Versorgungssicherheit

Coronakrise – globaler Agrarhandel am Limit

Agrarmarkt
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 06.04.2020 - 16:26

Rohstoffsicherung fängt auf dem Acker an. Kurze Lieferketten mit Produkten aus der Region garantieren eine sichere Versorgnung.

Berlin - Die Frage einer sicheren Marktversorgung ist aktuell ein unmittelbar die Verbraucher berührendes Thema. Der zeitweise Anblick leerer Regale ist ungewohnt; Hamsterkäufe ein Beleg, wie schnell Haushalte in einer Wohlstandsgesellschaft die Sicherung des Eigenbedarfs in den Mittelpunkt stellen.

Regionale Erzeugung von Lebensmitteln nicht dem Freihandel opfern

Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) sieht darin einen Beleg, dass der internationale Agrarhandel in Krisensituationen an sein Limit kommt.

Sie fordert, dass die Politik bei der Umsetzung der „Farm-to-Fork“-Strategie als Teil des Green Deals der EU-Kommission die regionale Rohstoffproduktion für die Lebensmittelversorgung wieder in den Blick nimmt, statt diese als Kompensation bei Freihandelsabkommen anzubieten.

Kurze Ketten sorgen für hohe Sicherheit

Damit die Regale voll sind, bedarf es gut funktionierende Lieferketten, die ihren Anfang mit dem Anbau auf dem Acker nehmen. Diese Lieferketten sind für die Öffentlichkeit praktisch unsichtbar.

Schwachstellen in der Versorgungsicherheit sind die unterschiedlichen Transportsysteme in der Warenerfassung, Lagerung und Lieferung in Häfen bzw. zu den Verarbeitungsunternehmen. Aktuell kommen Auflagen zur Bekämpfung der Corona-Krise hinzu. Auf den Punkt gebracht lautet die Formel: je kürzer die Lieferkette, desto sicherer ist diese.

In Nordamerika und der Europäischen Union werden die Agrargüter über den Schienen- und Schwerlastverkehr transportiert; in Südamerika findet dies fast ausschließlich über den Schwerlastverkehr statt. Über große Strecken werden die Sojabohnen zu den Ölmühlen und Häfen transportiert. Im Falle von Argentinien kommt hinzu, dass die Regierung kürzlich die Exportzölle für Sojaschrot erhöht hat, so dass die Ausfuhr von Sojaschrot praktisch zum Erliegen gekommen ist und Ölmühlen schließen mussten.

Verbraucher fordert Transparenz

Die aktuelle Krise sollte daher zum Anlass genommen werden, die regionale Herkunft und kurze Lieferketten neu zu überdenken, betont die UFOP unter Hinweis auf die von der EU-Kommission angekündigten „Farm-to-Fork“-Strategie.

Damit verbunden sei zugleich mehr Transparenz, denn Verbraucher wollten zunehmend auch darüber informiert werden, wo die Lebensmittel herkommen und womit sie produziert seien. Diese gestiegene Sensibilität müsse im Sinne einer stärken Regionalbindung und verbesserter Verbraucherinformation genutzt werden, schlägt der Verband vor.

Auf vielen Milchprodukten sei dies erkennbar an der Kennzeichnung „ohne Gentechnik“. Die Tiere seien mit gentechnikfreiem Rapsschrot gefüttert worden. Der Raps stamme aus deutschem bzw. europäischem Anbau, so die UFOP.

Die UFOP betont, dass die strategische Ausrichtung der Rohstoffsicherung auf der Anbaufläche anfange. Betroffen sind die deutschen und europäischen Ölmühlen, wenn die Vollauslastung das Ziel ist. Alleine deutsche Ölmühlen vermahlen ca. 9 Mio. t Rapssaat. Angemessene Erzeugerpreise, rechtzeitig vor der Aussaat an die Landwirte adressiert, sind das entscheidende Signal, dem Anbau von Raps die erforderlichen Impulse zu geben und die Läger aus europäischem Anbau zu füllen.