einbußen zurückzuführen. So vertrieben die anerkannten Fair-Handels-Unternehmen im vergangenen Jahr Waren im Wert von 207 Millionen Euro (- 8,4 %).

Der größte Teil des Umsatzes entfiel mit 1,45 Milliarden (- 3,2 %) auf Fairtrade gesiegelte Produkte. Diese Waren sind auch in Supermärkten und Discountern zu finden.

Hauptumsatzprodukte sind Kaffee und Bananen. Erstmalig seit 1999 verzeichneten Fairtrade gesiegelte Bananen in 2020 einen Absatzverlust (- 14 %). "Dieser ist vornehmlich auf den extremen Preiskampf der großen Discounter zurückzuführen. Die soziale, ökologische und ökonomische Rechnung für diesen Unterbietungswettlauf bezahlen die Bananen-Produzent im Globalen Süden", erklärte Matthias Fiedler, Geschäftsführer des Forums Fairer Handel (FFH) anlässlich der Präsentation der Umsatzzahlen.

„Fair-Handels-Unternehmen wollen mit ihren Handelspartnern durch die Krise kommen, nicht auf deren Kosten", sagt Fiedler zum Unternehmenskonzept des fairen Handels und ergänzte. "Dass die deutschen Supermärkte und Discounter in der Corona-Krise Rekordgewinne eingefahren haben, verdeutlicht, woran das System krankt.“

Ähnlich äußerte sich Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des FFH: „Viele der Menschen, die uns ernähren, kämpfen täglich um ihr Überleben, weil sie Preise akzeptieren müssen, die nicht einmal die Produktionskosten decken.“

Dumpingpreise für Lebensmittel verbieten

Das "Gesetz zur Stärkung der Organisationen und Lieferketten im Agrarbereich", welches im Mai 2021 verabschiedet wurde, bewertet die FFH positiv.  Damit seien einige der gravierendsten unlauteren Handelspraktiken entlang globaler Lieferketten im Agrar- und Lebensmittelhandel verboten worden.

Was aber immer noch fehle, sei ein Verbot von Dumpingpreisen. „Immerhin hat der Bundestag beschlossen, ein gesetzliches Verbot des Einkaufs von Lebensmitteln unterhalb der Produktionskosten zu prüfen. Die neue Bundesregierung sollte diese Prüfung nun zügig durchführen und ein Verbot schnellstmöglich umsetzen, um den regelmäßigen Preiskämpfen der großen Lebensmitteleinzelhändler entgegenzuwirken“, fordert Andrea Fütterer.

Hierbei dürfe die unterschiedliche Machtverteilung in Lieferketten nicht übersehen werden. Denn durch ihre Vormachtstellung können Unternehmen am Ende vieler Lieferketten Liefer- und Markteintrittskonditionen sowie Preise diktieren. Ein Problem, das lateinamerikanische bereits mehrfach monierten haben und das auch deutschen Bauern hinlänglich bekannt ist.