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Selbstversorgung

Deutsches Fleisch wird zur Mangelware

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Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 15.11.2022 - 15:19

Fleischbranche geht von deutlich sinkendem Angebot von Schweine- und Rindfleisch aus.

Berlin Die Agrarbranche hat in den vergangenen Monaten immer wieder gewarnt, dass die Ernährungssicherheit in Deutschland aufgrund der politischen Vorgaben und Entwicklungen auf dem Spiel steht. Jetzt kommen die ersten Belege.

Die Fleischwirtschaft warnt vor einem sinkenden Angebot an deutschem Schweinefleisch. In den kommenden Monaten sind zudem Versorgungslücken nicht auszuschließen. Auch bei Rindfleisch wird der Selbstversorgungsgrad auf unter 100% sinken.

Bessere Chancen für höhere Erzeugerpreise?

Dies prognostiziert Hubert Kelliger, Vorstand des Verbands der Fleischwirtschaft. Grund: Immer mehr Landwirte wegen hoher Kosten umsteuern oder sogar das Handtuch werfen. So würden viele Landwirte keine Ferkel mehr einstallen und auch weniger Sauen belegen. „In den nächsten Monaten und im Frühjahr werden weniger Schweine auf uns zukommen,“ so Kelliger. Futtermittel und Energie hätten sich stark verteuert. Auch die Rinderbestände sinken weiter.

Ein knappes Schlachtviehangebot sollte indes die Chancen auf höhere Erzeugerpreise steigen lassen, hoffen viele Tierhalter.

Nach Einschätzung des Branchenvertreters wird der Verbraucher dies auch finanziell zu spüren bekommen. Er geht von weiteren kräftigen Preissteigerungen für Verbraucher aus. Bis zu 40 % seien möglich.

Fleischwirtschaft macht Politik verantwortlich

Der Verband spricht für Schlachthof-Unternehmen wie Tönnies, Westfleisch, Danish Crown und Vion. Aber auch mittelständische Unternehmen vertritt der Verband. Laut Kelliger haben die Unternehmen die bisherigen Kostensteigerungen kaum an den Handel weitergeben können. In Verhandlungen mit dem Handel gehe es um Erhöhungen um nur 10 Cent pro Kilo, dabei müsste man eigentlich über eine Euro-Erhöhung reden.

Die Fleischbranche wirft der Bundesregierung vor, sie nicht zu unterstützen. Politische Aussagen aus Berlin, dass die Tierbestände in Deutschland um die Hälfte gesenkt werden sollte, seien nicht hilfreich, kritisiert Kellinger. Außerdem geht nach dessen Ansicht ein solcher politischer Kurs an der Stimmung in der Bevölkerung vorbei, da 92 Prozent der Bevölkerung weiterhin regelmäßig Fleisch einkauften.