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Agrarhandel

Deutsche Agrarexporte legen wieder zu

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 14.01.2022 - 09:26

Starker Zuwachs bei Landtechnik verbucht. Handelsbilanz bleibt negativ.

Containerhafen-Hamburg

Die Ausfuhren deutscher Agrarprodukte und Lebensmittel sowie Landtechnik prognostiziert die GEFA für 2021 mit 83,9 Mrd. Euro und somit um 4,7 % über dem Vorjahresniveau. Noch stärker ist der Landtechnik-Export gewachsen. Laut GEFA wuchs er um 18 % auf 8 Mrd. €. Das Plus bei den Ausfuhren für Agrarprodukte und Lebensmittel fiel mit 2,9 % schwächer aus. Insgesamt verbuchte die deutschen Agrarexporteure hier 75,9 Mrd. €.

Die Handelsbilanz der Branche ist, bezogen auf das Gesamtjahr 2020, mit einem Defizit von 16,5 Mrd. Euro stark negativ. Ob EU-27, Drittland, Entwicklungsländer oder sogar die nach UN-Definition am geringsten entwickelten Länder der Erde, Deutschland importiert deutlich mehr Agrarprodukte und Lebensmittel aus diesen Ländergruppen, als es in diese exportiert.

Deutschland auf Rang vier

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Nach den USA, Frankreich und Brasilien belegt Deutschland Rang vier der größten Agrarexportnationen der Welt. Top bei den Agrarausfuhren Deutschlands waren im vergangenen Jahr Molkereiprodukte, Süßwaren und Landtechnik. Beim Schweinefleisch verzeichneten die Händler jedoch wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und ungelöster Fragen bei der Regionalisierung einen drastischen Einbruch des Drittlandsgeschäfts mit um 48  % geringeren Erlösen. Zudem mussten sich die deutschen Exporteure auch 2021 mit etlichen anderen Problemen auseinandersetzen.

„Das vergangene Jahr hat unsere Branche, wie schon das Vorjahr, in mehrfacher Hinsicht vor bisher nicht gekannte Prüfungen gestellt. Durch Covid-19 hat es erhebliche Segmentverschiebungen zum Online-Handel und zum stationären Lebensmittelhandel zulasten der Gastronomie gegeben. Durch Tierseuchen weltweit gesperrte Märkte für einzelne Produktkategorien, stark negative Auswirkungen des Brexits sowie weiterhin fehlende Marktzugänge belasten die Branche weiter“ sagt Hartmut Kretschmer, Sprecher der GEFA.

Exporteure fordern entschlossenere Politik

Die von der GEFA vertretenen Exporteure haben in 2021 entschlossen gehandelt und sich den Herausforderungen der Pandemie gestellt. Neben den Marktverschiebungen waren die bei vielen Agrarprodukten und Lebensmitteln sehr kritischen Unterbrechungen der Lieferketten sowie der Logistik zu meistern.


Allerdings können die Exporteure allein keine Märkte öffnen. So können zum Beispiel die dramatischen Auswirkungen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland nur durch die Anerkennung der sogenannten Regionalisierung in vielen wichtigen Drittlandmärkten gemildert werden. Dies kann nur auf staatlicher Ebene verhandelt werden.

„Von politischen Initiativen zur Marktöffnung sind aktuell einige Produktbereiche unserer Mitglieder betroffen, insofern benötigen wir ein entschlossenes gemeinsames Handeln von Politik und Wirtschaft. Als Vertreter der Wirtschaft bieten wir dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dazu unsere Dialogbereitschaft und Unterstützung an“, so Jan-Bernd Stärk, stellvertretender Sprecher der GEFA.

Bundesregierung setzt auf Freihandel

Die Ankündigungen der neuen Bundesregierung im Koalitionsvertrag zur Förderung des Freihandels begrüßt die GEFA. „Mit Blick auf viele Märkte drängen wir seit Jahren auf konsequente Anstrengungen des Agrarresorts zu Marktöffnungen und zum Abbau von tarifären und / oder nichttarifären Handelsbeschränkungen. Ebenso benötigen die Unternehmen verstärkt Initiativen zur Marktöffnung in politisch sensiblen Ländern durch die höchsten Ebenen der Bundesregierung“, so Kretschmer weiter.

Mit Material von AgE
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