Ernte 2020

Deutsche Getreideernte unter dem Durchschnitt

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aiz
am Freitag, 26.06.2020 - 11:15

Die deutsche Getreideernte wird heuer voraussichtlich rund 43 Mio. t ausmachen. Damit würde sie leicht unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 von 44,4 Mio. t und rund 4 % unter dem Vorjahresergebnis liegen.

Berlin - "Wir erwarten eine leicht unterdurchschnittliche Ernte bei großen regionalen Unterschieden. Durch die Niederschläge der vergangenen Wochen hat sich insgesamt eine gewisse Entspannung eingestellt. Für die Herbstkulturen sind die Sommermonate entscheidend, in denen wir ausreichend Regen brauchen, da es keine Wasserreserven in den Böden gibt . Auch unsere tierhaltenden Betriebe sind dringend darauf angewiesen, wieder ausreichende Futterreserven aufzubauen", erklärte heute der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied.

Die deutsche Getreideernte ist laut DBV unter sehr wechselhaften Vegetationsbedingungen herangewachsen. Im vergangenen Herbst endete die Dürre mit flächendeckenden Niederschlägen, wodurch die Bodenwasservorräte wieder aufgefüllt wurden. Nach einem milden Winter litten die bis dahin gut entwickelten Getreidebestände jedoch unter dem deutlich zu trockenen März und April. "Der kühlere Mai und die Niederschläge im Juni haben größere Ertragseinbußen beim Winterweizen verhindert. Für die Wintergerste kamen die Niederschläge dagegen zu spät", erläuterte Rukwied die Auswirkungen der Witterung auf die Getreidearten. Auf den Winterweizen könnten sich in diesen Tagen noch extreme Hitzewellen negativ auswirken, da die für den Ertrag wichtige Kornfüllung bei hohen Temperaturen und Wassermangel nicht mehr stattfindet.

Anbaufläche um knapp 3% kleiner aus als im Vorjahr

Die Getreideanbaufläche zur Ernte 2020 fällt mit 6,2 Mio. ha um rund 3% kleiner aus als im Vorjahr. Mit einer Anbaufläche von 2,84 Mio. ha ist Winterweizen weiterhin die im Anbau bedeutendste Getreideart in Deutschland. Allerdings ist der Anbau dieser Kultur wegen der nassen Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst gegenüber dem Vorjahr um 215.000 ha oder 7% zurückgegangen. Da Winterweizen zu den ertragsstarken Getreidearten zählt, wirkt sich die verringerte Anbaufläche auch deutlich auf die zu erwartende Erntemenge insgesamt aus.

Der Anbau von Winterraps konnte gegenüber dem Vorjahr zwar um 100.000 ha auf 953.000 ha ausgedehnt werden, verfehlt damit aber die durchschnittliche Anbaufläche der Jahre 2015 bis 2019 in Höhe von 1,2 Mio. ha deutlich. Ursächlich hierfür ist, dass es zum Zeitpunkt der Rapsaussaat im August/September 2019 weiterhin viel zu trocken war. Zudem ist der Rapsanbau aufgrund fehlender Bekämpfungsmöglichkeiten wichtiger Schädlinge mit höheren Ertragsschwankungen verbunden, wodurch der Anbau dieser Kultur wirtschaftlich weniger attraktiv geworden ist. "Mit Blick auf die Auflockerung der vielfach getreidereichen Fruchtfolgen ist dies eine bedauerliche Entwicklung", so Rukwied.

Keine Futterreserven vorhanden

Für die nun startende Getreideernte hoffen die deutschen Bauern auf beständige sommerliche Witterungsverhältnisse. Für die im Herbst zu erntenden Kulturen Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben ist in den nächsten Monaten dagegen eine ausreichende Wasserversorgung notwendig, damit diese Kulturen ihr Ertragspotenzial entfalten können.

Auch für die tierhaltenden Betriebe ist eine ausreichende Wasserversorgung existenziell, damit eine gute Grundfutter- und Silomaisernte eingefahren werden kann. Futterreserven bestehen nach zwei viel zu trockenen Jahren auf den Betrieben nicht mehr.