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Energiekosten

Diesel ist in Bayern am teuersten

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Olaf Zinke
am Donnerstag, 22.09.2022 - 13:11

Die Dieselpreise sind diese Woche weiter zurück gegangen. Grund sind die stark fallenden Preise für Rohöl. Die regionalen Preisunterschiede sind jedoch riesig. Bei Diesel sind diese Unterschiede sogar noch größer als bei Benzin. Autofahrer können sich das nicht erklären. Auch der ADAC und auch das Kartellamt suchen nach den Ursachen für diese Unterschiede, die erheblich ins Geld gehen können.

Im Bundesmittel kostete Diesel am Dienstag 2,02 Euro je Liter, meldete das Onlineportal benzinpreis.aktuell. Das ist der niedrigste Dieselpreis seit dem 24. August – also seit rund 4 Wochen und zudem ein Preisrückgang von knapp 16 Cent seit dem letzten Preishoch von Anfang September.

Angesichts des starken Rückgangs der Ölpreise von rund 25 % müssten die Dieselpreise allerdings noch niedriger liegen. Doch damit beschäftigt sich gerade das Kartellamt. Regional und zu bestimmten Tageszeiten liegen die Dieselpreise derzeit auch unter 1,90 Euro je Liter.

Diesel in Hamburg am billigsten

Nach wie vor sind die regionalen Unterschiede zwischen den Kraftstoffpreisen in Deutschland jedoch außergewöhnlich groß. Dies zeigt die aktuelle ADAC-Auswertung der Kraftstoffpreise aus den 16 Bundesländern. Danach war Benzin im Saarland am günstigsten. Diesel kostete in Hamburg am wenigsten.

Gleichzeitig sind die regionalen Preisunterschiede beim Diesel weitaus größer als beim Benzin, sagt der ADAC. Danach zahlten Autofahrer an den Hamburger Tankstellen im am Dienstag (20.09) für einen Liter Diesel durchschnittlich 1,950 Euro. An den bayerischen Tankstellen wurden am gleichen Tag 2,115 Euro verlangt – das ist ein satter Aufschlag von 16,5 Cent.

In Baden-Württemberg als zweitteuerstem Bundesland kostet ein Liter Diesel 2,080 Euro und damit 3,5 Cent weniger als in Bayern.

Bayern müssen am meisten zahlen – Kartellamt eingeschaltet

Eine Erklärung für die gravierenden Preisunterschiede findet der ADAC nicht. Im Gegenteil. Nach Ansicht der ADAC-Experten liefern die Raffinerieprobleme in Schwechat/Wien sowie das Niedrigwasser am Rhein und anderen Flüssen, die den Transport von Kraftstoffen verteuert haben, keine ausreichende Begründung für die großen Unterschiede. Bei Benzin ist die Lage ähnlich: Danach ist - wie in den Vormonaten – Bayern das mit Abstand teuerste Bundesland, sagen die ADAC-Experten.

Für einen Liter Super E10 müssen die Autofahrer in Bayern derzeit im Schnitt 1,994 Euro bezahlen. Zweitteuerstes Bundesland ist Mecklenburg-Vorpommern, hier kostet der Liter 1,934 Euro und damit bereits sechs Cent weniger als in Bayern. Auffällig auch der Preisunterschied zu Baden-Württemberg, ebenfalls ein großes Flächenland im Süden Deutschlands: Hier kostet ein Liter Super E10 im Schnitt 1,887 Euro, das sind 10,7 Cent weniger als in Bayern. Im Saarland als günstigstem Bundesland müssen die Verbraucher aktuell 1,841 Euro für einen Liter E10 bezahlen.

Lassen sich die Unterschiede erklären?

Ähnliche große regionalen Preisunterschieden gab es in der Vergangenheit schon einmal im Jahr 2018 im Zusammenhang mit einem starken Rhein-Niedrigwasser bei zeitgleichem Ausfall einer in Bayern gelegenen Raffinerie, sagt das Bundeskartellamt. Die Behörde hat im Mai 2022 eine Sektoruntersuchung zu Raffinerien und der Großhandelsebene eingeleitet.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes sagt: „Im Rahmen der Untersuchung legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Marktstruktur, die Kostenstrukturen und die tatsächlichen Gewinnmargen der Unternehmen. In einem ersten Schritt haben wir umfangreiche Daten, Informationen und Unterlagen von rund 20 in Deutschland im Raffineriebereich tätigen Unternehmen abgefragt, die wir derzeit auswerten.“